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Fernando Alonso: Die Krönung des Prinzen

Ganz Spanien bereitet sich auf die Krönung von Fernando Alonso zum Formel-1-König vor, doch der "Prinz von Asturien" bremst die Euphorie.

"Ich denke, wir müssen noch ein wenig auf den Titel warten", sagte er. Der Renault-Pilot rechnet vor dem vielleicht entscheidenden Grand Prix am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Premiere) mit seinem einzig noch verbliebenen Rivalen Kimi Räikkönen: "Die McLarens sind der Favorit." Mit stoischem Gesichtsausdruck saß der Finne bei der Pressekonferenz neben Alonso auf dem Podium. Angesichtes des 27- Punkte-Rückstands in der Fahrerwertung gab der Vorjahresgewinner von Spa zu Protokoll: "Wir geben nicht auf, aber jeder weiß, dass es nicht einfach ist."

Kein Wunder, dass Alonso, von Familie und Fans liebevoll "Nano" genannt, kurz vor dem Triumph gelassen bleibt. "Druck spüre ich nicht. Ich mache es wie immer und gebe mein Bestes", sagte der 24- Jährige. An den Titel, der ihm kaum noch zu nehmen ist, will er angeblich keinen Gedanken verschwenden. Er beschäftigte sich vor der Reise nach Spa mit anderen Dingen. Am Mittwoch drehte der Renault- Pilot in Madrid einen Werbespot für einen Autoversicherer. Einen Tag davor wurde er mit dem in Spanien bedeutenden Prinz-von-Asturien- Preis in der Sparte Sport ausgezeichnet: "Darauf bin ich sehr stolz."

Countdown für einen Traum

Unterdessen zählt die Sportzeitung "Marca" in der täglichen Kolumne "Countdown für einen Traum" die Tage und versorgt ihre Leser mit Neuigkeiten rund um den Rennfahrer. In Alonsos Geburtsstadt Oviedo, der Hauptstadt der nordspanischen Region Asturien, ist in der Musikhalle eine Riesenleinwand aufgestellt, damit die Fans das Rennen in den fernen Ardennen verfolgen können.

Dem WM-Spitzenreiter wurde inzwischen sogar ein eigenes Lied gewidmet. Der Formel-1-Schlager wurde geschrieben und wird gesungen von Alonsos Freund, dem erfolgreichen Pop-Musiker Melendi. "Der Nano ist eine blaue Kugel, die von der Rennstrecke direkt ins Herz trifft", heißt es in dem Song. Melendi hat versprochen, für Alonso ein Privatkonzert zu geben, falls er als erster Spanier und jüngster Rennfahrer Formel-1-Weltmeister wird. Daran zweifelt seit Monza kaum einer mehr im PS-Zirkus.

Meisterschaft ist rum

"Ich glaube, man muss jetzt auch nicht mehr allzu prophetisch sein, wenn man der Meinung ist, dass die Meisterschaft jetzt rum ist", sagte Noch-Weltmeister Michael Schumacher. In seinem Ferrari kann der siebenmalige Titelträger noch nicht einmal Zünglein an der Waage spielen, so weit fährt der 36-Jährige momentan hinterher. "Normalerweise gibt es hier fü uns nichts zu holen", sagte er. Schumacher hofft auf himmlischen Beistand: "Ich bete um Regen." Nur bei Nässe können momentan die Bridgestone-Reifen an Schumachers Ferrari mithalten.

Ein Wunsch, der sogar in Erfüllung gehen könnte. "Es wird interessant sein, den Wetterbericht zu verfolgen. Ich denke, dass es ein aufregendes Wochenende für uns werden wird", sagte Ralf Schumacher. Der Toyota-Pilot hat ebenfalls keine Chancen auf eine Top-Platzierung. Nick Heidfeld im BWM-Williams muss wegen der Nachwirkungen seines Testunfalls noch pausieren und wird wie schon in Monza vom Brasilianer Antonio Pizzonia ersetzt.

Beim Großen Preis von Belgien muss Alonso nur vier Punkte mehr holen als Räikkönen, um den Titelgewinn perfekt zu machen. Selbst wenn die Silberpfeile in den letzten vier Rennen in Spa- Francorchamps, Brasilien, Japan und China jeweils Doppelsiege durch Räikkönen und den Kolumbianer Juan-Pablo Montoya einfahren sollten, müsste der Renault-Mann lediglich noch 14 Punkte holen. Aus eigener Kraft kann der Finne nicht mehr Weltmeister werden.

Volker Gundrum und Jörg Vogelsänger/DPA

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