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FORMEL EINS: McLaren-Mercedes unter Druck

Langsam pressiert es bei Mercedes-Sportchef Norbert Haug: Den Silberpfeilen droht der Abstieg aus der Reihe der Spitzenteams, wenn nicht bald Erfolge auf den Tisch kommen.

Kein schnelles Comeback von Häkkinen

Keine Erfolge, keine Ausreden - keine spektakuläre Rückhol-Aktion: Die Silberpfeile glänzen nicht mehr, stattdessen droht dem einstigen Weltmeister-Team sogar der Sturz aus der Beletage der besten Drei der Formel 1. Beim Großen Preis von Spanien kann McLaren-Mercedes vom aufstrebenden Verfolger Renault auf Platz vier der Konstrukteurswertung verdrängt werden. Doch trotz all der Probleme und Pleiten in einer bislang völlig verkorksten Saison soll es panischen Aktionismus nicht geben. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug dementierte vor dem Grand Prix in Barcelona Gerüchte, wonach sogar an ein schnelles Comeback des pausierenden Mika Häkkinen gedacht werde. »Da ist überhaupt nichts dran«, sagte Haug der dpa. »Es wäre auch falsch, den Fahrern irgendwas in die Schuhe zu schieben. Wir haben kein Fahrerproblem.«

Abstieg in der Konstrukteurswertung

Derzeit liest sich die Bilanz von David Coulthard und Kimi Räikkönen - gemessen an den Erwartungen vor Saisonstart - bestürzend. Der einstige Titelaspirant aus Schottland rangiert in der WM-Wertung mit 5 Punkten und 29 Zählern Rückstand auf den führenden Michael Schumacher auf Rang sechs vor dem Finnen. Nur drei Ziel-Ankünfte haben Coulthard und Räikkönen zu Buche stehen, aber fünf technisch bedingte Ausfälle. In der Konstrukteurs-WM ist das Team (9 Punkte) mit Riesenrückstand auf Ferrari (40) und Williams-BMW (37) Dritter - nur einen Zähler vor Renault (8). Zuletzt in Imola wurde Coulthard von »Schumi« sogar überrundet. Das Rennen sei der »Tiefpunkt« gewesen, so Haug. McLaren-Chef Ron Dennis formulierte gegenüber RTL: »Es ist ein großer Berg, den wir noch besteigen müssen.«

Keine Beschönigungen

Die Verantwortlichen beschönigten vor dem fünften WM-Lauf am Sonntag nichts. »Alles Erklären und Reden nützt nichts, man muss es auf der Rennstrecke beweisen«, sagte Haug. Man wolle nicht nach Entschuldigungen zu suchen, von WM- Ambitionen brauche man ebenfalls nicht zu reden. Und die Aussicht auf ein Abrutschen auf Platz vier? »Angst hilft da nicht, wir müssen bessere Arbeit leisten.« Schon wurde spekuliert, dass es auf Grund der Misserfolge auch innerhalb des Teams krachen soll. »Die Regel ist: Wenn du schlecht bist, wirst du kritisiert«, kommentierte Haug entsprechende Schlagzeilen. Das britisch-schwäbische Team demonstriert den Schulterschluss. »Wenn es Schuldzuweisungen geben sollte - mir sind sie nicht bekannt«, so der Mercedes-Mann: »Ich kann versichern, es gibt keinen Riss im Team.«

Gutes Package

Dabei hatte alles bei der Vorstellung des neuen Autos im Januar - ebenfalls in Barcelona - noch so vielversprechend ausgesehen. Ein von Beobachtern stark eingeschätztes Auto, in Räikkönen ein neuer, hochtalentierter und motivierter Pilot sowie eine neue Partnerschaft mit dem aufstrebenden Reifenhersteller Michelin. Inzwischen ist Ernüchterung angesagt.

Problem Michelin

Experten halten die noch vergleichsweise geringe Erfahrung mit den Michelin-Reifen für den Hauptgrund für die Rückstände. Demnach übersteuert das Auto, weil der McLaren vorne zu viel Abtrieb produziert, die Hinterreifen aber nicht genug Stabilität bieten, hieß es in der Fachzeitschrift »auto, motor und sport«. Korrekturen und Aufholen sind während einer Saison erfahrungsgemäß besonders schwierig, weil auch die Konkurrenz sich immer weiter entwickelt.

Hoffnung für Spanien

Für Hoffnung sorgt die Tatsache, dass das nächste Rennen auf dem Circuit de Catalunya stattfindet, den alle Teams auf Grund häufiger Tests besonders gut kennen. »In Barcelona haben wir Daten und Werte. Wir hoffen, auf dieser Basis aufbauen zu können«, so Haug. Zuletzt testeten die Silbernen ausgiebig in Mugello. »Es hat ganz gut funktioniert«, meinte Haug. Auf Prognosen für den spanischen Grand Prix, bei dem McLaren-Mercedes von 1998 bis 2000 je drei Doppelsiege in Folge feierte, verzichtet er: »Resultate zählen, keine Ansagen.«

Andrea Wimmer, dpa

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