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Formel 1: Todt soll Mosley als Fia-Chef beerben

Fia-Boss Max Mosley hat endgültig seinen Verzicht auf eine weitere Amtszeit erklärt und gleichzeitig seinen Favoriten für die Nachfolge vorgeschlagen. Jean Todt, der als Manager bei Ferrari große Erfolge feierte, soll Mosleys Posten übernehmen. Kritiker sehen in Todt nur einen Strohmann. Neue Konflikte sind vorprogrammiert.

Weltverbandschef Max Mosley hat mit seinem endgültigen Amtsverzicht den Weg für ein Ende des Formel-1-Zoffs freigemacht. Doch Mosleys heftiges Werben für den früheren Ferrari-Teamchef Jean Todt als sein Nachfolger könnte schon den nächsten Streit entfachen. "Hiermit bestätige ich meine Entscheidung: Ich werde im Oktober kein Kandidat sein", schrieb der Brite am Mittwoch in einem Brief an alle Mitgliedsclubs des Internationalen Automobilverbandes Fia. Die Formel-1-Teamvereinigung Fota hatte den Rückzug des 69-Jährigen zur Bedingung für einen dauerhaften Friedensschluss gemacht. Nun droht ein harter Kampf um Mosleys Erbe.

Fünf WM-Titel unter Todts Regie

Der Franzose Todt, unter dessen Regie Michael Schumacher fünf seiner sieben Weltmeisterschaften gewann, gilt als enger Vertrauter des umstrittenen Fia-Präsidenten und dürfte daher kaum im Sinne der um mehr Mitsprache ringenden Top-Rennställe sein. Die Teams hatten sich für einen "unabhängigen Kandidaten" stark gemacht. Mehrere Spitzenfunktionäre der Rennställe ließen bereits Sympathien für den früheren finnischen Rallye-Piloten Ari Vatanen erkennen, der in der Vorwoche seine Kandidatur für den Fia-Chefposten bestätigt hatte.

Sollte der 63 Jahre alte Todt antreten, käme es zu einer Kampfabstimmung und vorher möglicherweise zu einem erbitterten Wahlkampf. "Ich denke, er wäre die ideale Person, um die Arbeit der vergangenen 16 Jahre fortzusetzen und auszubauen", warb Mosley für Todt, der von vielen als Strohmann gesehen werden dürfte. Auf diese Weise legte Mosley mit seinem zweiseitigen Schreiben wohl eine weitere Mine in dem seit Monaten tobenden Disput um die Zukunft der Motorsport-Königsklasse.

Erst Ende Juni hatten sich die Fia und die Fota in Paris auf einen Kompromiss geeinigt, nachdem die Rennställe um Wortführer Ferrari im Streit um eine Budgetgrenze mit einer Konkurrenzserie zur Formel 1 gedroht hatten. Teil der Vereinbarung war der Abschied Mosleys nach seiner vierten Amtsperiode. Doch kurz darauf erwachten Zweifel an Mosleys Zusage. Nach einem neuerlichen Eklat vor dem Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring in der vergangenen Woche schien der Frieden wieder ernsthaft in Gefahr.

Nur ein neuer Grundlagenvertrag, über den seit langem verhandelt wird, könnte die Zukunft der Formel 1 langfristig sichern. Mosley zufolge steht eine Einigung über das sogenannte Concorde Agreement, das die Verteilung der Gelder sowie der Aufgaben zwischen den Rennställen, der Fia und dem Rechteinhaber CVC regelt, kurz bevor. "Wir haben eine Vereinbarung ausgehandelt, das der Formel 1 die neuen Teams und die Kostensenkungen bringt, die sie so dringend braucht", erklärte der Fia-Präsident.

Mosley geht erneut auf Konfrontationskurs

Wann das Concorde Agreement, das alle Rennställe bis 2012 an die Formel 1 binden soll, unterzeichnet wird, ließ Mosley aber offen. Stattdessen ging er in seinem Brief abermals auf Konfrontationskurs zu den im Motorsport engagierten Auto-Herstellern. Todt sei "auf keinen Fall ein Kandidat der Auto-Industrie" und werde "die Unabhängigkeit der Fia bewahren", urteilte Mosley.

Todt war zuletzt Geschäftsführer und Generaldirektor bei Ferrari. Im Vorjahr hatte der Franzose den Sportwagen-Hersteller verlassen, angeblich im Streit mit Ferrari-Chef Luca di Montezemolo, der inzwischen auch Fota-Präsident ist. "Jean ist ohne Frage der beste Motorsport-Manager seiner Generation und vielleicht sogar jeder Generation", lobte Mosley.

Christian Hollmann und Claas Hennig/DPA / DPA

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