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Formel 1: Heiß auf die "Grüne Hölle"

Von Monte Carlo in die "Grüne Hölle", für das deutsche Formel-1-Trio bleibt das Rennen auf dem Nürburgring ein himmlisches Vergnügen. Ralf und Michael Schumacher freuen sich ebenso wie Nick Heidfeld auf den Großen Preis von Europa.

"Der Kurs liegt so nah an meiner alten Heimat Kerpen, dass man unwillkürlich noch etwas motivierter ist als sowieso schon", sagt Rekord-Weltmeister und Ferrari-Pilot Michael Schumacher. Auch Bruder Ralf gerät beim Gedanken an den Großen Preis von Europa am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Premiere) ins Schwärmen. "Es ist ein spezieller Ort für mich", sagt der Toyota-Fahrer, während sich der Mönchengladbacher BMW-Williams- Pilot Nick Heidfeld auf "so viele Fans wie nirgendwo sonst" freut.

Schumacher Streit ist die beste Werbung

Der Zwist der Schumacher-Brüder in Monte Carlo und der grandiose zweite Platz von Heidfeld am vergangenen Sonntag waren die beste Werbung für den Grand Prix in der Eifel. "Seit Monaco boomt es noch einmal richtig", sagte am Mittwoch Walter Kafitz, Geschäftsführer der Nürburgring GmbH. In den vergangenen Jahren bekam auch der Nürburgring die wirtschaftlich schwierige Situation in Deutschland zu spüren. 2003 und 2004 waren die Zuschauerzahlen auf dem Traditionskurs zurückgegangenen. Offiziell erlebten vor einem Jahr 123 000 Fans an der rund 150 000 Besuchern Platz bietenden Strecke den Sieg von Michael Schumacher.

Mit reduzierten Preisen und familienfreundlicheren Angeboten soll der Negativtrend gestoppt werden. So können zwei Erwachsene plus Kind statt wie im Vorjahr für 470 nun für 300 Euro am gesamten Wochenende Rennluft schnuppern. Kafitz rechnet für das kommende Wochenende mit insgesamt rund 290 000 Besucher. Doch an die Rekordzahl von 2002, als am gesamten Rennwochenende über 350 000 Zuschauer in die Eifel strömten, ist derzeit nicht zu denken.

Mit großen Gewinnen kann Kafitz an einem Formel-1-Rennwochenende ohnehin nicht rechnen. Größter Kostenfaktor ist die Gebühr für das Fahrerfeld. Die Nürburgring GmbH muss nach Schätzungen über 15 Millionen Euro an Formel-1-Chef Bernie Ecclestone überweisen. Einzige Einnahmenquelle ist der Ticketverkauf. Gelder aus Sponsoring, Merchandising und Hospitality fließen in die Formel 1.

Imageträger für den Nürburgring

Dennoch ist die Formel 1 als Imageträger für den Nürburgring unverzichtbar. Auch für die Region ist sie ein Wirtschaftsfaktor. 60 Millionen Euro werden an einem Wochenende umgesetzt, 10 Millionen Euro bleiben als Gewinn. Von der Strecke selbst leben direkt oder indirekt rund 3000 Betriebe mit 15 000 Arbeitsplätzen. Seit 1995 flossen dank der Formel 1 rund 50 Millionen Euro an Steuern in die Landeskasse von Rheinland-Pfalz.

Dass das Rennen als einer von zwei deutschen Grand Prix - der zweite wird am 24. Juli auf dem Hockenheimring ausgefahren - möglicherweise einmal wegen der Erschließung neuer Länder wie Indien, Mexiko oder Russland aus dem Rennkalender der Formel 1 fällt, glaubt Nürburgring-Geschäftsführer Kafitz nicht. Vorerst jedenfalls scheint die Zukunft gesichert; bis 2009 läuft der Vertrag mit Bernie Ecclestone. Außerdem sei der Nürburgring mehr als eine Rennstrecke, findet Kafitz: "Er ist Mythos."

Jens Marx und Claas Hennig/DPA

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