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Die Morgenlage: Nach den Lockerungen: Göring-Eckardt fürchtet, "dass uns alles wieder entgleitet"

Göring-Eckardt fürchtet zweite Corona-Welle +++ Haug kann sich Vettel bei McLaren vorstellen +++ Broadway-Theater wohl bis September dicht +++ Die Nachrichtenlage am Mittwochmorgen.

Katrin Göring-Eckardt spricht in ein Mikrofon

Weil zu viele Lockerungen gleichzeitig erfolgt sind, fürchtet die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, dass die Situation in Deutschland aus dem Ruder geraten könnte.

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Guten Morgen, liebe Leserinnen und liebe Leser,

das öffentliche Leben in Deutschland nimmt seit ein paar Tagen wieder Fahrt auf. Ein zumindest mulmiges Gefühl hat dabei Katrin Göring-Eckardt. Es bestehe die Gefahr, dass uns alles wieder entgleitet, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt". 

Die Schlagzeilen zum Start in den Tag:

Göring-Eckardt fürchtet zweite Corona-Welle

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sieht die Lockerungspolitik von Bund und Ländern in der Coronakrise mit großem Unbehagen. "Ich mache mir sehr große Sorgen", sagte Göring-Eckardt in einem Interview mit der "Welt". "Nicht weil das eine oder andere gelockert wird, sondern weil so viel gleichzeitig gelockert wird. Wir können deshalb nur schwer nachvollziehen, wie die Situation sich entwickelt", warnte die Grünen-Politikerin. Es bestehe durchaus die "Gefahr, dass uns alles wieder entgleitet". Eine zweite Corona-Welle wäre deutlich schmerzhafter, für Unternehmen wie für Privatleute.

Göring-Eckardt forderte, in den Kreisen und Kommunen nach Lage "flexibel zu reagieren - mit härteren Maßnahmen oder weiteren Lockerungen". Dazu seien aber wesentlich mehr Tests nötig. Die Fraktionschefin forderte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf, mit den Ländern und dem Robert Koch-Institut ein verbindliches Konzept für bundesweite Corona-Tests in Kraft zu setzen.

Ex-Mercedes-Sportchef kann sich Vettel bei McLaren vorstellen

Der frühere Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug kann sich eine Fortsetzung der Formel-1-Karriere von Sebastian Vettel bei McLaren gut vorstellen. "McLaren und Vettel wäre eine mega Story. Ich glaube sehr wohl, dass McLaren im nächsten Jahr mit Mercedesmotoren noch einen Schritt gehen kann", sagte der 67-Jährige bei Sky. Der viermalige Weltmeister Vettel verlässt zum Ende dieses Jahres Ferrari nach dann sechs gemeinsamen Saisons. McLaren wollte sich zunächst nicht zu Spekulationen über eine mögliche Verpflichtung des 32-Jährigen äußern. Vettel hatte am Dienstag überraschende verkündet, Ferrari nach sechs gemeinsamen Jahren am Saisonende zu verlassen. 

Los Angeles plant Ausgangsbeschränkungen bis Juli

Für die rund 10 Millionen Kalifornier im Bezirk Los Angeles könnten die Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie bis Ende Juli in Kraft bleiben. Die Leiterin der Gesundheitsbehörde von Los Angeles County, Barbara Ferrer, stellte dies am Dienstag (Ortszeit) bei einer Anhörung in Aussicht, wie die "Los Angeles Times" berichtet. Eine frühere Öffnung des öffentlichen Lebens sei aus ihrer Sicht nur dann möglich, wenn es eine "dramatische" Wende im Kampf gegen das Virus gäbe. Ferrer sprach von einer langsamen Lockerung von Auflagen über die nächsten Monate hinweg.

Etwa sollen im Bezirk Los Angeles die Strände nach fast zweimonatiger Schließung ab Mittwoch wieder für Besucher öffnen. Erlaubt sind aber nur sportliche Aktivitäten, wie Schwimmen oder Joggen. Dabei müssen die Menschen voneinander Abstand halten und außerhalb des Wassers eine Schutzmaske tragen. Sonnenbaden ist nicht erlaubt. Für die knapp 40 Millionen Einwohner Kaliforniens gelten seit Mitte März umfangreiche Ausgangsbeschränkungen, die nun erst langsam gelockert werden. Dabei können Bezirke eigene Auflagen vorschreiben.

Broadway-Theater wohl bis September dicht

Wegen der Coronakrise werden die Theater am New Yorker Broadway mindestens bis Anfang September geschlossen bleiben. Dies gab am Dienstag der Branchenverband Broadway League bekannt. Es werde derzeit mit den Gewerkschaften, den Gesundheitsbehörden und der Politik beraten, wie die Häuser am und rings um den weltberühmten Theater-Boulevard gerettet werden könnten.

Die Theater hatten am 12. März schließen müssen. Nun sollen sie nach Angaben des Branchenverbandes mindestens bis zum 6. September geschlossen bleiben. Jede Woche ohne Spielbetrieb verlieren sie 30 Millionen Dollar (knapp 28 Millionen Euro) an Ticket-Einnahmen. Zum Moment der Schließung im März liefen am Broadway 31 Stücke, acht weitere waren in Vorbereitung.

Das wird heute wichtig:

Bundeskabinett und EU-Kommission beraten über Grenzkontrollen

Das Bundeskabinett berät heute darüber, wie es nach dem 15. Mai mit den Kontrollen an den Grenzen zu den Nachbarländern weitergehen soll. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte gestern in einer Konferenz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Hoffnung auf eine schrittweise Öffnung der Grenzen gemacht. Dabei werde es häufig einen zweistufigen Prozess geben, sagte sie nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur. Ihr sei wichtig, dass die Kontrollen nicht "bis ultimo" fortgesetzt würden. 

Die Kontrollen an den Grenzen zu den Nachbarländern Österreich, Schweiz, Frankreich, Luxemburg und Dänemark sind bis zum 15. Mai befristet. Einreisen darf nur, wer einen wichtigen Grund vorweisen kann. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will vor Freitag verkünden, wie es ab dem Wochenende weitergeht.

Die EU-Kommission will heute ebenfalls einen Plan für eine vorsichtige Öffnung der Binnengrenzen in Europa vorlegen. Nach einem der DPA vorliegenden Entwurf sollen die Kontrollen nach und nach aufgehoben werden. 

Der schwedischer Arzt Dr. Lars Falk berichtet aus einer Intensivstation in Stockholm.

Regierungsbefragung mit Kanzlerin – Thema voraussichtlich Corona

Kanzlerin Merkel wird heute um 13 Uhr erneut den Bundestagsabgeordneten Rede und Antwort stehen – Schwerpunkt ist voraussichtlich die Coronakrise. In der sogenannten Regierungsbefragung, der sechsten mit der Kanzlerin insgesamt und der ersten in der Krise, dürften Fragen zu weiteren Lockerungen etwa an den Grenzen zu den Nachbarstaaten kommen. Merkel wurde zuletzt auch vorgehalten, sie habe sich gegen die Ministerpräsidenten bei den Lockerungen der Beschränkungen nicht durchsetzen können. Zudem hätten ihre Maßnahmen nicht immer im richtigen Verhältnis zu den persönlichen Freiheitsrechten gestanden. 

Der Bundestag wird sich zudem mit den rasant zunehmenden Fällen von Corona-Infektionen in Fleischfabriken befassen. Das Parlament befasst sich auch mit den neuen Mandaten für zwei laufende Bundeswehreinsätze im westafrikanischen Mali.

Reisebüro-Inhaber demonstrieren für mehr Staatshilfe

Inhaber von Reisebüros und mittelständische Reiseveranstalter wollen heute in zahlreichen deutschen Städten für mehr staatliche Hilfe in der Coronakrise demonstrieren. Aufgerufen dazu hat die Allianz selbstständiger Reiseunternehmen. Mit anderen Verbänden fordert sie einen Sonderfonds des Bundes, um die Rückzahlungen für stornierte Reisen abzuwickeln. Damit sollen die Arbeitsplätze in den Reisebüros und bei den Veranstaltern gesichert werden. 

In Berlin ist ein Korso mit Autos und Bussen vom Olympiastadion zum Reichstag und Bundeskanzleramt geplant. Erst vor zwei Wochen waren Reisebüro-Inhaber vor das Kanzleramt gezogen. Dieses Mal sind bei der Polizei 50 Demonstranten angemeldet.

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag, bleiben Sie gesund.

Ihre stern-Redaktion

rw / js / DPA / AFP