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1. Bundesliga: Bayer ohne Ballack besser - Aussortierte Spieler

Am 18. Spieltag hat Michael Ballack sein letztes Spiel für Leverkusen bestritten. Seitdem verlor Bayer nur noch gegen Barcelona und Dortmund, zuletzt gab es drei Siege in der Bundesliga – Bayer hat also alles richtig gemacht. Wir erinnern an acht andere aussortierte Spieler und die völlig unterschiedlichen Folgen.

Als Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser vor dem 19. Spieltag der Bundesliga gegen Werder Bremen den Weg in die Öffentlichkeit suchte und die Verpflichtung von Michael Ballack als "Fehler" bezeichnete, war er sich dem Echo völlig bewusst.

"Es ist der Zeitpunkt erreicht, wo wir uns alle eingestehen müssen, dass unsere Überlegungen, die wir vor 20 Monaten hatten, nicht aufgegangen sind", sagte Holzhäuser damals dem Express und sorgte für eine mediale Welle. Darf man mit einem so verdienten Spieler wie Ballack so umgehen? Will Bayer Ballack kurz vor Ende der Transferperiode sogar loswerden?

Letztlich blieb Ballack, machte seitdem aber – natürlich auch verletztungsbedingt – kein Spiel mehr für Bayer. Die Entscheidung war aus verschiedenen Gründen richtig. Sportlich ist Bayer auf dem Vormarsch, nach drei Siegen in Serie besteht wieder Hoffnung auf die erneute Qualifikation zur Champions League. Die Mannschaft tritt wieder als Einheit auf, das Thema Ballack ist im Großen und Ganzen aus der Öffentlichkeit verschwunden und zu guter Letzt wurde Trainer Robin Dutt gestärkt, der von den eigenen Fans ausgepfiffen wurde, auch weil Ballack ihm nach der Auswechslung gegen Mainz den Handschlag verweigerte.

Ob Ballack nach seinem Muskelfaserriss nochmal auf den Platz zurückkehren wird, ist unerheblich. Die Bayer-Verantwortlichen – auch Sportdirektor Rudi Völler stellte sich hinter Dutt und gegen Ballack – haben die richtige Entscheidung getroffen, ein so dauerhaft schwelendes Thema hätte sogar Platz sechs oder sieben gefährden können. Mannschaft und Fans wissen, woran sie sind, ein würdiger Abgang für den in der amerikanischen MLS gehandelten Ballack gegen Ende der Saison ist allemal drin.

Zuvor hatte sich Dutt bereits von Hanno Balitsch getrennt, der Ergänzungsspieler hatte aber bei weitem nicht die Bedeutung eines Michael Ballack. Ein Blick in die jüngere Vergangenheit der Bundesliga zeigt, dass solche Maßnahmen nicht unüblich sind, auch wenn die Entstehungsgeschichten sowie die sportlichen und persönlichen Auswirkungen sehr unterschiedlich sind. Wir erinnern an acht Aussortierte:

Saison 2001/02: Ciriaco Sforza

In seiner zweiten Zeit beim FC Bayern schaffte es Ciriaco Sforza unter Ottmar Hitzfeld nie zum absoluten Stammspieler. Deshalb dürfte es Hitzfeld aus sportlicher Sicht auch nicht schwer gefallen sein, Sforza nach der 1.2-Niederlage beim FC St. Pauli am 21. Spieltag abzustrafen und ihm ein vorzeitiges Vertragsende am Saisonende nahezulegen.

"Bei Ciriaco Sforza ist es sinnvoller, wenn er anders plant, falls er in der Rückrunde nicht in die Stammelf zurückkehrt", sagte Hitzfeld. Sforza spielte danach tatsächlich nur noch zwei Mal für die Bayern. Ohne Sforza gewannen die Münchner aber neun ihrer 13 restlichen Saisonspiele und retteten immerhin Platz drei hinter Meister Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen.

Saison 2003/04: Marcio Amoroso

Etwas anders liegt der Fall bei Marcio Amoroso. Der Torschützenkönig der Saison 2001/02, als Borussia Dortmund mit Amoroso auch Deutscher Meister wurde, musste im April 2004 den Verein verlassen, weil verletzungsbedingt seit Monaten gefehlt, seine Reha ohne Einwilligung des BVB in Brasilien durchgeführt hatte und stattdessen mit Beschwerden über die Zahlungsmoral der Dortmunder an die Öffentlichkeit ging.

Zuvor war Amoroso zudem immer wieder mit Trainer Matthias Sammer aneinander geraten, Disziplinfanatiker Sammer war mit der Arbeitsauffassung seines Stürmers unzufrieden gewesen. Im Nachhinein betrachtet hatte die Vertragsauflösung aber weniger sportliche, als eher finanzielle Gründe. Der BVB stand Millimeter vor der Insolvenz und musste den überteuerten Kader verschlanken. Auch wenn es die Öffentlichkeit damals noch nicht ahnte, die Vertragsauflösung mit Amoroso war der Beginn der Konsolidierung in Dortmund.

Saison 2008/09: Thomas Zdebel

Der Aufschrei in Bochum war groß. Zu Beginn der Rückrunde sortierte Trainer Marcel Koller seinen Kapitän und vermeintlichen Führungsspieler Thomas Zdebel aus. Manager Thomas Ernst teilte Zdebel mit, er dürfe nur noch mit der 2. Mannschaft trainieren. Nach einer Vorrunde auf Rang 17 wurde Zdebel somit zum Sündenbock (Zdebel: "Ein Schlag ins Gesicht.") gemacht, die VfL-Fans standen hinter Zdebel.

Koller geriet in die Kritik, wie sollte das Ziel Klassenerhalt ohne diesen wichtigen Spieler bewältigt werden? Doch Zdebel soll intern Stimmung gegen den Trainer gemacht haben, Koller wehrte sich und macht letztlich alles richtig. Der VfL spielte eine starke Rückrunde, sicherte sich auf Rang 14 den Klassenerhalt. Zdebel wechselte zu Bayer Leverkusen und später dann zu Alemannia Aachen, in den folgenden zweieinhalb Profijahren kam der mittlerweile 38-Jährige aber nur noch auf 18 Einsätze.

Saison 2009/10: Albert Streit

Bei Albert Streit weiß man gar nicht so genau, wo man anfangen soll. Suspendierungen, Arbeitsgerichtsprozesse, unvorsichtige Interview-Passagen oder unzufriedene Trainer ziehen sich wie ein roter Faden durch seine Karriere. Unter Felix Magath beim FC Schalke wurde Streits Karriere dann richtig ausgebremst, über zwei Jahre durfte der Mittelfeldspieler kein Profispiel bestreiten.

Die Schalker hatten einen finanziellen Schaden, sportlich hatte die Degradierung Streits aber keine messbaren Auswirkungen. Der Spieler selbst steht aber vor einer gescheiterten Karriere, mit Alemannia Aachen fand Streit zwar einen neuen Club, aber nur weil Friedhelm Funkel ihn aus gemeinsamen Tagen in Frankfurt kannte und deshalb sein eigenes Bild von Streit hatte.

Saison 2010/11: Ioannis Amanatidis

Der griechische Stürmer von Eintracht Frankfurt wurde nur für wenige Tage suspendiert, trotzdem war die Atmosphäre so vergiftet, dass es zu Beginn der laufenden Saison doch zum endgültigen Aus kam. Der damalige Eintracht-Coach Michael Skibbe stellte Amanatidis zu Beginn der Rückrunde wegen kritischer Äußerungen zu seinen Aufstellungen kalt, eine Woche später wurde Amanatidis dann begnadigt.

Doch sowohl Skibbe als auch dessen Nachfolger Christoph Daum setzten den ehemaligen Kapitän – für die Absetzung war ebenfalls Skibbe verantwortlich – kaum noch ein. Was folgte, ist bekannt: Die Eintracht stieg ab. Dann folgten Interviews, Anschuldigungen und ein Arbeitsgerichtsprozess, an dessen Ende die Vertragsauflösung stand.

Saison 2010/11: Jan Schlaudraff

Jan Schlaudraff dagegen ist das beste Beispiel, dass nicht nur zweite Chancen möglich sind, nein, diese können auch in einem Happy End münden. Schlaudraff, der schon in seiner Zeit bei Alemannia Aachen und dem FC Bayern nicht immer als der pflegeleichteste Profi galt, machte zu Beginn der Saison eine schwierige Phase durch. Trainer Mirko Slomka ("Wenn er spielen will, sollte er darüber nachdenken, sich einem anderen Club anzuschließen.") formulierte eine eindeutige Meinung, Hannovers Präsident Martin Kind ging sogar soweit, Schlaudraff nie wieder im 96-Trikot sehen zu wollen.

Schlaudraff fand aber keinen neuen Club, hing sich stattdessen im Training rein und wurde am achten Spieltag gegen die Bayern eingewechselt. Kinds Vision wurde wegen Slomkas Weitsicht nicht wahr, seitdem ist Schlaudraff fester Bestandteil der Mannschaft, die mittlerweile sogar in Europa für Furore sorgt. Schlaudraffs Vertragsverlängerung gegen Ende der vergangenen Rückrunde wurde sogar als Zeichen für die Zukunft gewertet – mehr Happy End geht eigentlich nicht.

Saison 2011/12: Diego

Mit Spielern, die kurzfristig oder auch dauerhaft von Felix Magath aussortiert wurden, könnten wir mittlerweile einen eigenen Artikel bestreiten. Diego steht somit stellvertretend für viele Namen (Helmes, Kyrgiakos, Polak, um nur aktuelle Spieler zu nennen), sportlich ist es aber die interessanteste Personalie. Denn ohne Diego fehlt seit Beginn der Saison der Fixpunkt im Wolfsburger Spiel, die spielerischen Schwierigkeiten machen aus den Wölfen graue Mittelfeld-Mäuse.

Wobei wir damit nicht suggerieren wollen, dass Magath im Fall von Diego falsch lag oder übertrieben reagiert hat. Am letzten Spieltag der vergangenen Saison verließ Diego die Mannschaftssitzung, weil Magath auf ihn in der Startelf verzichten wollte. Fans und Mannschaft hatte Diego damit gegen sich, eine gemeinsame Zukufnt wäre nur schwer vermittelbar gewesen. Rein sportlich fehlt er trotzdem, derzeit ist er an Atletico Madrid verliehen, eine Rückkehr gilt als nahezu ausgeschlossen.

Saison 2011/12: Michael Thurk

Es glich einem Paukenschlag, als der FC Augsburg zu Beginn der Saison die Suspendierung von Aufstiegsheld Michael Thurk bekannt gab. Wollen die Augsburger denn gar nicht die Klasse halten? Wer soll denn bitte die Tore schießen? Die Fans standen voll auf der Seite von Thurk, es gründeten sich sogar Facebook-Gruppen.

Zunächst wurden sportliche Gründe angeführt, als diese in der Öffentlichkeit nicht haltbar waren, wurden "gravierenden Meinungsverschiedenheiten" nachgeschoben. Thurk machte tatsächlich kein Spiel mehr für die Augsburger und mittlerweile ist klar, dass die sportliche Abhängigkeit doch nicht so groß war, wie angenommen. Thurk, der sich im Februar per Mikrofon von den Fans verabschieden durfte, spielt nun in der 3. Liga bei Heidenheim.

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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