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2. Bundesliga: St. Pauli siegt und fürchtet die nächste Strafe

Der FC St. Pauli hat das Spitzenspiel gegen Eintracht Frankfurt mit 2:0 gewonnen und den Kampf um den Aufstieg noch einen Tick spannender gemacht. Allerdings müssen die Hamburger mal wieder mit einer Strafe von Seiten des DFB rechnen, denn Frankfurts Schwegler wurde von einem Gegenstand am Kopf getroffen.

Dem FC St. Pauli droht mal wieder Ungemach von Seiten des DFB. Im Spitzenspiel gegen Eintracht Frankfurt wurde Gästespieler Pirmin Schwegler von einem Gegenstand am Kopf getroffen und musste kurzzeitig behandelt werden. Der Schweizer konnte zwar weiterspielen, aber Schiedsrichter Felix Zwayer drohte unmissverständlich mit Spielabbruch. Es wäre der zweite Abbruch innerhalb eines Jahres am Millerntor gewesen – für den Ruf des Kultclubs ein fatales Signal.

Der 2:0-Sieg hatte aber einen hohen sportlichen Wert, denn nach Punkten schloss St. Pauli zum zweiten Absteiger auf, die ersten fünf Vereine in der Tabelle trennen nur drei Zähler. Als Spitzenreiter geht Herbstmeister Fortuna Düsseldorf in die Winterpause, dahinter lauert vor dem punktgleichen Trio Frankfurt, St. Pauli und Paderborn der Tabellenzweite Greuther Fürth.

Die Eintracht war über weite Strecken zwar das bessere Team, doch die Kombination aus schlechter Chancenverwertung und individuellen Fehlern in der Abwehr drehte die Partie zugunsten von St. Pauli. Fabio Morena hatte die Gastgeber im ersten Durchgang in Führung geschossen (32.), ein Kontertor von Max Kruse (67.) brachte dann die Entscheidung.

Gekas muss auf die Bank

Beide Trainer wählten zum Jahresabschluss ein 4-2-3-1, was zumindest bei der Eintracht so nicht unbedingt zu erwarten war. Armin Veh hoffte mit dem Einbau eines weiteren Sechsers auf mehr Stabilität, das Opfer der Umstellung hieß Theofanis Gekas, der Stürmer musste auf die Bank, Mo Idrissou fungierte stattdessen als einzige Spitze.

Und tatsächlich gehörte die Anfangsphase eindeutig den Hessen. Die Eintracht dominierte, verteidigte sehr hoch und setzte die Gastgeber früh unter Druck. St. Pauli konnte sich deshalb nur schwer befreien und war zunächst auch in den Zweikämpfen häufig nur zweiter Sieger. Auch die erste Torchance gehörte den Frankfurtern, Alex Meiers Schuss war aber nicht platziert genug und Philipp Tschauner konnte problemlos abwehren (9.).

Eine weitaus größere Rettungstat musste der Hamburger Keeper dann aber beim Kopfball von Gordon Schildenfeld im Anschluss an einen Schwegler-Kopfball zeigen (15.). Wegen einer Verletzung von Karim Matmour kam Gekas dann doch relativ früh zum Einsatz (24.), doch an der Ausrichtung des Spiels änderte sich wenig. Die Eintracht trat wie die Heimmannschaft auf, St. Pauli zeigte nur über die rechte Seite den einen oder anderen guten Ansatz.

Chaos nach einer Ecke

Die Frankfurter schafften es allerdings auch nicht, ihre gute Spielanlage besser zu nutzen, St. Pauli stand hinten sicher. Und da sich die Gefahr der Kiez-Kicker bei Standardsituationen wohl nicht bis zur Eintracht herumgesprochen hatte, stand es plötzlich 1:0 für die Gastgeber:

Florian Bruns brachte eine Ecke herein, Schildenfeld verschätzte sich und sprang unter dem Ball durch. Vor Oka Nikolov herrschte dann völliges Chaos, der für Ralph Gunesch neu in die Startelf gerutschte Fabio Morena stand beim zweiten Versuch völlig frei und ließ Nikolov keine Chance (32.).

Dieses Tor zeigte Wirkung, die Aktionen der Eintracht wirkten nun viel hektischer und auf der Gegenseite wurde die Brust der Gastgeber breiter. Sebastian Rode hatte nach einer tollen Einzelaktion zwar den Ausgleich auf dem Fuß (38.), aber der gute Eindruck der ersten halben Stunde war verwischt. Den Frankfurtern drohte nach dem torlosen Remis gegen Fürth der nächste Rückschlag im Aufstiegskampf und ein etwas unruhigeres Weihnachtsfest.

Kein Lerneffekt

Zu Beginn der zweiten Halbzeit passierte dann der Vorfall, der den Ruf der St. Pauli-Fans weiter beschädigen wird. In Erwartung einer Ecke von St. Pauli flog aus dem Block der Hamburger zum wiederholten Mal ein Gegenstand aufs Feld. Leidtragender war Frankfurts Kapitän Pirmin Schwegler, der am Kopf getroffen wurde, zum Glück aber weiter spielen konnte.

In der vergangenen Saison wurde im Spiel gegen Schalke Linienrichter Thorsten Schiffner von einem Bierbecher getroffen, als Strafe mussten die Kiez-Kicker das erste Heimspiel dieser Saison in Lübeck austragen. Doch ein Lerneffekt ist nicht zu erkennen, bei der 2:3-Heimniederlage gegen Erzgebirge Aue musste Schiedsrichter Christian Leicher wieder vor fliegenden Bierbechern geschützt werden. Man darf gespannt sein, wie der DFB auf den nächsten Vorfall reagieren wird.

Aus sportlicher Sicht ist die Geschichte der zweiten Halbzeit schnell erzählt. Die Frankfurter erhöhten wieder den Druck, erarbeiteten sich auch mehr Torchancen als noch im ersten Durchgang, aber entweder der gut aufgelegte Tschauner oder die eigene Ungenauigkeit verhinderten den Ausgleich. Und wenn in der Defensive die nächsten individuellen Fehler hinzukommen, steht es plötzlich 0:2.

Denn bei einem Konter von St. Pauli hatte die Eintracht eine 4:2-Überzahl, doch Fin Bartels durfte auf der rechten Seite unbehelligt über 60 Meter sprinten und in der Mitte löste sich Kruse mit einem kleinen Wackler von Anderson. Der anschließende Schuss unter die Latte war dann aber sehr sehenswert, Nikolov konnte wieder nur staunend hinterherschauen (67.).

In einer spielerisch eher mäßigen Partie blieben die Frankfurter auch in der Folge am Drücker - einzig der Glaube an eine Wende war nicht wirklich zu erkennen. St. Pauli konterte, ebenfalls mit mäßigem Erfolg und so blieb es beim ersten Erfolg der Gastgeber in einem Spitzenspiel in dieser Saison.

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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