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Mosley-Affäre: Erdrückendes Misstrauen

Am 3. Juni in Paris ist es soweit: Auf der Generalversammlung der FIA wird Max Mosley die Vertrauensfrage stellen. Ein positiver Ausgang ist für den wegen des Sexskandals unter Beschuss geratenen Super-Funktionärs schwer vorstellbar. Auch die Automobilclubs machen jetzt Front gegen den FIA-Boss.

Die Rücktrittsforderungen gegenüber dem in einem Sexskandal verwickelten FIA-Präsidenten Max Mosley werden immer umfassender und lauter. Jetzt haben 24 große Automobilclubs den 68 Jahre alten Briten aufgefordert, sein Amt beim Internationalen Automobil-Verband FIA vorzeitig aufzugeben. "Wir glauben ernsthaft, dass es der einzig vertretbare, vorwärtsweisende Weg für die FIA und für Sie persönlich ist, einen geordneten Übergang zu haben, mit einer sofortigen Übereinstimmung und ihrer Verpflichtung, zurückzutreten", heißt es in einem gemeinsamen Schreiben der Verbände, die etwa 100 Millionen und damit rund 86 Prozent der gesamten FIA-Mitglieder repräsentieren.

Kritische Situation

Mosley stellt bei der außerordentlichen Generalversammlung am 3. Juni in Paris die Vertrauensfrage. Dort müssen die 222 FIA-Mitglieder entscheiden, ob sie den immer stärker unter Beschuss stehenden Präsidenten bis zum Ablauf der regulären Amtszeit im Oktober 2009 im Amt lassen oder ob dieser vorzeitig ausscheiden muss.

"Die FIA befindet sich in einer kritischen Situation", heißt es in dem am Mittwoch an Mosley geschickten Brief. "Ihr Image, ihre Reputation und ihre Glaubwürdigkeit sind ernsthaft untergraben worden." Mit jedem zusätzlichen Tag werde der Schaden noch größer. "Es gibt keinen Weg zurück", fordern die Unterzeichner Mosleys Rücktritt.

WMTC votiert für Rücktritt

Zuvor war in der vergangenen Woche am Rand des Großen Preises von Monaco bekanntgeworden, dass das "World Council for Automobile Mobility and Tourism" (WMTC) einstimmig für einen Rücktritt des äußerst umstrittenen Mosley votiert hatte. Würde dem Präsidenten das Vertrauen ausgesprochen, wäre dies "ein Desaster" für die FIA, schrieb Setsou Tanaka, der Präsident der Region Asien und des Japanischen Automobilverbandes JAF, in dem Brief an die Chefs der ihm unterstellten Nationalverbände.

Vor knapp zwei Monaten waren im Internet Videoausschnitte aufgetaucht, die Mosley bei Sadomaso-Rollenspielen zeigten. Der Brite räumte dies ein, bezeichnete es aber als Privatsache. Er ging gerichtlich gegen die englische Zeitung "News of the World" vor, die das Video öffentlich zugängig gemacht hatte. Seither sprachen sich zahlreiche nationale Verbände, darunter der ADAC, Automobilkonzerne und Formel-1-Größen für einen Rücktritt Mosleys aus.

DPA / DPA

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