VG-Wort Pixel

1. Bundesliga Ein neuer Spielplan für die Liga


Die Bundesliga setzt seit ihrer Gründung auf ein altbekanntes Modell: Die Rückrunde wird nach dem gleichen Schema wie die Hinserie gespielt. Doch in fast fünfzig Jahren hat sich viel getan. Der Spieltag wurde stark zersplittert, die internationalen Termine haben sich vermehrt. Wir haben uns deshalb Gedanken gemacht.

Vor drei Wochen berichteten wir, dass die DFL eine Veränderung des Spielplans plane, welche die Tabellensituation in der Winterpause berücksichtigt. Wenige Tage später folgte das Dementi des Noch-DFL-Geschäftsführers Holger Hieronymus. Dass über ein solches Modell auf der vorausgegangenen Managertagung der Proficlubs gesprochen wurde, ist unstrittig. Doch es habe sich dabei niemals um konkrete Pläne gehandelt, unterstrich DFL-Spielleiter Götz Bender.

Dass eine Erneuerung der Spielpläne dringend nötig ist, glauben tatsächlich nicht wenige Stadiongänger in Deutschland. Doch meinen sie eine Veränderung der ganz anderen Art. Wir haben uns deshalb mit der Thematik beschäftigt und schlagen selbst eine Reform vor, die vor allem die Belange der Fans berücksichtigt.

Fans leiden unter Spielansetzungen

In Berlin-Köpenick tat sich am vergangenen Montag Ungeheuerliches. Fans beider Seiten ignorierten die vom DFB veranlasste Aussperrung der Gästefans und hatten damit Erfolg. Einen Tag später gab der Verband bekannt, in Zukunft auf solche Maßnahmen zu verzichten. In Düsseldorf wollen heute wieder die Anhänger der beteiligten Clubs gemeinsame Sache machen und gegen die Montagsspiele der 2. Liga demonstrieren.

Der Grund liegt auf der Hand. Elf Spiele der Fortunen wurden von der DFL auf einen Montag gelegt. Berücksichtigt man außerdem den Spieltag in der nächsten Woche, der für Dienstag und Mittwoch angesetzt ist, werden die Düsseldorfer mehr als ein Drittel ihrer Begegnungen nicht am Wochenende ausgetragen haben. Für die Fans ist das eine schwierige Situation. Wenn sie beispielsweise Montags nach Cottbus reisen müssen, sind bis zu zwei Tage Urlaub für den Spielbesuch nötig.

Das Management von Fortuna Düsseldorf selbst hat gegen diese Auswärtspartien wenig einzuwenden, erhalten die Sponsoren doch zusätzliche Aufmerksamkeit. Bei Heimspielen sieht das schon anders aus. Montagspiele kosten in der Regel Zuschauer, speziell, wenn der Gastgeber auch viele Fans aus der erweiterten Region um die Stadt hat. Das hat vor Jahren beispielsweise schon der 1. FC Nürnberg feststellen müssen. An einem Montag reisen Fans nicht gerne.

Dortmunder Einnahmeverluste

Dass dies auch für den Sonntagabend gilt, hat Borussia Dortmund feststellen müssen. Deshalb hatte sich Hans-Joachim Watzke vor drei Jahren bei der DFL über die Ansetzung von Heimspielen an Sonntagen beschwert. In der Saison 2007/08 war einzig die Partie gegen Bremen an einem Sonntag ausverkauft. Gegen Cottbus, Leverkusen und Stuttgart kamen jeweils deutlich unter 70.000 Zuschauer ins Stadion, was über 80.000 fasst.

Es war auch kaum ein Zufall, dass die Bayern höchst selten Heimspiele im zugigen Olympiastadion an einem Sonntag ausrichten mussten. War dies doch einmal der Fall und der Gegner unattraktiv, wurden wie gegen Hannover vor acht Jahren auch nur mal 32.000 Besucher an der Kasse zum Zahlen gebeten.

Der Spieltag im Laufe der Jahre

Wie haben sich die Spieltage der Bundesliga im Laufe der Jahre verändert? Der Samstag war schon immer der Hauptspieltag der Bundesliga. Schrittweise rückte der Anstoß in der Zeitachse von 17 Uhr nach vorne. Im Winter 1967/68 setzte sich dann der bekannte 15:30 Uhr-Termin durch. In den Siebziger Jahren kam immer öfter der Freitagabend hinzu. Seit am ersten Spieltag der Saison 1993/94 der Anpfiff zur Partie Bremen gegen Stuttgart ertönte, finden Begegnungen auch regelmäßig am Sonntag statt.

Mit der zunehmenden Macht des wichtigsten Geldgebers - den Inhabern der Fernsehrechte - nahm stetig auch die Flexibilisierung deutlich ab. Die Liga ist verpflichtet, an jedem Wochenende zu den vereinbarten Terminen zu liefern.

Nun ist man es in Deutschland gewöhnt, dass die Partien der Rückrunde in der Reihenfolge gespielt werden, die aus der Vorrunde bekannt ist. Die Empörung unter den Fans war groß, dass man dies infrage stellen könnte. Dass dieses Schema aber kein Naturgesetz ist, beweist der Blick über die Grenze. In England oder in der Schweiz wird die Spieltagsgestaltung flexibler gehandhabt. Auch beim Hamburger Fußballverband gab es schon einmal ein anderes Modell. Man spielte vor Jahren die Saisons spiegelverkehrt aus, sprich den Gegner des ersten Spieltags sah man erst am Saisonende wieder.

Ein neuer Spielplan muss her

Allgemein herrscht unter den Stadiongängern eine große Unzufriedenheit über die aktuellen Spielpläne. Aufgrund der Berücksichtigung der internationalen Wettbewerbe werden die einzelnen Terminierungen unter Umständen erst sehr spät bekannt gegeben, was Reiseplanungen erschwert. Diese Planungen wurden in den letzten Jahren aufgrund der für Fans ungünstigen Abendspiele an einem Sonntag oder Montag immer wichtiger.

Wer beispielsweise heute aus Hamburg mit dem Zug zum Spitzenspiel anreist, hat nur eine Möglichkeit, noch in der Nacht die Heimat zu erreichen. Das Stadion muss eilig mit dem Schlusspfiff verlassen werden, damit ein Regionalzug nach Wuppertal am Düsseldorfer Hauptbahnhof um 22:50 Uhr erreicht wird. Allzu groß darf eine eventuelle Verspätung der bekanntlich so pünktlichen Deutschen Bahn nicht sein. Denn es bleiben in Wuppertal 14 Minuten, um den Nachtzug gen Hamburg zu erreichen. Dieser trifft dann gegen vier Uhr am frühen Morgen in der Hansestadt ein. Die Alternative Fanbus ist kaum schneller.

Deshalb argumentieren Fans schon seit Jahren, für diese Abendspiele eine Kilometerlimitierung anzuwenden. Es ist auch kaum verständlich, dass beispielsweise die Spiele zwischen Karlsruhe und St. Pauli sowohl in der Vor- als auch in der Rückrunde zu Spitzenspielen erklärt wurden, die unbedingt am Montagabend ausgetragen werden mussten. Die beiden Orte liegen über 500 Kilometer Luftlinie oder über 600 Kilometer Wegstrecke mit Auto oder Bahn auseinander.

Der Derbytag

Nun sind wir nicht so naiv, zu denken, dass das Rad der Zersplitterung jemals zurückgedreht wird. Doch es ist wichtig, die Vorlieben der TV-Zuschauer mit denen der Stadionbesucher einigermaßen zu verbinden. Das kann im Interesse aller sein. Deshalb schlagen wir folgende Änderungen für die Bundesliga vor, die analog auch Anwendungen in der zweiten Liga finden könnten, so weit das möglich wäre.

Die Terminierung aller Vorrundentermine findet bei unserem Modell spätestens nach der Auslosung der internationalen Wettbewerbe statt, um den Fans eine möglichst große Planungssicherheit zu gewährleisten. Der Freitag wird zum Derbytag ausgerufen. Durch kurze Distanzen wird den Fans so garantiert, dass sie nach der Arbeit pünktlich ins Stadion und nach der Partie wieder zeitig nach Hause kommen.

Ähnlich wird an Sonntagen mit dem Spätspiel verfahren. Den möglichen Europa-League-Teilnehmern müssten an den infrage kommenden Sonntagen entsprechende Gegner zugeteilt werden, dass beim 17:30 Uhr-Termin eine fanfreundliche Einteilung immer möglich ist.

Neugestaltung der Spielpläne in der Winterpause

So verkehrt ist der Grundgedanke nicht, im Winter noch einmal über eine Neuverteilung der Partien nachzudenken. Doch ist der Gedanke, die Spannung dadurch erhöhen zu können, der falsche Weg. Viel mehr sollte auch an dieser Stelle in erster Linie auf die Bedürfnisse der Fans geschaut werden. Mit einer Neuverteilung der Spieltage hätte die DFL die Chance, auf die Erfolge der Clubs in den internationalen Wettbewerben einzugehen.

Die Spieltage würden so verteilt werden, dass die zu bewältigenden Entfernungen der 17:30 Uhr-Spiele gering bleiben. Außerdem wäre es so möglich, den gesamten Rückrundenplan schon im Dezember aufzustellen. Wieso sollte das, was in England Alltag ist, nämlich eine frühe Terminierung, in der Bundesliga nicht möglich sein? Die Fans würden es dankend aufnehmen.Für die zweite Liga würde die Lage aber so oder so prekär bleiben aufgrund der ungünstigen Anstoßzeiten. Den Fans des Unterhauses bleibt daher wohl nur der Trost, dass im Zuge der Vergabe der TV-Rechte der Kick-off für die Freitagsspiele um eine halbe Stunde nach hinten auf 18:30 Uhr verlegt wird.

Uwe Toebe

sportal.de sportal

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker