VG-Wort Pixel

Manipulation im Spitzensport Fahnder kritisiert neues Anti-Doping-Gesetz


Spitzensportler sollen für Doping-Vergehen bis zu drei Jahre in Haft. Der Gesetzentwurf sorgt für harsche Kritik. Dem Doping-Experten Werner Franke geht die Vorlage noch nicht weit genug.

Doping-Experte Werner Franke und die ehemalige Weltklasse-Sprinterin Ines Geipel haben das neue Anti-Doping-Gesetz der Bundesregierung scharf kritisiert. Die Vorlage sei "nicht nur ein kleiner Wurf, sondern gar kein Wurf", meinte der renommierte Wissenschaftler Franke in einem Gespräch mit dem Radiosender hr1. "Das ist entweder total dumm oder total hinterhältig."

Franke begründete dies mit aus seiner Sicht eklatanten Versäumnissen und Schwächen des Gesetzentwurfs. So solle es strafrechtliche Konsequenzen nur für Spitzenathleten und Profis geben, nicht aber für Amateure und Freizeitsportler. Der Heidelberger Molekularbiologe kritisierte außerdem das System der Sportförderung: "Wir haben einen Staat, der jede Art der Hilfe für junge Leute von der Zahl der Medaillen abhängig macht."

"Variante mit Athleten als Bösewicht"

Nach Meinung von Ines Geipel würde das Gesetz lediglich den Druck auf die Sportler verstärken. "Wir wissen, Doping ist ein System, da gibt es sehr viele Interessenten, und jetzt gibt es wieder die Schwarze-Schaf-Variante mit dem Athleten als Bösewicht", sagte die Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins (DOH) dem Rundfunksender SWRinfo. Die Wissenschaftlerin und Buchautorin forderte ein Gesetz, "das dieses Netz auseinandernimmt und die Strukturen dahinter sichtbarer macht und bestraft".

Die Vereinigung führender Sportsponsoren in Deutschland (S20) hat den Gesetzentwurf der Bundesregierung dagegen begrüßt. "Die Unternehmen, die bei S20 zusammengeschlossen sind, haben sich stets klar gegen Doping ausgesprochen. Wir haben bei diesem Thema regelmäßig Kontakt zur NADA und finden, dass weitergehende Strafen auch durch den Staat ein wichtiger Schritt zur Abschreckung sein können", betonte der S20-Vorsitzende Stephan Althoff in einer Mitteilung.

Bis zu drei Jahre Haft für Spitzensportler

Doping sei allerdings "nicht die einzige Ausprägung von Manipulation im Sport", fügte Althoff hinzu. Bestechung, Wettmanipulation und andere Auswüchse müssten ebenfalls dringend thematisiert und auch politisch angegangen werden, forderte er.

Spitzensportler, die beim Doping erwischt werden, müssen künftig mit bis zu drei Jahren Haft rechnen. Das Gesetz, das auch den Besitz von Doping-Mitteln unter Strafe stellt, soll "zur Erhaltung der Integrität des Sports" beitragen. Doping-Ärzten und anderen Hintermännern drohen noch härtere Strafen als den Athleten. Der Entwurf sieht Freiheitsstrafen von bis zu zehn Jahren vor, wenn jemand "die Gesundheit einer großen Zahl von Menschen gefährdet".

Regierung will sich Wettbetrug vornehmen

Nach dem Anti-Doping-Gesetz plant die Bundesregierung nun auch ein weiteres Gesetz gegen Manipulation und Wettbetrug. "Wir wollen das im nächsten Jahr angehen", sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière bei der Vorstellung des Entwurfs für ein Anti-Doping-Gesetz in Berlin. Im Bereich des Profifußballs hätten es einige lieber gesehen, wenn diese Straftatbestände bereits in das nun formulierte Gesetz aufgenommen wären. "Das ist aber komplizierter, weil diese Szene sehr international ist", erklärte de Maizière.

Der Minister erwartet, dass der Widerstand gegen die deutsche Olympia-Bewerbung durch das neue Anti-Doping-Gesetz abnehmen wird. Wenn der Sport sauberer werde, dann würde in der Bevölkerung auch die Akzeptanz für die Bewerbung um die Sommerspiele in Hamburg oder Berlin steigen, sagte er. Auf die Frage, ob die Anti-Doping-Gesetzgebung die Chancen, dass Deutschland den Zuschlag für Olympia erhält, eventuell schmälern könnte, antwortete der Minister: "Wenn das so wäre, dann würde ich eine Bewerbung um ein solches Ereignis auch nicht befürworten."

mka/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker