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Ärger bei Werder Bremen: Pizarro und die Feuchtgebiete

Die Scheidungsschlammschlacht des Spielervermittlers Carlos Delgado und seiner Ex-Frau wird zu einem Sumpf, in dem auch Werders Stürmer Claudio Pizarro bis zum Hals steckt. Der streitet die Vorwürfe bislang ab.

Von Martin Henkel

Claudio Pizarro hat sich für einen Strategiewechsel entschieden. Am vergangenen Wochenende hatte der Stürmer von Werder Bremen auf Fragen nach der Verbindung zu der Spielervermittlungsagentur seines Beraters Carlos Delgado geantwortet: Es gibt keine. Am Montag retournierte er die gleiche Nachfrage mit einer Gegenfrage: "Das behaupten die Medien in meiner Heimat, oder?"

Gewiefte Antwort, Pizarro wollte sagen: Die lügen sowieso. Nur stach sie nicht. Nicht, wo sie es hätte tun sollen: bei seinem Klub. Werders Manager Klaus Allofs nahm die Medienberichte in Pizarros Heimat am Dienstag zum Anlass, um sich von einer Verpflichtung des Leihspielers vom FC Chelsea zu distanzieren. "Wir wollen Claudio gern behalten, aber wir müssen die Untersuchungen in Peru abwarten", sagte Allofs und verwies auf ein gegen Delgado wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung eingeleitetes Verfahren, das Pizarro mittlerweile eine Schlüsselfunktion zuweist: "Wir können uns ja nicht außerhalb des Rechtes stellen."

Schlimme Zeiten für den in Finanzangelegenheiten einstigen Vorzeigeklub der Liga. Ende vergangener Woche erst war Jürgen Born von den Ereignissen am Pazifik heimgesucht worden. Bankunterlagen erweckten den Verdacht, Werders Präsident habe für den Transfer des peruanischen Mittelstürmers Roberto Silva Pro an die Weser im Sommer 2001 50.000 $ Honorar von Delgado bezogen. Born bestreitet die Vorwürfe, lässt sein Amt aber vorerst "ruhen".

Kollateralschaden für Werder

Die peruanische Tageszeitung "La República" nennt die Affäre Born einen "Kollateralschaden", denn die Ermittlungen gegen Delgado und dessen International Managers Agency ("Image") haben nur zufällig die Zahlung an Born erbracht. Delgados Ex-Frau, das Fotomodell Fiorella Farré, hatte im Scheidungskrieg mit ihrem Mann vertrauliche Dokumente in Umlauf gebracht, die den früheren Manager der Deutschen Bank in Südamerika nur nebenher belasten. Farré hatte eigentlich ihren Vorwurf belegen wollen, dass "Carlos Delgado und Claudio Pizarro sich illegal bereichert haben", wie sie im Interview mit dem TV-Sender "Cuarto Poder" sagte. Laut Farrés Dokumenten und inzwischen veröffentlichten Unterlagen verschiedenster Banken soll Pizarro zum Zeitpunkt des Roberto-Silva-Transfers mit Image eng zusammengearbeitet haben. Knapp drei Wochen nach dem 1,35 Mio. Euro teuren Geschäft - an dem Silvas Klub Sporting Cristal nachweislich nur 250.000 $ verdient hat und Delgado offiziell nur 135.000 $ - wurden 895.875 $ auf ein Konto Pizarros bei der BAC International Bank in Panama eingezahlt. Das Geld stammte von Image. Auf konkrete Nachfrage der FTD antwortete Tino Polster, Werders Bremens Mediendirektor: "Claudio Pizarro möchte sich zu der Sache nicht äußern."

Nur wenige Tage später verzeichneten die Bankunterlagen angeblich einen Rückfluss von 125.000 $. Auf diese Art sollen in den Monaten darauf weitere hohe fünf- und sechsstellige Beträge zwischen Pizarro und einem weiteren Image-Konto auf den Kaimaninseln geflossen sein. Nach Ansicht von Staatsanwalt Jorge Chávez Cotrina wurden damit die tatsächlichen Zahlungen an Delgado verschleiert.

Verdacht der stärkeren Beteiligung

Doch hat Pizarro womöglich nicht nur als Strohmann fungiert. Angaben von Delgado selbst legen den Verdacht nahe, dass der 30-Jährige weit umfangreicher beteiligt sein könnte. Das geht aus vier Briefen Delgados aus dem Jahr 2005 hervor, die Cotrina nach Medienberichten vorliegen sollen. Drei sind aufgrund des 8,1 Mio. Euro schweren Pizarro-Transfers 2001 zum FC Bayern an den Fiskus in München adressiert - mit dem Hinweis, er habe sein Vermittlerhonorar über 2.185.300 $ ordnungsgemäß beim peruanischen Finanzamt angegeben. Im vierten Brief, adressiert an die Steuerbehörde in Lima, gibt Delgado jedoch an, er habe kein Honorar erhalten, denn er beziehe von Image ein Gehalt.

Um zu erklären, wie dann aber sein Lebenswandel zwischen 2003 und 2005 zu verstehen sei, antwortet Delgado: mit dem Verkauf von Aktienanteilen an Claudio Pizarro, exakt 28.200 für 500.000 Euro. Sollten sich Delgados Behauptungen als wahr erweisen, käme Pizarro in größte Erklärungsnot. Denn dann lautete der Vorwurf womöglich nicht mehr nur auf Beihilfe, sondern auch auf "aktive Steuerhinterziehung". In diesem Fall würde Werder zurzeit nicht nur einen Präsidenten beschäftigen, der im Verdacht steht, illegal an Transfers verdient zu haben, sondern auch noch einen Profi, dem ein Verfahren und zusätzlich eine Zweijahressperre drohen könnte. Perus Fußballverband verbietet es aktiven Profis, als Agenten tätig zu sein oder von Transfers zu profitieren.

Werders Ex-Chef war sich schon in der Winterpause nicht sicher gewesen, ob mit Delgado und Pizarro noch einmal gute Geschäfte abzuschließen sind. Auf einen möglichen Verbleib angesprochen, erwidert Born: "Schwer zu sagen, Claudio und sein Berater sind gute Kaufleute." Er muss es wissen.

FTD

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