Formel 1 Hamilton startet trotz Horror-Crash


Am Samstag war er mit 200 Sachen in einen Reifenstapel gerast, keine 24 Stunden später sitzt er schon wieder am Steuer: Der Brite Lewis Hamilton darf beim Formel-1-Rennen am Nürburgring starten - die Ärzte gaben grünes Licht.

Das "Michael-Schumacher-S" wäre Lewis Hamilton fast zum Verhängnis geworden. Nur sechs Wochen nach dem schweren Unfall von Robert Kubica hat auch WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton für eine Schrecksekunde in der Formel 1 gesogt. Doch für den Silberpfeil-Piloten blieb der Abflug in dem Streckenabschnitt, der seit Sonntag den Namen des zurückgetretenen Rekordweltmeisters Michael Schumacher trägt, mit über 200 Stundenkilometern ohne Folgen. "Ich bin glücklich, dass alles okay ist", sagte der 22-Jährige.

Während der polnische BMW-Sauber-Pilot Kubica nach seinem damals noch weitaus heftigeren Crash gesperrt wurde, durfte Hamilton 23 Stunden nach seinem Einschlag in die Reifenstapel beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring Gas geben. Das Grüne Licht kam rund fünf Stunden vor dem Start. Die erforderlichen Tests beim Chefarzt des Internationalen Automobilverbandes FIA, Gary Hartstein, und Streckenarzt Klaus Zerbian bestand Hamilton ohne Probleme. Neben Reaktionstests wurde dabei auch geprüft, wie schnell Hamilton aus einem Rennwagen klettern kann.

Dies hatte dem Briten unmittelbar nach seinem Crash noch große Probleme bereitet. Als er nach bangen Minuten des Wartens - der Funkkontakt zwischen Hamilton und dem Team in der Box war abgebrochen - aus dem Auto gehievt worden war, war er anschließend im Kies zusammengesackt. Noch auf der Trage in den Krankenwagen, am Tropf und den Hals fixiert, winkte Hamilton seinen Fans aber zu und streckte den Daumen nach oben. Der "Independent on Sunday" titelte dennoch: "Hamilton Horror Show". "Phew, Lew", hieß es beim "Sunday Mirror".

Glück im Unglück

Der ersten Erleichterung folgte das Durchatmen nach den ärztlichen Untersuchungen. "Wir alle freuen uns, dass Lewis’ gestriger Unfall ein so positives Ende genommen hat", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. "Wir haben sehr viel Glück gehabt", konstatierte Teamchef Ron Dennis.

Dabei waren auch Erinnerungen an den Crash von Michael Schumacher 1999 in Silverstone wach geworden. Der damalige Ferrari-Pilot war beim Großen Preis ebenfalls geradewegs in die Reifenstapel gekracht. Der mittlerweile zurückgetretene Rekordweltmeister war allerdings weniger glimpflich davon gekommen und hatte sich Unterschenkelbrüche zugezogen. Mittlerweile hat sich in Sachen Sicherheit viel getan. "Es war so heftig und schnell, aber dank der Sicherheitsmaßnahmen auf der Rennstrecke und im Cockpit war früh klar, dass es nicht allzu schlimm war", stellte Schumacher nach den Bildern von Hamiltons Crash fest.

Schlagschrauber defekt

Grund des Unfalls war ein defekter Schlagschrauber gewesen, der zu einer losen Mutter geführt hatte. Letztlich war der rechte Vorderreifen aufgeschlitzt worden und Hamilton fast ungebremst im spitzen Winkel in die Reifen gekracht. Der an der rechten Radaufhängung und an der Spitze demolierte Wagen wurde in der Nacht vor dem 10. von 17 WM-Läufen wieder hergerichtet.

Für Hamilton war es der schwerste Unfall in der Formel 1. Bei Testfahrten Anfang des Jahres war er in Valencia abgeflogen. Sein Wagen war damals weitgehend demoliert, er selbst blieb auch damals unverletzt. In Monaco war er beim Training vom engen Stadtkurs abgekommen. Auch dort bekam lediglich der Silberpfeil reichlich Schrammen ab. "Ich hatte eine Menge in meiner Rennkarriere und manchmal hab’ ich auch das Bewusstsein verloren, aber ich habe deswegen keine Angst", sagte Hamilton.

Jens Marx und Elmar Dreher/DPA DPA

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