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1. Bundesliga: Bundesliga-Vorschau - Der 1. FSV Mainz 05

In Mainz wurde nahezu Unglaubliches vollbracht. In jedem Jahr gilt der Karnevalsverein als einer von mehreren Absteigern und schafft es immer wieder, alle Kritiker zu verblüffen. Nach Platz fünf in der abgelaufenen Spielzeit hat der FSV jedoch wichtige Spieler verloren und wir geizen einmal mehr nicht mit düsteren Prognosen.

In Mainz wurde nahezu Unglaubliches vollbracht. In jedem Jahr gilt der Karnevalsverein als einer von mehreren Absteigern und schafft es immer wieder, alle Kritiker zu verblüffen. Nach Platz fünf in der abgelaufenen Spielzeit hat der FSV jedoch wichtige Spieler verloren und wir geizen einmal mehr nicht mit düsteren Prognosen.

Schon nach dem Abgang von Trainer Jürgen Klopp hieß es in den Medien, dass schwere Zeiten bevorstehen würden. Doch Thomas Tuchel setzte die erfolgreiche Arbeit seines Vorgänger fort und beeindruckte die Fachwelt mit seiner akribischen Arbeit, die auch das kleinste Detail in offenen Fragen berücksichtigt. Wie die Saison nach Platz fünf im Vorjahr läuft, beantworten wir nun in unserem Check.

Gute Sommer-Zeit
In Mainz laufen die Uhren zwar nicht anders, doch irgendwie bekommt man das Gefühl, sich in einer anderen Welt zu befinden. Während in anderen Clubs schnell die Ziele bis in den Himmel wachsen, bleiben die Ansprüche bei den Rhein-Hessen bescheiden, fast schüchtern. Immerhin heißt es nun, dass man zu den besten 18 Mannschaften in Deutschland gehören möchte - eine Steigerung um 100 Prozent. Alles andere würde man Tuchel und Manager Christian Heidel auch nicht abnehmen, denn gerade durch die Fertigstellung des neuen Stadions ist auch der Etat gewachsen.

Waren es im Vorjahr noch 38 Millionen Euro, so haben die Mainzer den Etat auf 54 Millionen Euro angehoben. "Die Entwicklung ist ein Quantensprung für Mainz 05. Wir haben sie vor allem unserer neuen Coface Arena zu verdanken, deren Bedeutung für unsere wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit wir ja immer betont haben", sagt Manager Christian Heidel auf ran.de.

Diese Voraussetzungen lassen den Abgang wichtiger Spieler, auf die wir gleich noch kommen werden, vergessen. Denn Mainz gehört dank vieler Faktoren zu einer der Top-Adressen für junge Talente mit großer Perspektive. Zwar haben die Bruchweg-Boys ihre Trennung bekannt gegeben, eine Nachfolge Band ist jedoch schon zur Gründungsversammlung aufgebrochen. Ob es nun Eric Maxim Choupo-Moting (HSV), Zoltan Stieber (Aachen), Deniz Yilmaz (FCB II), Marcel Risse (Leverkusen) oder Yunus Malli (Gladbach) sind, ein Neueinstieg in die Charts ist nur eine Frage der Zeit.

Schlechte Sommer-Zeiten
So schön es auch ist, als Ausbildungsverein gute Arbeit zu leisten, gerne würde man die Früchte der Arbeit auch zum Verzehr auf dem Mittagstisch liegen sehen. Andre Schürrle (Leverkusen) und Lewis Holtby (Schalke) sowie auch Christian Fuchs (Schalke) sind Spieler, die nicht einfach so zu ersetzen sind. Gerade wenn es nun auch eine Doppelbelastung zu verkraften gibt.

Nun muss Tuchel also wieder eine neue Elf formen und zumindest in den bisherigen Testspielen haben die Mainzer sich noch nicht mit Ruhm bekleckern können. Zwar besiegte man Eintracht Braunschschweig (1.0) und die Stadtauswahl aus Mainz (8:0) und kam auch gegen Legia Warschau zu einem ungefährdeten 3:0-Erfolg, doch die Niederlagen gegen den SV Darmstadt (1:4) und den SV Grödig (0:2) waren so nicht einkalkuliert - gerade weil der Fokus der Trainingsarbeit auf der Defensive lag.

"Das Gerippe ist nach wie vor da", sagte Heidel auf bild.de und ergänzte: "Andre Schürrle ist ein Ausnahmespieler, so einen konnten wir auch nicht verpflichten - wir können uns nur wieder einen Spieler dort hin entwickeln." Und während die Mainzer in der vergangenen Saison noch für einen Startrekord sorgten und dem Abstiegsgespenst nicht einen Ansatz gaben, sich auf den Weg in die Region zu machen, könnte ob des kleinen Umbruchs zu Beginn der Saison noch diese Sicherheit fehlen.

Wer darf sich nicht verletzen?
Beim FSV Mainz ist nicht einmal die Mannschaft der Star, dieses Wort hat hier keine Existenzberechtigung. Wie schon angesprochen, haben Tuchel und Heidel den Kader besonders in der Breite verstärkt und konnten die Abgänge von Schürrle, Holtby und Fuchs nominell kompensieren. Zumindest sind die Voraussetzungen da, den Qualitätsverlust aufzufangen.

Dragan Georgiev (SC Paderborn 07), Yunus Malli (Borussia M'gladbach), Zoltan Stieber (Alemannia Aachen), Nicolai Müller (SpVgg Greuther Fürth), Deniz Yilmaz (Bayern München II), Zdenek Pospech (FC Kopenhagen), Marcel Risse (Bayer Leverkusen), Stefan Bell (war ausgeliehen), Filip Trojan (war ausgeliehen), Fabian Schönheim (SV Wehen Wiesbaden), Julian Baumgartlinger (Austria Wien), Malik Fathi (Spartak Moskau) und Anthony Ujah (Lilleström SK) sind neu dabei und so hat man in Mainz kaum Angst davor, dass sich ein Spieler verletzen könnte - zudem lässt Tuchel auch gerne rotieren und hat keinen wirklich festen Stamm.

Frage an den Fachmann
Als Fachmann konnten wir Peter Schmitt verpflichten, der für den 05er Fan-Blog auf drahtlos.org verantwortlich ist. Ihn haben wir gefragt, wie die Mainzer einen Absturz verhindern können und was die Dreifachbelastung für Auswirkungen nach sich ziehen wird: "Angesichts der Dreifachbelastung - Euro League, Pokal und Bundesliga - dürfen wir sicher nicht zu viel erwarten, schon gar keinen Senkrechtstart wie in der Vorsaison, aber Thomas Tuchels Truppe ist doch viel besser als Platz 14. Die Nullfünfer haben sich hervorragend verstärkt - nicht nur mit Talenten wie Zoltan Stieber, Eric Maxim Choupo-Moting oder Yunus Malli. Mit dem Vollblutstürmer Anthony Ujah, den Mittelfeldspielern Nicolai Müller und Julian Baumgartlinger sind drei Top-Spieler dabei.

Ich bin mir ganz sicher, dass es Tuchel gelingen wird, die Mannschaft wieder an das Niveau der Vorsaison zu führen. Das häufige Rotieren dürfte dabei eher ein Vor- als ein Nachteil sein, denn jeder kann seine Stärken einbringen und den anderen fast nahtlos ersetzen. Diese hohe Flexibilität garantiert ein kontinuierliches Leistungsniveau. Jeder ist so wichtig für die Mannschaft wie der andere - und das macht der Trainer den Spielern auch klar.

Im Trainingslager im österreichischen Flachau hat Tuchel rechtzeitig die Weichen gestellt und die Belastungen auf den Zenit gebracht. Nur kurz blieb Zeit für Regeneration, denn schon am Dienstag und Mittwoch geht es in den Ligapokal, Ende Juli dann ins erste Spiel zur Euro-League-Qualifikation. Mein Tipp: Guter Start im internationalen Wettbewerb, verhaltener Beginn in der Liga. Nach dem ersten Drittel der Hinrunde findet die Mannschaft noch besser zu sich, so dass wir am Ende nicht schlechter als Position 10 abschneiden werden.

Prognose
Man sollte die Mainzer in keinem Fall unterschätzen. Manager Heidel freut sich vor jeder Saison wie ein Radkappendieb auf die Prognosen, in denen die Mainzer wieder als totaler Außenseiter in die 2. Liga geschrieben werden. Den Fehler werden wir sicherlich nicht machen und auch die Konkurrenz ist gewarnt. Kein Verein wird die 05er unterschätzen und zudem tanzt man nun auch auf drei Hochzeiten. Schon anderen Vereinen ist dies zum Verhängnis geworden.

"Man darf den Europapokal zudem nicht unterschätzen, denn es ist ein anderer Rhythmus - besonders wenn wir in die Gruppenphase kommen. Es wird kein Selbstläufer", erklärte Eugen Polanski im sportal.de-Exklusivinterview. Diese zwei Faktoren, gepaart mit dem Umbruch, lassen eine erneute Saison mit Superlativen am Fließband zumindest in der Liga nicht zu. Mit dem Abstieg hat man sicherlich nichts zu tun, doch führt der Weg den FSV am Ende auf Platz 14.

Gunnar Beuth

sportal.de / sportal

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