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1. Bundesliga: 2 -1-Sieg - Hamburger SV überrascht den VfB

Darauf hatten die Fans an der Elbe lange gewartet, erstmals haben die Hamburger in dieser Saison gewinnen können. Bei Ex-Trainer Bruno Labbadia gelang in Stuttgart unter der Leitung von Rodolfo Cardoso ein sehr wichtiger Sieg.

Als Schlusslicht kam der Hamburger SV mit Zwischenlösung Rodolfo Cardoso zum VfB Stuttgart. Mit einem 2:1-Sieg verließen die Hanseaten die baden-württembergische Hauptstadt dank der eigenen Stärke bei Eckbällen. Jeffrey Bruma (51.) und Robert Tesche (67.) drehten die Stuttgarter Pausenführung, die Martin Harnik (18.) erzielt hatte.

Die Stuttgarter waren eine halbe Stunde lang die überlegenen Mannschaft, gingen auch verdient nach einem Drobny-Patzer in Führung. Der HSV profitierte davon, dass der Gastgeber nach dem 1:0 seine Konter ungenau ausspielte. Vor der Pause kamen die Gäste zu ersten guten Chancen.

Mit neuem Mut kamen die Hamburger aus den Kabinen und schlugen nach zwei Eckbällen zu. Den Sieg verdiente sich das von Cardoso gut eingestellte Team vor allem aber durch eine disziplinierte und geordnete Leistung im Mittelfeld, das den Schwaben im zweiten Durchgang nur noch wenig Entfaltungsmöglichkeiten bot.

Cardoso krempelt Elf um

Das Schlusslicht wartete unter Interimstrainer Rodolfo Cardoso mit einer Überraschung in der Startformation auf. Aus der Regionalliga wurde Zhi Gin Lam ins Bundesligateam befördert. Dort sollte er die rechte Seite beackern. Auch ansonsten krempelte Cardoso die Elf gewaltig um. Heiko Westermann rückte nach rechts und wurde selbst von Jeffrey Bruma in der Innenverteidigung vertreten. Gokhan Töre verdrängte im linken Mittelfeld Marcell Jansen auf die Bank. Außerdem wurde die taktische Ausrichtung geändert. Mit Heung Min Son boten die Hanseaten eine zweite Spitze auf.

Bruno Labbadia war in der vorletzten Saison bis zum April selbst Trainer des HSV gewesen. Nach dem er in der letzten Spielzeit den VfB aus schwieriger Situation vor dem Abstieg rettete, strebt er nun höhere Ziele an. Nach einem mäßigen Saisonstart hatte er mit seiner Elf die letzten zwei Spiele gewonnen, weshalb die Schwaben vor der Partie auch auf einen internationalen Startplatz standen. Aus diesem Grund sah der Coach auch keinen Grund für eine Änderung der ersten Elf.

Wie schon am Freitag vor einer Woche begann die Partie im Südwesten Deutschlands aufgrund hohen Verkehrsaufkommens mit Verspätung. War es in Freiburg noch eine Viertelstunde gewesen, mussten sich die Spieler nun elf Minuten gedulden.

Harnik trifft gegen seine Geburtsstadt

Die Hamburger versteckten sich nicht in der Anfangsphase, kamen gleich durch den Debütanten Lam zu einem Torschuss aus der zweiten Reihe, welcher von Sven Ulreich zu einer Ecke pariert wurde. Danach war es der VfB, der Fahrt aufnahm. Khalid Boulahrouz versuchte es aus der Distanz, scheiterte an Jaroslav Drobny, der Glück hatte, dass der von ihm nach vorne abgewehrte Ball keinen Abnehmer fand.

Die Schwaben entwickelten Druck, es fehlte aber noch das letzte Zuspiel in die Spitze. So war es ein Fernschuss welcher die Stuttgarter Führung in der 18. Minute vorbereitete. Drobny konnte ein Geschoss von Zdravko Kuzmanovic mit den Knien erneut nur nach vorne abwehren. Der gebürtige Hamburger Martin Harnik kam ans Leder, schob die Kugel durch die Beine von Bruma ins rechte Eck. Die Torhüterdiskussion in Hamburg wird durch diesen Fehler gewiss nicht geringer.

Nur drei Minuten später hätte es schon 2:0 stehen können. Nach einem Stellungsfehler von Slobodan Rajkovic tauchte Cacau frei vor Drobny auf, traf den linken Pfosten. Shinji Okazaki beförderte den Nachschuss über den Balken.

HSV stabilisert sich gegen Ende des ersten Durchgangs

Die Hamburger waren beeindruckt. Insbesondere Rajkovic erlaubte sich diverse Patzer. Nach seinem verlorenen Zweikampf gegen Cacau kam Christian Gentner zum Abschluss. Nun hielt Drobny auch mal einen Ball fest (31.). Da die Hausherren aber ihre Konter nicht genau genug ausspielten, schöpfte der HSV gegen Ende des Durchgangs Mut und kam selbst zu Gelegenheiten.

Der auffällige Lam zog den Ball aus 17 Metern nur knapp über das Tor (37.). Fünf Minuten später war es Petric, der per Direktabnahme aus 12 Metern nur scheiterte, weil sein Schuss noch leicht abgefälscht wurde. Bei der anschließenden Ecke kam Son am langen Pfosten zum Abschluss, der in letzter Sekunde von einem Verteidiger geblockt wurde. Trotz allem war die Pausenführung des VfB verdient, da sobald die Partie Tempo aufnahm, die Hamburger Deckung verunsichert agierte.

Hamburg kann auch Standards

Der HSV setzte seinen Aufwärtstrend nach der Pause durch. War man bisher insbesondere bei Standards enorm anfällig, schlug man nun selbst per Eckstoß zu. Töre schlug den Ball von rechts in die Mitte, wo sich Bruma in die Flanke warf und Ulreich per Kopf aus sechs Metern keine Chance ließ (51.).

Drei Minuten später hatten die Gäste gar die Chance zur Führung. Ulreich selbst ließ nun einen Aogo-Schuss nach vorne prallen, wo Töre lauerte, den Nachschuss setzte dieser knapp über das Tor. Und noch einmal kam der Neuzugang vom FC Chelsea im Strafraum an den Ball und erneut hatte Ulreich Schwierigkeiten, aber Glück, dass sein nach vorne abgewehrter Ball kein Unheil anrichtete.

Es dauerte bis zur 58. Minuten bis Kuzmanovic auf der anderen Seite mal wieder ein Ausrufezeichen setzte mit einem Freistoß aus großer Distanz, der von Drobny zu einer unnötigen Ecke pariert wurde, da der Ball ansonsten gegen das Außennetz geklatscht wäre.

Und gleich noch einmal: Ecke – Tor

Die Hamburger hatten Geschmack an der Partie gefunden. Feldüberlegen drückten sie auf die Führung und da es schon einmal mit einer Ecke geklappt hatte, schlugen sie auf diese Weise gleich noch einmal zu in der 68. Erneut brachte Töre den Ball herein, der über Umwege bei Robert Tesche landete, der aus vierzehn Metern per Drehschuss die Kugel direkt ins Tor hämmerte.

Der VfB stürmte fortan vergeblich. Vor allem Kuzmanovic scheiterte mehrmals mit Distanzschüssen, da er entweder zu hoch zielte oder gegen den nun verbesserten Drobny den Kürzeren zog.

Gegen das im zweiten Durchgang stabile und spielfreudige Hamburger Mittelfeld fehlte den Stuttgartern die nötige Durchsetzungskraft, um die eigenen Spitzen gefährlich in Szene setzen zu können. Die Hamburger verabschiedeten sich zumindest vorerst vom Tabellenende und empfangen am nächsten Spieltag Schalke 04. Ob der erfolgreiche Cardoso dann noch einmal aushilft, wird die nächste Woche zeigen.

Der VfB musste einen Dämpfer einstecken, der die eigenen Europapokalambitionen zumindest ein wenig relativiert. Dieser Eindruck kann am nächsten Freitag, dem dritten Stuttgarter Freitagsspiel in Folge, auf dem Betzenberg revidiert werden.

Uwe Toebe

sportal.de / sportal

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