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1. Bundesliga Interview mit HSV-Sportdirektor Frank Arnesen

Beim Hamburger SV geht die Angst vor dem ersten Abstieg um. Sportdirektor Frank Arnesen gibt sich aber gelassen. Im Interview stellt er sich hinter Trainer Michael Oenning, die Schicksale der beiden hängen aber nicht zusammen.

In einem Interview verteidigt HSV-Sportdirektor Frank Arnesen seine einseitige Einkaufspolitik, stellt sich hinter Michael Oenning, verknüpft aber nicht sein eigenes Schicksal mit dem des bisher erfolglosen Trainers. Realität ist Realität, kleine Vereine ziehen das durch, Bundesligisten nicht so, sagt der Däne, der aber nicht sagen kann, wie lange er dem öffentlichen Druck noch standhält, ohne sich vom Coach zu trennen.

Herr Arnesen, haben Sie damit gerechnet, in Deutschland so schnell in die Kritik zu geraten?

Frank Arnesen: Ich glaube, das ist normal. Fußball ist sehr emotional, das Umfeld und die Fans in Hamburg auch. Ich akzeptiere die Kritik total, ich will mich nicht verteidigen. Das ist ein Umbruch und die Leute können nicht warten, das ist ein Kampf. Aber wir haben einen Plan. Für wenig Geld habe ich gute Nachwuchsspieler dazugekauft, mehr war finanziell nicht drin. Die fünf Nachwuchsspieler von Chelsea waren preiswert und sind ein Geschenk.

Wie sieht der Plan aus und wie lange können Sie den am Tabellenende durchziehen?

Mit einem Etat von 35 bis 40 Millionen Euro können wir nicht sofort Meister werden und mit Bayern München mithalten, die 120 Millionen Euro ausgeben. Aber wir können Jahr für Jahr mit eigenem Nachwuchs und einer guten Philosophie besser werden. Bei unserem nächsten Gegner Mönchengladbach lief es letzte Saison auch nicht, jetzt sind sie Dritter.

Wie lange haben Sie noch Geduld und Vertrauen in Trainer Michael Oenning, der seit zwölf Partien mit dem HSV auf einen Sieg wartet?

Wir werden gegen Gladbach gewinnen. Wir spielen zu Hause und in den letzten beiden Spielen habe ich eine Verbesserung gesehen. Wir haben acht erfahrene Nationalspieler, die müssen jetzt Gas geben. Michael Oenning ist mein Mann. Als er von Armin Veh das Ruder übernommen hat, musste er die letzten sieben Saisonspiele in einer sehr schwierigen Phase überbrücken. Mit Spielern, die nur weg wollten. Natürlich sind Resultate wichtig, aber ich frage auch, ob der Trainer die Spieler besser macht oder Probleme in der Kabine hat. Das ist alles gut bei Michael.

Ihnen wird vorgeworfen, die Bundesliga nicht zu kennen und die Situation schön zu reden.

Ich rede nicht schön, wir haben nur einen Punkt, das ist nicht gut. Aber wir haben erst fünf Partien hinter uns und davon drei schwere Auswärtsspiele in Dortmund, Bayern und Bremen. Nach dem Abgang erfahrener Profis muss sich eine Hierarchie in der Mannschaft erst bilden. Ich bin seit 19 Jahren im Geschäft und in reger Kommunikation mit Michael, das ist sehr wichtig. Ich will da mit sehr viel Arbeit durchgehen.

Ist dieser Umbruch das größte Projekt, was es zurzeit in der Bundesliga gibt?

Ja, ganz klar, die Bundesliga-Uhr läuft hier im Stadion, wir sind noch nie abgestiegen, das ist eine riesige Aufgabe. Die Ziele der Fans und des Umfelds gehen Richtung Meisterschaft, aber das ist nicht realistisch. Aber Olympique Lyon hat auch klein angefangen.

Sie sind nun täglich beim Training, zur Unterstützung oder Kontrolle?

Es ist für alle gut, zu sehen, dass ich engagiert bin, als Unterstützung. Es ist für mich eine große Herausforderung und ich bin immer noch zufrieden, dass ich ja zum HSV gesagt habe.

Wie lange halten sie noch zum Coach? Oder würden Sie mit dem Bundesliga-Dino sogar in die 2. Liga gehen?

Nein. Werder Bremen hat das letztes Jahr durchgezogen, das war toll. Intern sind wir alle ruhig, im Vorstand sind wir einig. Über Wenn und Aber reden wir nicht. Wir gewinnen am Samstag. Mit einem Erfolg kann man ins Rollen kommen.

Ist Kontinuität auf den entscheidenden Positionen das wichtigste für den langfristigen Erfolg?

Realität ist Realität, kleine Vereine ziehen das durch, Bundesligisten nicht so. Ich bin der Sportchef und habe an die Zukunft zu denken.

Sie sind loyal, aber ihr eigenes Schicksal würden Sie nicht an Oenning knüpfen?

Nein, ganz klar. Ich bin hier für den Verein, nach Dietmar Beiersdorfer muss ich als Sportchef für Kontinuität sorgen. Ich bin mit meinem Technischen Direktor Lee Congerton und vier Scouts von Chelsea nach Hamburg gekommen. Wir wollen in ein paar Jahren so weit sein, dass andere Vereine sagen, hey, da kommen interessante Spieler aus dem Nachwuchs. Wir denken nicht nur an das Heute, sondern auch an Morgen.

Neun Trainer in zehn Jahren brachten unterschiedliche Philosophien zum HSV, ständig wurde alles umgeschmissen. Wie würde der optimale Trainer für den HSV aussehen?

In diesem Moment so wie Michael Oenning.

Wer scoutet seinen Nachfolger, wenn der Misserfolg anhält, ist man vorbereitet beim HSV?

Das ist kein Thema für mich und das meine ich auch.

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