HOME

Formel 1: Silberpfeile auf Überholspur

McLaren-Mercedes wird für die zweite Saisonhälfte als Favorit gehandelt. Kimi Räikkönen hat den Stern wieder zum Strahlen gebracht. Wäre da nur nicht der verkorkste Saisonstart...

Noch ist Formel-1-Primus Renault nicht in Sichtweite, dennoch wähnen sich die Silberpfeile vor dem McLaren- Heimrennen in Silverstone auf der Überholspur. "Seit fünf Rennen hat niemand mehr Punkte geholt als wir und Kimi Räikkönen", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug vor dem Großen Preis von Großbritannien. "Diese enorme Steigerung wollen wir fortsetzen." Dennoch bleibt McLaren-Mercedes bescheiden. "Wir sind aber nicht die Helden der Ansage", wehrt Haug die Favoritenrolle ab.

Der Stern funkelt wieder

Seit dem Rennen in Barcelona holte Kimi Räikkönen 38 seiner derzeit 45 Punkte. WM- Spitzenreiter Fernando Alonso (69 Punkte) kam im Renault in dieser Zeit auf 33 Zähler. In der Teamwertung schob sich McLaren-Mercedes mit 71 Punkten hinter Renault (89) auf Platz zwei. In fünf Rennen eroberten die "Silbernen" 46 Punkte, die "Blauen" nur 43.

Nur Ferrari sammelte seit Barcelona mit 51 Punkten mehr als McLaren-Mercedes. Aber nur weil die Scuderia anders als die Michelin- bereiften Teams wie McLaren-Mercedes und Renault am Rumpf-Grand-Prix in Indianapolis teilnahmen.

Nur der schwache Saisonstart trübt die Bilanz

Dass McLaren-Mercedes vor dem elften von 19 Rennen trotz des starken MP4-20-Wagens noch nicht an der Spitze steht, liegt am verkorksten Saisonstart. Pleiten, Pech und Pannen könnten Räikkönen wie schon 2003 den Titel kosten, als er Michael Schumacher im Ferrari mit zwei Zählern Differenz den Vortritt lassen müssen.

Während Alonso bisher von größeren Pannen verschont blieb und nur in Kanada nach einem Fahrfehler nicht die Zielflagge sah, liest sich die Bilanz seines härtesten Widersachers Räikkönen wegen der schwachen Startphase durchwachsen: In Australien würgte er am Start den Motor ab, musste aus der Boxengasse starten und wurde nur Achter. In Malaysia verhinderte ein Ventilschaden am Reifen eine bessere Platzierung als Rang neun.

In Imola war er klar der schnellste Fahrer, als er früh wegen einer defekten Antriebswelle ausschied. Nach Siegen in Barcelona und Monaco flog er am Nürburgring in Führung liegend vier Kilometer vor dem Ziel mit gebrochener Vorderachse in die Reifenstapel. Beim Großen Preis von Frankreich musste Räikkönen den Motor nach einem Schaden im Training wechseln, von Startplatz 13 ins Rennen gehen und wurde nach furioser Fahrt noch Zweiter. Seinem Teamkollegen Juan Pablo Montoya ist hingegen zum Teil durch eigene Unzulänglichkeiten noch kein Podestplatz gelungen.

Eine Stufe höher auf dem Treppchen

Mangelnde Zuverlässigkeit beim MP4-20 sieht Haug als Grund für den Rückstand auf Renault nicht. "Wir haben eine sehr gute Zuverlässigkeitsbilanz. Jedes Auto ist erst einmal im Rennen wegen technischer Probleme ausgefallen", sagte er. Haug glaubt, dass in den kommenden Juli-Rennen in Silverstone, Hockenheim und Budapest einiges in der Weltmeisterschaft passieren kann: "Die nächsten drei Grand Prix werden die wohl intensivsten Belastungen für die Formel-1-Teams mit sich bringen, und deshalb kann es Verschiebungen bei Konkurrenzfähigkeit und Tabellenstand geben", meinte er.

Gerade beim McLaren-Heimrennen rechnet sich die britisch-deutsche Renngemeinschaft wieder einiges aus. "Ich will auf dem Podium eine Stufe weiter oben stehen als 2004", meinte Räikkönen, der sich im vergangenen Jahr nur Michael Schumacher geschlagen geben musste. Das einzige, was Silverstone unberechenbar macht, ist der Regen. "Dann muss man auch mit Ferrari rechnen", prophezeite Haug.

Claas Henning/DPA / DPA

Wissenscommunity