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Formel-1-Kolumne: Alles auf Silber beim Renn-Roulette

Das Kopf-an-Kopf-Rennen an der Spitze der Formel 1 geht weiter: Durch den Sieg von Fernando Alonso vor Lewis Hamilton in Monte Carlo liegen die beiden Silberpfeil-Piloten punktgleich vorn im Titelrennen. Mehr an Dramatik gab's nicht - mehr an Überlegenheit geht aber auch nicht.

Von Elmar Brümmer

Wenn Stadtrennen die Zukunft der Formel 1 sein sollen, dann muss sich Bernie Ecclestone dringend eine andere Werbekolonne besorgen als die, die an Pfingsten auf den Straßen von Monte Carlo unterwegs war: Wenig Ausfälle, kaum Unfälle, praktisch keine echten Überholmanöver, nur Überrundungen. Ein Roulette, bei dem man die Farbe der Sieger schon unmittelbar nach dem Start voraussagen konnte: Alles auf Silber!

Die beiden golden Boys in ihren Silberpfeilen sind eine Klasse für sich. Mehr geht nicht. Fernando Alonso schaffte das doppelte Double: Wie im Vorjahr kassierte er Pole-Position und Grand-Prix-Sieg. Eigentlich sogar einen Hattrick, auch die schnellste Runde wurde ihm gutgeschrieben. Widersacher Lewis Hamilton rückt damit punktgleich auf den zweiten Rang der WM-Wertung, wie im Rennen selbst.

Wimpernschläge haben dieses Duell entschieden

Die Unterschiede zwischen Weltmeister und dem weltmeisterlichen Schüler sind unmerklich, Wimpernschläge haben dieses Prestigeduell entschieden - und werden über den Zweikampf entscheiden. Hamilton hat den Champion auch auf dem schwierigsten Kurs des Jahres unter Druck gesetzt. Alonso fühlte sich fürs Erste erleichert. Als er die Fürstenloge erklomm, gab er sogar der extrem hässlichen Siegervase einen verliebten Kuss: "Es war der bisher schönste meiner Formel-1-Siege. Psychologisch bedeutet er eine ganze Menge."

Hamilton hingegen sah man nach dem vierten zweiten Platz im fünften Grand Prix seines Lebens die leichte Enttäuschung an, er ärgerte sich am meisten über seine wiederholten, wenn auch nur leichten Leitplankenberührungen. Aber vermutlich auch darüber, dass Teamchef Ron Dennis eine Art Nichtangriffspakt befohlen hatte, um den Doppelsieg nicht durch gewagte Manöver auf dem gefährlichen Kurs zu gefährden. Bei zwei gleich schnellen und motivierten Piloten ist die Gefahr zu groß, dass sie sich gegenseitig aus dem Rennen werfen. Dennis sprach von Strategie, nicht von (der ohnehin verbotenen) Teamorder: "Ich bin nicht glücklich damit, aber ich musste es tun. Monaco ist eine besondere Situation."

Hamilton hätte angreifen können

Einmal nur, im letzten Viertel des Rennens, keimte zwischen den beiden derart überlegenen Kontrahenten von McLaren-Mercedes ein echter Zweikampf auf, zumindest zeigte Hamilton, dass er hätte angreifen können. Auf 0,8 Sekunden war er an den amtierenden Weltmeister herangekommen. Die große Sensation, der erste Sieg eines Debütanten in Monaco, musste aber ausbleiben.

Die Devise, dass man im Stadtverkehr Abstand halten soll, wurde von den Ferrari-Piloten wohl etwas zu wörtlich genommen. Felipe Massa als Dritter hinkte eine knappe Minute hinterher - das sind gerade beim langsamsten Rennen des Jahres Welten. Kimi Räikkönen musste nach seinem samstäglichen Parkmanöver in bester Schumi-Manier das Feld von hinten aufrollen, was ihm mit dem Sprung von Rang 16 auf acht zwar relativ gut gelang - aber mehr als Schadensbegrenzung konnte das nicht sein. Die Scuderia wurde vorgeführt, die roten Renner blieben trotz Metallic-Lackierung ziemlich blass. "Selbst wenn ich 150 Prozent Gas gegeben hätte, hätte sich am Endergebnis nichts geändert", stöhnte Felipe Massa nach der fehlerlosen Macht-Demonstration von McLaren-Mercedes. Alle außer dem Drittplatzierten wurden vom Top-Duo Alonso/Hamilton überrundet!

McLaren ist das erfolgreichste Team in Monaco

Die Renngeschichte bestätigt sich damit: McLaren ist das erfolgreichste Team an der Cote d'Azur, Ferrari hat in seiner gesamten Historie seit 1950 lediglich acht Mal in Monaco gewonnen. Alonso sind diese Zahlen vermutlich so egal, wie die klare Führung von 76:56 von McLaren gegen Ferrari in der Konstrukteurswertung. "Ich beginne, mich in diesem Auto wohl zu fühlen", sagt er über den Wandel vom einfachen Silberpfeil zum Siegerpfeil.

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