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Formel 1: Schumi spottet über Montoya

Der Rauswurf von Juan Pablo Montoya ist beim GP von Frankreich ein großes Thema. Einer trauert dem Kolumbianer keine Krokodilsträne hinterher: "Ich bin todtraurig", sagte Michael Schumacher sarkastisch.

Juan Pablo Montoya erholt sich längst im sonnigen Miami - und dennoch ist der ehemalige McLaren-Mercedes-Mann in Magny-Cours in aller Munde. Mit Bedauern, Überraschung, aber auch Spott reagierten die Formel-1-Fahrer auf das abrupte Grand-Prix-Karriereende des Kolumbianers vor dem Großen Preis von Frankreich. Nachdem Montoya seinen Wechsel in die nordamerikanische Nascar-Serie bekannt gegeben hatte, ersetzte ihn das englisch-schwäbische Team mit sofortiger Wirkung durch Testpilot Pedro de la Rosa. "Ich bin todtraurig", kommentierte Michael Schumacher sarkastisch den Rausschmiss seines langjährigen Rivalen.

Im Gegensatz zu seinem Bruder, für den der Kampflinie bevorzugende Kolumbianer ein rotes Tuch war, bedauerte Ralf Schumacher den Abgang seines langjährigen Teamkollegen: "Ich finde es persönlich sehr schade. Juan ist ein cooler Typ. Wir haben uns gut verstanden." Von 2001 bis 2004 fuhren er und Montoya gemeinsam für Williams-BMW. "Es gab keine Politik bei ihm. Er war mir einer der liebsten Teamkollegen."

Bruder Ralf ist anderer Meinung

Ralf Schumacher zeigte Verständnis für Montoya. Angesichts seiner Perspektivlosigkeit, bei McLaren-Mercedes oder einem anderen Top-Team ein Cockpit für 2007 zu bekommen, hatte der beschlossen, freiwillig in die Tourenwagenserie zu seinem Rennstall Chip Ganassi Racing aus alten Indy-Zeiten abzusteigen. "Juan ist ein charakterstarker Mensch. Er fühlte sich sehr auf den Schlips getreten und hat seine Konsequenzen gezogen." Montoya habe in seinem vorherigen und jetzigen Team Schwierigkeiten gehabt, sagte der Kerpener und deutete damit an, dass der Formel-1-Flüchtling kein pflegeleichter Typ ist.

Michael Schumacher vergoss dagegen nur ein paar Krokodilstränen. "Ich konnte zwei Nächte lang nicht schlafen", spottete der Rekord-Weltmeister, der sich mit dem heißblütigen Südamerikaner auf der Strecke mehrfach in den Haaren gelegen hatte. "Wir hatten ein paar interessante Duelle." Er habe schon mit etwas gerechnet, aber dass die Trennung so schnell erfolgt sei, sei möglicherweise durch Montoyas Temperament beschleunigt worden.

De la Rosa ist glücklich

Überrascht reagierten auch ehemalige Fahrerkollegen. "Es ist schon etwas seltsam, dass er von einem Tag auf den anderen seine Vorstellungen vom Rennfahren komplett geändert hat und nun in den USA Nascar fährt", sagte Ferrari-Pilot Felipe Massa. "Für mich war das schon eine Überraschung. Aber Montoya lebt dort und hatte sicher seine WM-Situation und alles andere im Auge bei seiner Entscheidung." Nico Rosberg zeigte Verständnis: "Das ist sicher auch eine starke Entscheidung, da wahrscheinlich alle Formel-1-Möglichkeiten für ihn im nächsten ein Schritt zurück gewesen wären."

Keinerlei Grund zu Traurigkeit sah dagegen Pedro de la Rosa. Schließlich profitiert der Spanier am stärksten von der neuen Situation und kommt in Magny-Cours völlig unverhofft zu seinem zweiten Grand-Prix-Einsatz für McLaren-Mercedes nach Bahrain Anfang April 2005. "Bezüglich Motorsport habe ich mehr eine europäische Mentalität", sagte der Stammpilot auf Abruf. "Ich kenne die Staaten nicht und bin da nie Rennen gefahren. Schon von Kindesbeinen an war die Formel 1 mein Hauptziel - und ich bin glücklich, wieder einen Grand Prix fahren zu können."

De la Rosa weiß nicht, wie viele der noch ausstehenden acht Saisonrennen er fahren darf. Anders als Montoya droht ihm aber bei McLaren-Mercedes nicht der Rausschmiss, sondern nur die Rückstufung auf seinen alten Status als Testfahrer.

Elmar Dreher/DPA / DPA

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