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Formel1: Trostpreis für Barichello

Rubens Barichello hat am Wochenende in Monza seinen ersten Formlel1-Sieg in dieser Saison einfahren können. Nicht ganz ohne Mithilfe seines Teamkollegen Michael Schumacher.

Ganz oben auf dem Podium feierte Rubens Barrichello mit feuchten Augen seinen ersten Saison-Erfolg in der Formel1, daneben stand Rekordweltmeister Michael Schumacher und lächelte zufrieden. "Rubens ist happy, und man muss es ihm gönnen. Ich freue mich absolut für ihn. Auch wenn ich Zweiter bin", sagte der Kerpener. Sein brasilianischer Teamkollege wurde nach dem achten Karrieresieg beim Ferrari-Heimspiel in Monza während der Siegesparty mit den Tifosi von seinen Gefühlen überwältigt: "Es ist unbeschreiblich, ein magischer Moment."

Vielleicht war es für Barrichello, den sie nur "Rubinho" nennen, auch deshalb so schön, weil bei den vorherigen sieben Doppelerfolgen der Scuderia die Reihenfolge stets eine andere war: Schumacher kam immer vor seinem Teamkollegen ins Ziel. Vor zwei Wochen in Spa gewann der 35 Jahre alte Ferrari-Star seinen siebten WM-Titel. Bereits vor vier Wochen in Budapest hatte er mit seinem zwölften Saisonsieg und 82. Karriereerfolg seinem Konto weitere Rekordmarken gutgeschrieben. Von den 55 Grand-Prix-Erfolgen, die die erfolgreichste Fahrerpaarung in der Formel-1-Geschichte für die "Roten" bisher eingefahren hat, lag der deutsche Superstar 47 Mal vorne.

Da fällt es leicht, sich einmal zurückzuhalten. "Es hätte wenig Sinn gemacht, noch eine Überholaktion zu starten. Nah dran fahren ist ja das eine, aber überholen bei so gleichwertigen Autos ist etwas ganz anderes", begründete Schumacher seine zur Schau gestellte Scheu. Unvergessen sind noch immer jene Szene beim Grand Prix in Spielberg im Jahr 2001, als Teamchef Jean Todt von Barrichello forderte: "Lass Michael vorbei, tue es für die Weltmeisterschaft." Seitdem fährt der Brasilianer gegen die bösen Geister. Trotzdem kündigt der 32 Jahre alte Südamerikaner zu Beginn der Saison stets an, dass er endlich Weltmeister werden will. Und so wird es auch 2005 wieder sein.

"Die Ferrari sind unschlagbar. Wir sind alle überzeugt: Sie werden noch ein weiteres Jahrzehnt siegen", glaubt die "Gazzetta dello Sport". Und "La Repubblica" befand: "Barrichello macht uns den Schumacher." Möglicherweise wäre Barrichello ohne seinen Partner schon ein Champion. Denn würde man die diesjährige Schumacher- Rennergebnisse einfach streichen, hätte der Brasilianer in Monza den WM-Titel gewonnen. "Für Rubens ist es nicht einfach. Er fährt in diesem Jahr wirklich gut, aber er hat eben einen Schumacher neben sich", sagt Ferraris Technischer Direktor Ross Brawn.

Und Schumacher hat seinen Barrichello. Seit der Brasilianer im Jahr 2000 von Stewart-Ford zu Ferrari kam, hat der Rheinländer die Weltmeisterschaft gepachtet. Fünf Mal hintereinander hat "Schumi" seitdem den Titel gewonnen. Aber bisher nur einmal (2002) ist Barrichello WM-Zweiter geworden. Auch wenn seine zweite Vize- Weltmeisterschaft nur noch Formsache ist - so dominierend wie Schumacher wäre Barrichello - das zeigt dieser Vergleich - wohl nie gewesen. Der Brasilianer ist vor allem die ideale Ergänzung für den Perfektionisten Schumacher.

Volker Gundrum/DPA / DPA

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