Einspruch gegen Freispruch Fia hält an lebenslanger Sperre für Briatore fest


Kein Erbarmen für Flavio Briatore: Die Fia weigert sich, die lebenslange Sperre für den früheren Formel-1-Teamchef aufzuheben und will Berufung gegen das Urteil eines französischen Gerichts einlegen, dass den Bann für unzulässig erklärt hatte.

Der Motorsport-Weltverband Fia geht nach seiner Niederlage vor einem französischen Gericht gegen die Aufhebung der lebenslangen Sperre für den früheren Renault-Teamchef Flavio Briatore in Berufung. Dies kündigte der neue Verbandspräsident Jean Todt am Montag an. Der Einspruch wurde allerdings noch nicht eingereicht, er wird laut Todt derzeit vorbereitet.

Die Fia hatte bereits direkt nach dem Briatore-Freispruch vom 5. Januar 2010 erklärt: "Die Entscheidung des Gerichts ist nicht rechtskräftig, solange die Einspruch-Optionen der Fia nicht ausgeschöpft sind. Bis dahin wird die Entscheidung des World Motor Sport Councils weiter Bestand haben."

Superlizenz für Alonso und Webber

Der Unfall-Skandal geht damit in die nächste Runde. Beim Nachtrennen in Singapur 2008 soll Briatore einen absichtlichen Crash des Renault-Piloten Nelson Piquet Jr. angeordnet haben. Er war dafür von der Fia ein Jahr später bestraft worden.

Immerhin will die Fia bis zur endgültigen Klärung des Falles Briatores Klienten im Formel-1-Fahrerfeld nun doch wieder die Superlizenz in gewohnter Weise gewähren. Bislang hatte der Verband darauf bestanden, dass Piloten wie der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso und Sebastian Vettels Teamkollege Mark Webber sich von Briatores Managementfirma trennen müssen, ehe sie die Fahrerlaubnis für die neue Saison erhalten. Damit wolle man eine mögliche "Verunsicherung der Fahrer, die von dieser Entscheidung betroffen sind", vermeiden, hieß es in der Erklärung der Fia.

Briatore-Anwalt gibt Berufung keine Erfolgschance

Die Warnungen von Briatores Anwalt Philippe Ouakrat verhallten beim Weltverband jedoch ungehört. "Die Fia hat null Chancen mit einer Berufung", meinte Ouakrat in der Vorwoche. Sein Mandant hatte die Vorwürfe in der Singapur-Affäre stets bestritten. Das Tribunal de Grande Instance in Paris hatte Briatores Sperre am vergangenen Dienstag ausgehebelt, weil die Beweislage aus Sicht der Juristen zu dünn war. Auch den Fünf-Jahres-Bann gegen den ehemaligen Renault-Chefingenieur Pat Symonds hatte das Gericht für ungültig erklärt.

Zudem kritisierten die Richter die Rolle des früheren Fia-Präsidenten Max Mosley, der die Verbandsklage gegen Briatore auf den Weg gebracht und dann an der Spitze des Motorsport-Weltrats die Sperre für den PS-Paradiesvogel mitbeschlossen hatte. "Die Sache ist noch nicht vorbei", meinte Mosley daraufhin und empfahl der Fia und seinem Nachfolger Todt die Berufung. "Das Urteil von Paris hat ernsthafte Schwachstellen", befand der studierte Jurist.

Allerdings kündigte die Fia am Montag auch an, im Licht der Entscheidung des Tribunal de Grande Instance über weitere Änderungen seiner Sportgerichtsbarkeit nachzudenken. "Die Arbeit daran ist weit fortgeschritten", schrieb die Dachorganisation. Dennoch zeigte sich der Verband im speziellen Fall Briatore betont unnachgiebig. Die Fia, all ihre Organe und Mitgliedsclubs würden "alles tun, was notwendig ist, um Anstand und Sicherheit des Sports zu bewahren", hieß es.

SID/DPA DPA

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