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Stiftung Warentest - Reisekoffer: Giftige Reisebegleiter

Die Stiftung Warentest hat Reisekoffer unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist verheerend: Selbst teure Markenkoffer sind mit krebserregenden Substanzen belastet.

Von Gernot Kramper

American Tourister by Samsonite Tokyo Chic Spinner – der Name hört sich nach Jet Set an, doch nach den Ergebnissen eines aktuellen Tests der Stiftung Warentest sollte man lieber die Finger von diesem Koffer lassen. In dem Griff befinden sich nämlich polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), wie die Verbraucherschutz-Organisation herausgefunden hat. Im schlimmsten Fall können PAK Krebs erzeugen. Zehn Milligramm PAK pro Kilogramm Kunststoff halten die Warentest-Experten für tolerierbar. Doch diesen Wert schlägt der "American Tourister" um Längen: Statt zehn wiesen die Prüfer 18.000 Milligramm nach. Drei weitere der insgesamt 17 getesteten Koffer fielen ebenfalls wegen hoher Schadstoffbelastung durch. Das Urteil: "mangelhaft". bei dem "Samsonite Cubelite-Spinner" wurden 60 Milligramm PAK pro Kilo gemessen, im "K-Classic Trolley" von Kaufland und im "Travelite Elbe-One" fanden die Tester in den Griffen gefährliche Phthalat-Weichmacher.

Besonders auffällig ist das zweimalige Versagen der bekannten Marke Samsonite. Zwar reagierte das Unternehmen und erklärte, das besonders stark belastete Modell vom Markt zu nehmen. Die Bestände im Handel werden laut "Warentest" aber weiter verkauft, ein Rückruf des Anbieters sei nicht vorgesehen. Wer einen der genannten Koffer besitzt, kann nur hoffen, dass der Händler das Exemplar aus Kulanz zurücknimmt.

Immerhin konnte jeder zweite der 17 Hart- und Weichschalenkoffer bei den Schadstoffen punkten und bekam in dieser Wertungskategorie ein "Sehr gut". Insgesamt fällt das Urteil der Tester aber unbefriedigend aus. Kein Reisekoffer bekam ein "Sehr Gut" und nur vier erreichten das Prädikat "Gut". Die Koffer waren zwar durchweg stabil, auch hielten ihre Rollen dem Belastungstest stand. Aber in einem anderen Testaufbau versagten sie fast alle. Stiftung Warentest ließ es nämlich regnen. Darauf waren die Kofferhersteller offenbar nicht gefasst. Ein zehn Minuten langer starker Guss überforderte das Gros der Test-Kandidaten. Das schlechte Abschneiden ist erstaunlich, weil ein tüchtiger Schauer auf dem Rollfeld oder dem Bahnsteig durchaus nicht ungewöhnlich ist.

Gut ist dieses Mal auch teuer

Nur ein einziger Koffer war wirklich wasserdicht: der Rimowa Salsa Air. Bei allen anderen drang Wasser über die Teleskopstangen oder den Reißverschluss ins Innere ein. Bei einigen war der Inhalt nach dem Guss buchstäblich durchnässt. Beim "Travelite Flair" blieben nach nur zehn Minuten Regen bis zu eineinhalb Liter Wasser im Gepäck zurück. Darüber, wie es nach einem Dauerregen von einer Stunde ausgesehen hätte, mag man gar nicht nachdenken. Dringt Wasser ein, wird die Wäsche im Koffer feucht. Das kann dem Reisenden schon einen Kurzurlaub verderben. Befindet sich noch empfindliche Elektronik im Koffer muss man mit ernsthaften Schäden rechnen, wenn der Inhalt nach dem Guss nicht sofort getrocknet wird, weil er auf eine lange Reise geht.

Rundum überzeugen konnte nur "Rimowa Salsa Air" (Hartschale) und die Weichschalenkoffer "Delsey X'pert-Lite" und "Samsonite B-Lite Spinner" – sie erhielten die Note "Gut". Billigkoffer konnten nicht punkten. Die günstigsten Modelle mit Preisen unter 70 Euro erhielten alle ein "Mangelhaft". Bei ihnen war es auch schlecht um die mechanische Haltbarkeit bestellt.

Der wasserdichte "Rimowa Salsa Air" ist der teuerste Koffer im Test (325 Euro). Die in der Gesamtwertung gleich gut platzierten Weichschalenkoffer sind günstiger, gehören aber auch noch zu den höherpreisigen Produkten. Der "Delsey X'pert-Lite" kostet 210 Euro, der "Samsonite B-Lite Spinner" 189 Euro. Getestet wurden Koffer mit einem Inhalt von 48 bis zu 109 Litern – die Preisangaben können daher nur mit Einschränkungen verglichen werden.

Stiftung Warentest:

die kompletten Ergebnisse des Koffer-Tests

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