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1. Bundesliga: Köln feiert kuriosen Sieg in Hamburg

Zweimal führte der HSV, zeigte zwischendurch Moral und hatte auch ein wenig Pech  - am Ende reichten drei eigene Tore nicht, um gegen den 1. FC Köln zu gewinnen. Nach dem 3:4 ist Hamburg Tabellenletzter.

Dem Hamburger SV und Trainer Michael Oenning stehen unruhige Zeiten bevor. Nach der 3:4-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln ist der HSV Tabellenletzter und steht in zwei Wochen beim Nordschlager in Bremen gewaltig unter Druck.

Gegen Köln wurden die Hamburger für ihre Fehler in der Defensive gnadenlos bestraft. Nahezu jeder Schuss der Gäste landete im Tor. Mladen Petric (11.) hatte den HSV in Führung gebracht, Adil Chihi (21.) und Lukas Podolski (49.) drehten den Spieß um. Nachdem Slobodan Rajkovic (59.) und Heung-Min Son (62.) Hamburg wieder in Führung gebracht hatten, sah alles nach einem Happy End aus. In der Schlussphase luden die Hausherren dann aber Christian Clemens (84.) und Kevin McKenna (88.) noch zu zwei Toren ein.

Oenning setzt auf Neuzugang Rajkovic 

Michael Oenning baute den HSV nach dem Debakel in München auf vier Positionen um. Neuzugang Slobodan Rajkovic durfte in der Innenverteidigung neben Heiko Westermann ran, Jeffrey Bruma musste dafür auf die Bank, Michael Mancienne fehlte krankheitsbedingt im Kader. Auf der Doppelsechs kam Robert Tesche neben David Jaromlim zum Einsatz, dafür rotierte Tomas Rincon aus der Stammelf. Im offensiven Mittelfeld sollte Per Ciljan Skjelbred Mladen Petric mit Vorlagen füttern.

Auch beim 1. FC Köln stand eine neu formierte Innenverteidigung auf dem Platz. Neuverpflichtung Henrique Sereno verteidigte neben Pedro Geromel. Beide kennen sich bereits aus gemeinsamen Zeiten bei Vitoria Guimaraes in Portugal. Links in der Viererkette ersetzte Andrezinho den verletzten Christian Eichner. Lukas Podolski blieb nach überstandener Krankheit zunächst draußen.

HSV mit gutem Auftakt

52.000 Zuschauer in der Imtech Arena sahen einen HSV, der zwar um Wiedergutmachung bemüht war, die spielerischen Probleme aber nicht verbergen konnte. Viel Ballbesitz, wenig Ideen – so ließen sich die Hamburger Bemühungen zusammenfassen. Der Auftakt der Partie versprach dennoch einiges. Ein 30-Meter-Hammer (8.) und ein Lattenkopfball (9.) jeweils von Westermann sorgten für Hoffnung auf den Rängen, wenig später durfte sogar gejubelt werden.

Als Dennis Aogo in den Strafraum eindrang und von Geromel bedrängt und zu Fall gebracht wurde, entschied Schiedsrichter Florian Mayer auf Elfmeter. Eine zumindest umstrittene Entscheidung. Mladen Petric war es egal, er legte sich die Kugel zurecht und vollendete souverän zum 1:0 (11.).

Wirklich befreiend wirkte die frühe Führung nicht. Die Angriffe der Hamburger wurden meist zu langsam und statisch vorgetragen und brachten die dicht gestaffelte Kölner Defensive kaum in Bedrängnis. Nach vorne tat sich bei der Mannschaft von Stale Solbakken nicht viel, doch das Wenige reichte, um den Ausgleich zu erzielen.

Wo ist Diekmeier? 

Immer wenn Köln das Spiel schnell machte, wurden die Hamburger Probleme in der Rückwärtsbewegung deutlich. So auch in der 21. Minute, als Slawomir Peszko auf der linken Seite viel zu viel Platz hatte. Der Pole spielte einen Doppelpass mit Milivoje Novakovic, Rechtsverteidiger Dennis Diekmeier war weit und breit nicht zu sehen. Deshalb rückte Westermann nach außen, so dass in der Mitte die Zuordnung verloren ging und bei der flachen Hereingabe niemand mehr bei Adil Chihi stand, der aus kurzer Distanz nur den Fuß hinhalten musste und zum 1:1 einnetzte.

Nach dem Ausgleich nahm die Verunsicherung beim HSV zu. Die Gastgeber blieben zwar feldüberlegen außer einem Fernschuss von Heung-Min Son (27.) und einem Drehschuss von Marcell Jansen (42) sprang bei den kompliziert vorgetragenen Angriffen aber nichts mehr heraus. Köln musste sich den Vorwurf gefallen lassen, vielleicht etwas zu vorsichtig agiert zu haben und die wackelige Defensive der Hamburger nicht mehr gefordert zu haben.

Möglicherweise hatte Trainer Solbakken genau das im Sinn, als er nach der Pause Lukas Podolski für Peszko brachte. Die Maßnahme führte beinahe sofort zum Erfolg. Wie Peszko in Halbzeit eins nutzte Podolski den Freiraum auf der linken Seite, den ihm Diekmeier gewährte. In der 49. Minute stürmte der Nationalspieler auf und davon, flankte flach in die Mitte und fand den freistehenden Novakovic, der zum 1:2 einschob (49.).

Der HSV dreht das Spiel

Die HSV-Fans müssen in dieser Phase große Sorge um ihren Club gehabt haben, doch sie verhielten sich ruhig und geduldig. Zehn Minuten lang mühte Hamburg, in die Partie zurückzufinden, aber aus dem Spiel gelang nichts. Die Wende brachte eine Standardsituation.

Aogo trat einen Freistoß von der rechten Seite scharf in den Strafraum, Son stieg hoch und köpfte den Ball an den Pfosten. Von dort prallte die Kugel direkt vor die Füße von Slobodan Rajkovic, der aus vier Metern nur einzuschieben brachte (59.). Der 2:2-Ausgleich beflügelte den HSV, der richtig Dampf machte.

Mit einem langen Pass schickte Tesche Heung-Min Son auf die Reise. Der 19-Jährige ließ Gegenspieler Andrezinho wie einen Anfänger aussehen und ließ aus spitzem Winkel Keeper Miro Varvodic mit einem platzierten Schuss keine Chance (62.). Wenig später holte Solbakken Andrezino vom Platz und brachte Christian Clemens, Son musste verletzungsbedingt ebenfalls runter und wurde durch Eljero Elia ersetzt.

Erst Pech, dann Unvermögen 

Pech hatte der HSV, dass Skjelbred mit einem schönen Schuss an die Latte in der 76. Minute die Vorentscheidung verpasste. Die Konsequenzen waren bitter. Der Kölner Ausgleich lag zwar überhaupt nicht in der Luft, aber der HSV half einfach kräftig nach.

In der 84. Minute durfte Clemens nach einer Ecke aus acht Metern völlig unbedrängt direkt zum 3:3 einschießen und wenige Minuten später kam es noch schlimmer. Bei einem Freistoß von der linken Seite kam Jaroslav Drobny weit aus seinem Kasten heraus und fauste Kevin McKenna den Ball direkt vor die Füße. Der eingewechselte Verteidiger sagte danke und schob den Ball zum 3:4 in die Maschen. 

Sprachlos, geschockt und enttäuscht trotteten die Hamburger Fans und die Mannschaft von dannen. Nach einem über weite Strecken ordentlichen Auftritt, der zwar spielerisch noch viel Luft nach oben offenbarte, zumindest kämpferisch aber Mut machte, schlug sich der HSV mit kapitalen Fehlern in der Abwehr selbst. Köln nutzte die wenigen Chancen eiskalt aus und feierte einen letztlich glücklichen und zwischenzeitlich nicht mehr zu erwartenden Auswärtssieg. 

Lars Ahrens

sportal.de / sportal

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