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1. Bundesliga: Köln findet weder Trainer noch Sportdirektor - Unsichere Zukunft

Der 1. FC Köln steht vor einem Neuanfang. Doch ohne Trainer und Sportdirektor gestaltet sich die Planung schwierig, das neue Präsidium will trotzdem erste Entscheidungen allein treffen. Mike Büskens hat derweil als Trainer abgesagt.

Der 1. FC Köln ist im Tal der Tränen angekommen. Erst wurde der kölsche Prinz Lukas Podolski verabschiedet, dann stand der Abstieg aus der Bundesliga fest und zur Krönung musste die Polizei gegen randalierende Fans Tränengas einsetzen.

Ob nun alle Tränen getrocknet sind, ist nicht bekannt, aber der Blick der neuen Vereinsführung unter Präsident Werner Spinner und Vize Toni Schumacher geht nach vorne. Denn es gibt viele, sehr viele ungelöste Fragen. Wie sehen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus? Welche Spieler werden den Verein verlassen? Was passiert mit den vielen Leihspielern, die im Juli wieder auf der Kölner Matte stehen werden? Wer sind die potentiellen Neuzugänge? Und überhaupt: Wie sieht die Strategie für die Mission Wiederaufstieg aus?

All diese Fragen sollte die neue sportliche Leitung beantworten, doch genau hier hakt es. Die Suche nach einem neuen Trainer gestaltet sich schwierig, ein Nachfolger für Sportdirektor Volker Finke ist noch weniger in Sicht. Deshalb wollen Spinner und Schumacher die Neuordnung des Kaders schon mal unabhängig vom Trainer vorantreiben – eine zumindest fragwürdige Entscheidung.

Büskens sagt als FC-Trainer ab

Fest steht mittlerweile, dass Mike Büskens nicht der neue Trainer sein wird. Der Coach von Aufsteiger Greuther Fürth war der Wunschkandidat, zumal er mit seiner Überlegung, wieder näher bei der Familie in Gelsenkirchen arbeiten zu wollen, Bereitschaft gezeigt hatte. Doch gegenüber der Bild-Zeitung schloss Büskens ein Engagement in Köln aus: "Ich stehe für das Trainer-Amt beim 1. FC Köln nicht zur Verfügung."

Nun werden zwei andere Namen gehandelt, nachdem Frank Schaefer schon vor einigen Tagen klargestellt hatte, nur in anderer Funktion im Verein weiterarbeiten zu wollen. Holger Stanislawski gilt Medienberichten aus Köln zufolge als neue Wunschlösung, aber auch Jos Luhukay werden nach seinen Erfolgen in Augsburg gute Chancen eingeräumt. Geschäftsführer Claus Horstmann reagierte auf die Frage, ob der ehemalige St. Pauli- und Hoffenheim-Coach eine Rolle in den Gedankenspielen einnimmt, mit der branchenüblichen Antwort: "Zu Namen werden wir uns nicht äußern." Der ehemalige Leverkusener Robin Dutt wurde dagegen intern bereits abgelehnt.

In einem Brief teilte die Vereinsführung mit, bei der Suche nach einer neuen Sportlichen Leitung "in die finalen Gespräche mit den potenziellen Kandidaten" einzutreten. Doch in dem gleichen Brief steht auch, dass der FC nach dem fünften Abstieg aus der Bundesliga seit 1998 vorerst auch ohne Trainer und Sportdirektor die Neuordnung des Profikaders vorantreiben will.

Rensing, Riether, Geromel: Schwer zu halten

"Es wird wichtig sein, dass die Mannschaft ein neues Gesicht bekommt", stellte Noch-Trainer Schaefer nach dem 1:4 gegen den FC Bayern fest. Schwer zu halten sein dürften Leistungsträger wie Michael Rensing, Sascha Riether, Mato Jajalo oder der von Bayer Leverkusen umworbene Kapitän Geromel. Zudem kommen im Sommer nicht weniger als elf Leihspieler zurück zum Geißbockheim.

Fest steht auch, dass Hannovers Jörg Schmadtke nicht neuer Sportdirektor wird. Im Interview mit Sky schloss Schmadtke einen zeitnahen Wechsel aus, der Weggang aus Hannover habe vor allem private Gründe. Hier würden die Fans gerne Schaefer in der Verantwortung sehen, doch auch diese Personalie zieht sich hin.

Die Baustellen sind also kaum zählbar, zudem kündigte Spinner eine umfassende Prüfung der 1. FC Köln GmbH & Co. KGaA durch einen unabhängigen Wirtschaftsprüfer an. Eine Anwaltskanzlei soll alle bestehenden Verträge kontrollieren. Der Finanzplan für die Zweitklassigkeit wird angesichts von zu erwartenden Umsatzeinbußen von 30 Prozent den neuen Erfordernissen angepasst. Die FC-Spitze zeigte sich "zuversichtlich", die Lizenzbedingungen der DFL "zügig" erfüllen zu können. Der frühere FC-Profi Matthias Scherz schrieb in seiner Kolumne für den Kölner Stadt-Anzeiger: "In diesem Abstieg liegen nicht nur Trauer, Enttäuschung und Wut, sondern auch eine große Chance für einen Neuanfang."

sportal.de / sportal

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