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"Rehakles": Otto bleibt weiter Grieche

Der hellenische Erfolgscoach Otto Rehhagel wird nicht Nachfolger von Rudi Völler. Er will die griechischen Gipfelstürmer zur WM 2006 in Deutschland führen.

Otto Rehhagel wird nicht der neue Rudi: Er bleibt "Grieche" und will das EM- Wunder bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wiederholen. "Ich werde bei den Griechen bleiben", erklärte der 65-jährige Ex-Bundesligatrainer in einem Interview mit dem ZDF in Lissabon. Nach dem sensationellen Viertelfinal-Sieg gegen Titelverteidiger Frankreich (1:0) will er nun mit den Hellenen auch bei der WM 2006 für Furore sorgen. "Es gibt noch eine Steigerung: Wenn wir uns für die WM qualifizieren und ähnlich erfolgreich abschneiden wie in Portugal", hofft Rehhagel.

Rehagel versucht, Euphorie zu dämpfen

Erst träumt aber ganz Griechenland von einer weiteren Herkules-Tat im EM-Halbfinale am Donnerstag in Porto gegen den Sieger aus Tschechien - Dänemark. "Bleibt auf dem Boden der Tatsachen, bleibt bescheiden", versuchte Rehhagel, inzwischen von Athener Zeitungen zum "neuen Zeus" in den Olymp gehoben, die Euphorie zu bremsen. "Rehakles" kennt seine Griechen und ihre extremen Gefühlsschwankungen gut: "Wenn wir zwei Mal gewinnen, wollen sie gleich Europameister werden, und wenn wir zwei Mal verlieren, wollen sie sich gleich ins Meer stürzen."

"Es ist eine gute Truppe geworden"

Ähnlich temperamentvoll ging es in der von Intrigen, Streitereien und Egoismus zerrütteten griechischen Nationalelf vor seinem Dienstantritt vor drei Jahren zu. Rehhagel beendete diesen "Sirtaki der Eitelkeiten" rigoros und führte eine "demokratische Diktatur" ein. "Wenn man mit einer Truppe von 30 Profis arbeitet, kann nicht jeder machen, was er will. Früher hat jeder gemacht, was er will. Jetzt macht jeder, was er kann», berichtete Rehhagel und stellte mit Genugtuung fest: "Es ist eine gute Truppe geworden."

Glücksgriff: Angelos Charisteas

Der frühere Meistertrainer von Werder Bremen und des 1. FC Kaiserslautern hat nicht nur mit seinen Spielern Tacheles geredet, sondern auch mit klugen Personalentscheidungen die Weichen auf Erfolg gestellt. So machte er Traianos Dellas zum Abwehrchef ("Ich habe meinen Koloss von Rhodos gebracht und er hat den Erfolg gebracht") und schenkte dem in Bremen zuletzt mehr auf der Ersatzbank sitzenden Angelos Charisteas Vertrauen. Der zahlte es ihm mit seinen entscheidenden Toren gegen Spanien (1:1) und Frankreich zurück.

"Ich denke, dass wir noch besser spielen können", meinte der 24- jährige Stürmer, der sogar einen Einzug ins Endspiel am 4. Juli für möglich hält: "Wir sind im Halbfinale und haben Frankreich geschlagen - warum also nicht?"

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