Formel-1-Analyse Vettel streichen, Sutil setzen


Brawn-Mercedes hat sich beim GP von Monza mit dem vierten Doppelerfolg zurückgemeldet. Das machte sogar den Veteranen Rubens Barrichello sprachlos, der zum zweiten Mal in den vergangenen drei Rennen gewonnen hat. Für Sebastian Vettel bedeutet Rang acht wohl das Aus im WM-Titelkampf. Von Elmar Brümmer, Monza.
Von Elmar Brümmer

Der Brasilianer hat jetzt noch 14 Punkte Rückstand auf seinen Teamkollegen Jenson Button, der eine seit Mitte Juni andauernde Durststrecke überwunden hat und erstmals wieder auf dem Podium landete. Der eigentliche Sieger aber war einmal mehr Teamchef Ross Brawn, der seinen Piloten mit einer konservativen Ein-Stopp-Tankstrategie die mit zwei Boxenhalten operierenden Angreifer vom Hals hielt – nach 30 von 53 Runden hatten Barrichello und Button aus den Startplätzen fünf und sechs die Ränge eins und zwei gemacht, der aus der Pole-Position gestartete Silberpfeil-Pilot Lewis Hamilton fiel zu diesem Zeitpunkt auf Rang drei zurück.

Barrichello: "Mein Wille zu siegen war einfach größer als die technischen Probleme."

Das Spätsommer-Wetter komplimentierte die Reifen-Leistung der Brawns, Barrichello aber hatte mit einem angeschlagenen Getriebe zu kämpfen. Die Genugtuung, als ehemals ewige Nummer zwei von Ferrari ausgerechnet im Autodromo Nazionale zu triumphieren – zum insgesamt dritten Mal in seiner Karriere – war so groß, dass er weder jubeln noch jammern konnte: "Mein Wille zu siegen war einfach größer als die technischen Probleme." 80 Zähler bei vier noch ausstehenden Rennen hat Button jetzt auf dem Konto, Barrichello kommt auf 66 Punkte. Der WM-Tabellenführer macht die entscheidende Rechnung auf: "Ich habe zwar zwei Zähler gegen Rubens verloren, aber sieben auf Vettel gut gemacht."

Damit ist der deutsche Verlierer des Grand Prix des schnellsten Rennens im Kalender markiert. Der achte Platz für Sebastian Vettel könnte in der Tat das endgültige Aus für die Titelhoffnungen des Heppenheimers im Red-Bull-Renault bedeuten. Der Heppenheimer quälte sich bis zur Schlussrunde auf dem neunten Platz herum, sogar noch überholt von dem sechs Plätze hinter ihm gestarteten Nick Heidfeld im BMW-Sauber.

Vettel: "Am Auto war nichts, es war nur nicht schnell genug."

Nur der Crash des amtierenden Weltmeisters Hamilton brachte ihm noch Zählbares. Insgesamt liegt er jetzt 26 Zähler hinter Spitzenreiter Button. Teamkollege Mark Webber verabschiedete sich gleich im ersten Umlauf aus dem Rennen und hat jetzt 28,5 Zähler Rückstand. Red Bull fehlten die Flügel. Vettels einfache, aber deprimierende Begründung für den enttäuschenden achten Platz: "Am Auto war nichts, es war nur nicht schnell genug." Abhilfe soll in der kommenden Saison wohl ein Wechsel auf Ferrari-Leasingmotoren schaffen, das Team buhlt allerdings auch noch um Leihaggregate von Mercedes. Zehn Runden vor Schluss ritt der zickende Rennwagen Vettels durchs staubige Kiesbett – kein Gedanke daran, dass er vor Jahresfrist an gleicher Stelle als jüngster Grand-Prix-Gewinner in die Renngeschichte eingegangen war. 2010 kann der 22-Jährige noch einmal den Anlauf nehmen, auch Junior-Champion zu werden.

Der vierte Platz hinter dem Ferrari von Kimi Räikkönen war alles andere als ein undankbarer für den Adrian Sutil, der mit seinem Force-India-Mercedes schon in der Qualifikation auf den zweiten Startplatz vorgeschossen war, und der große deutsche Gewinner des Wochenendes ist. Für das scheinbar ewige Schlusslicht war es eine Art Wiedergeburt: "Ich fühle mich wieder als Rennfahrer. Das Auto ist unglaublich."

Was den ebenso unglaublichen Sprung von hinten nach vorn möglich macht, ist ein Leasinggeschäft: Motoren von Mercedes, Getriebe von McLaren, und auch ein paar Leiharbeiter aus der Aerodynamik-Abteilung des Silberpfeil-Teams. Dazu eine Strecke, auf der es besonders stark auf den Anpressdruck ankommt. Das Saisonhoch kommt gleich doppelt zur rechten Zeit: Der indische Milliardär Vijay Mallya sucht Investoren für seine rasenden Spielzeuge – und der 26 Jahre alte Sutil buhlt um einen neuen Vertrag für die kommende Saison. Die Verfünffachung der Punktausbeute aus seinen bisherigen 47 Rennen sind ein schlagkräftiges Argument.


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