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1. Bundesliga: Bayern und Hoffenheim trennen sich 0 -0

Ganz Deutschland, vielleicht sogar ganz Europa – so zumindest der Eindruck – kuschte in den letzten Wochen vor den Bayern. Ganz Deutschland? Nein, ein kleines Dorf im Kraichgau hat es mit Aggressivität und guter Moral geschafft, den Bayern immerhin einen Punkt abzutrotzen. Es wäre sogar ein Sieg drin gewesen.

Vor dem Heimspiel gegen Bayern hatte sich Holger Stanislawski in der SZ noch einmal an die bittere 1:8-Schlappe mit dem FC St. Pauli am Ende der letzten Saison zurückerinnert und noch einmal den fehlenden Mumm angeprangert, den sein damaliges Team dabei offenbart hatte.

Gleiche Kritik braucht er nach dem 0:0 am achten Spieltag der Saison 2011/12 an seiner neuen Mannschaft Hoffenheim nicht üben – im Gegenteil, denn diesmal war seine Mannschaft insgesamt die überlegene Mannschaft. Mit viel Einsatz und Pressing hatten die Hausherren den deutlich favorisierten Bayern von der ersten Minute an das Leben schwer gemacht und zu keinem Zeitpunkt zu ihrer gewohnten Dominanz kommen lassen.

Den Bayern fiel nichts ein, um das Spiel zu ihren Gunsten noch zu entscheiden, zudem fehlte ihnen nach den anstrengenden Aufgaben der letzten Wochen auch die nötige Frische und so hatte Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer am Ende sogar zwei Sekunden vor dem eigentlichen Ende der regulären Spielzeit ein Einsehen und pfiff ab. Manuel Neuer, der in dieser Saison noch nie soviel zu tun bekam wie heute, knackte durch das torlose Remis immerhin die 1.000 Minuten-Marke und schraubte seinen Rekord auf 1.018 Minuten.

Hoffenheim versteckt sich nicht

Holger Stanislawski hatte seine 4-3-3-Startformation nach dem 0:2 in Köln auf zwei Positionen verändert. Chinedu Obasi ersetzte im Stürm Peniel Mlapa, in der Mittelfeldreihe kam Daniel Williams anstelle von Dominik Kaiser zum Einsatz.

Gegenüber Jupp Heynckes musste kurzfristig auf Rafinha verzichten, der beim Warmmachen Muskelprobleme verspürt hatte. Für ihn rückte Jerome Boateng auf rechts, Holger Badstuber nahm den Platz neben Daniel van Buyten in der Innenverteidigung ein. Außerdem ersetzte Anatoliy Tymoshchuk im defensiven Mittelfeld Luiz Gustavo.

Hoffenheim kauft Bayern den Schneid ab

In einer ausgeglichenen Anfangsphase hatten sich die Bayern um Spielkontrolle bemüht, Hoffenheim attackierte jedoch früh und hinderte die Gäste so daran, ihre zuletzt gewohnte Feldüberlegenheit aufzuziehen. Etwas mehr als eine Viertelstunde dauerte es so bis zur ersten aufregenden Strafraumszene. Toni Kroos hatte Boateng mit einem öffnenden Steilpass in den Strafraum geschickt, dessen abgefälschter Pass wurde von Isaac Vorsah auf der Linie geklärt.

Bayern wurde aber nur kurzzeitig stärker, wirkte insgesamt zu behäbig, störte nicht energisch genug und so bekamen die deutlich aggressiveren Hoffenheimer Raum und Chancen und übernahmen das Kommando. Sebastian Rudy hatte von links in den Strafraum geflankt, wo Marvin Compper den Ball mit dem Hinterkopf gefährlich aufs Tor beförderte und Manuel Neuer per Hechtsprung retten musste. Ein Kopfball von Roberto Firmino nach Gylfi Sigurdsson-Flanke landete genau wie ein Sitzrückzieher von Ryan Babel nach einer verlängerten Ecke direkt in den Armen des Keepers.

Am Ende beide mit Remis zufrieden

Mit dem 0:0 zur Pause war Bayern insgesamt gut bedient. Heynckes musste den von Muskelproblemen geplagten Frank Ribéry rausnehmen, beorderte Thomas Müller auf die linke Seite und brachte Arjen Robben. Hoffenheim blieb jedoch das aktivere Team und Neuer erlebte seinen bisher beschäftigungsreichsten Einsatz für die Bayern – auch wenn richtig zwingende Aktionen nicht dabei waren, da sich Hoffenheim vornehmlich auf Distanzschüsse verlegte.

Bayern brachte David Alaba für den heute hängengelassenen Mario Gomez, für den Müller in die Spitze rückte. Hoffenheim ging langsam die Puste aus, so dass Bayern im Spiel nach vorne wieder aktiver werden konnte. Müller blieb jedoch bei einem Versuch im Strafraum an Vorsah hängen, ein Abstauber-Tor von Bastian Schweinsteiger nach von Starke abgewehrtem van Buyten-Kopfball konnte Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer wegen Abseits nicht anerkennen. In Führung hätte Bayern trotzdem gehen können, wenn Kroos den Abschluss gesucht hätte, anstatt an der Strafraumgrenze noch einmal unpräzise quer auf Müller abzulegen.

Am Ende konnten sich beide Mannschaften mit dem Remis gut abfinden. Die Bayern behaupteten die Tabellenführung und Hoffenheim freute sich, als erstes Team seit Wochen nicht gegen die Münchner verloren zu haben – auch wenn mit etwas größerer Durchschlagskraft und Entschlossenheit im Angriff heute deutlich mehr drin gewesen wäre. "Ich bin zufrieden, aber nicht hochzufrieden“, ließ Stanislawski am Ende in seinem Fazit bei Sky noch Luft nach oben.

Malte Asmus 

sportal.de / sportal

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