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Wer steckt hinter ...: ... Reisewarnungen

Wenn es für Deutsche im Ausland gefährlich werden kann, gibt er Alarm. Klaus D. Streicher ist oberster Reisewarner der Republik. Sein Arbeitsplatz: das Außenministerium.

Wenn die Tresor türen offen stehen, kann Klaus D. Streicher sehen, ob es draußen regnet oder ob die Sonne scheint. Diese mächtigen Fensterläden aus dickwandigem Stahl sind Hinterlassenschaften der früheren Reichsbank am Werderschen Markt zu Berlin. Der Stahl blieb drin, als das Zentralkomitee der SED ins Gebäude einzog und später das Außenministerium des vereinigten Deutschland.

Heute ist im ehemaligen Tresorkeller der Reichsbank das Krisenreaktionszentrum (KRZ) des Auswärtigen Amtes untergebracht. Streicher, 47, ist einer von 36 Beamten, die hier sicherstellen, dass das Ministerium rund um die Uhr erreichbar ist. Ob Tsunami oder Geiselnahme, Terroranschlag oder Krieg - ins KRZ wird sofort gemeldet, wenn deutsche Staatsbürger in Lebensgefahr sind, wo immer auf der Welt.

Reisewarnungen nur bei akuter Gefahr für Leib und Leben

Streicher hat einen festen Platz am Tagungstisch des Krisenstabes im abhörsicheren Konferenzraum. Und mit seinem Kollegen Klaus-Peter Hanke ist er zuständig für die aktuellen Reisewarnungen und Sicherheitshinweise des Ministeriums. Die können, laufend auf den neuesten Stand gebracht, über Internet und Telefon (030/50 00 20 00) abgerufen werden.

"Mit den Sicherheitshinweisen machen wir auf länderspezifische Risiken für Reisende und Deutsche im Ausland aufmerksam", sagt Streicher. Da wird zum Beispiel auf die fragile Lage in bestimmten Regionen eines Landes hingewiesen. "Reisewarnungen", so Streicher weiter, "sprechen wir nur dann aus, wenn mit einer akuten Gefahr für Leib und Leben gerechnet werden muss." Derzeit warnt das Auswärtige Amt vor Reisen in insgesamt neun Länder, darunter Irak, Afghanistan und Somalia.

Die Hinweise des Ministeriums werden stark nachgefragt: So gab es im Jahr 2005 rund 3,5 Millionen Zugriffe auf die entsprechende Internetseite. Um Sicherheit geht es meist auch in den rund 50 000 Auskünften, die der Bürgerservice des Auswärtigen Amtes pro Jahr individuell erteilt, telefonisch wie schriftlich. Bei Krisen erreichen die Anfragen Spitzenwerte: "Allein während der Tsunami-Katastrophe", sagt Klaus D. Streicher, "hatten wir nahezu 60 000 Anrufe."

"Über mangelnde Abwechslung kann ich wirklich nicht klagen"

Die Informationen, die Streicher und sein Kollege Hanke für ihren Service brauchen, kommen direkt von den einzelnen Länderreferaten des Außenministeriums. Die wiederum erhalten sie von den 226 deutschen Auslandsvertretungen, darunter 145 Botschaften. "Wir bringen sie dann nicht nur textlich in Form", sagt Streicher, "sondern achten auch auf eine einheitliche Linie." Qualifizierte Mitarbeiterinnen sprechen die Texte zudem auf Speichermedien, damit sie über den Sprachserver des Ministeriums telefonisch abgerufen werden können.

Klaus D. Streicher hat gleich nach seinem Studium der Islamwissenschaften beim Auswärtigen Amt angeheuert. War, nach einer zweijährigen Vorbereitung auf den Diplomatischen Dienst, drei Jahre an der deutschen Botschaft in der marokkanischen Hauptstadt Rabat, arbeitete dann wieder in der Zentrale in Deutschland. Von 1999 bis 2003 diente er an der Botschaft in Seoul, Südkorea. Und sitzt seitdem im Rang eines Vortragenden Legationsrats im Berliner Krisenreaktionszentrum. Er weiß, dass er einen der spannendsten Jobs hat, die man als Beamter haben kann: "Über mangelnde Abwechslung kann ich wirklich nicht klagen."

Gegen den Stress im Amt hält sich Streicher fit mit dem koreanischen Kampfsport Taekwondo. Und er liest gern. Zuletzt hat ihn "Der Weltensammler" von Ilija Trojanow beeindruckt: "Da geht es um den englischen Kolonialoffizier und Abenteurer Richard Francis Burton, der sich wie besessen auf fremde Länder einlässt."

Gerade hat der oberste Reisewarner der Republik ein paar Tage Urlaub gemacht. In einem Taekwondo-Trainingslager auf Mallorca. Um seine Sicherheit musste er da nicht fürchten. Genauso wenig wie sein Kollege Klaus-Peter Hanke, der sich zuvor auf seinem Berliner Laubengrundstück erholte.

Werner Mathes / print

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