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Angriff auf Togos Nationalmannschaft: "Ein Akt der Barbarei"

Die Fußballwelt steht unter Schock: Kurz vor dem Start der Afrikameisterschaft haben Rebellen die Busse der Fußball-Nationalmannschaft von Togo angegriffen. Dabei kamen offenbar bis zu drei Menschen ums Leben. Der Trainer Togos stellt nun die Zukunft des Turniers infrage.

Zwei Tage vor Beginn des Afrika Cups in Angola sind bei einem Anschlag auf die Fußball-Nationalmannschaft Togos mindestens ein Mensch getötet und bis zu acht Personen verletzt worden. Während die togolesische Regierung mitgeteilt hatte, der Busfahrer der Mannschaft sei als einziger ums Leben gekommen, sagte Torhüter Agassa, bei dem Anschlag seien zusätzlich ein Assistenz-Trainer und der Pressesprecher ihren Verletzungen erlegen. Ein Vertreter des Afrikanischen Fußballverbandes (CAF) bestätigte am Samstag den Tod der beiden letzteren. Vorherige Informationen, wonach der Fahrer getötet wurde, seien hingegen nicht korrekt.

Verletzt wurden unter anderem zwei Nationalspieler: Der Verteidiger Serge Akakpo wurde von einer Kugel im Rücken, Torwart Kodjovi Obilalé in der Seite getroffen. Mittelfeldspieler Assimiou Touré von Bayer 04 Leverkusen blieb nach Angaben seines Vereins bei dem Angriff hingegen unverletzt.

Am Freitag hatten Rebellen an der nördlichen Grenze des Landes das Feuer auf die Busse der Fußballspieler mit Maschinengewehren eröffnet. Zu der Tat bekannte sich die "Befreiungsfront der Exklave Cabinda" (FLEC), die seit 1975 für die Unabhängigkeit des ölreichen Landstreifens am Atlantischen Ozean zwischen der Republik Kongo und der Demokratischen Republik Kongo im Westen Afrikas kämpft. "Der Einsatz war nur der Anfang einer Serie gezielter Aktionen, die auf dem ganzen Gebiet von Cabinda fortgeführt werden", hieß es in einem von der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa verbreiteten Bekennerschreiben.

Die Fahrzeuge mit Spielern und Funktionären waren unter Beschuss geraten, kurz nachdem die Fahrzeuge die Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Angola passiert hatten.

"Wir wurden wie Hunde beschossen"

"Wir hatten gerade die Grenze überquert, um uns herum waren Polizeibusse. Alles sah gut aus, als plötzlich das Feuer auf uns eröffnet wurde", berichtete Togos Stürmer Thomas Dossevi dem Sender Radio Monte Carlo. "Wir wurden mit automatischen Waffen wie Hunde beschossen und haben uns 20 Minuten lang unter unseren Sitzen versteckt", sagte der Profi des FC Nantes. Die Angreifer seien vermummt und "bis zu den Zähnen" bewaffnet gewesen.

Am Samstagnachmittag zeichnete sich ab, dass Togo am Afrika Cup in Angola wohl nicht teilnehmen wird. "Kein Spieler ist bereit, bei diesem Cup anzutreten. Wir sind gekommen, um ein Fußball-Fest zu feiern, aber jetzt ist es, als würde man in den Krieg ziehen", sagte Togos Torwart Kossi Agassa, der beim FC Istres in Frankreich spielt. Andere Medien berichteten derweil, dass der Rückzug Togos von dem Turnier schon beschlossene Sache sei.

Hubert Velud, der Trainer der togolesischen Fußball-Nationalmannschaft, stellte nach dem blutigen Anschlag auf den Bus seiner Mannschaft gar die Zukunft des Afrika Cups an sich infrage. "Das ist ein Akt der Barbarei", sagte er in einem Rundfunkinterview über den Angriff. Die Mannschaft und alle Mitglieder des Teams ständen unter Schock. "Das ist ein Stück Krieg", sagte Velud. "In dem Bus war viel Blut und große Angst."

Das Organisationskomitee des Afrika-Cups schloss eine Absage des am Sonntag beginnenden Turniers aus. Allerdings werde erwogen, die in Cabinda geplanten Partien aus Sicherheitsgründen in der Hauptstadt Luanda auszutragen. Angolas Regierungschef Paulo Kassomawas bezeichnete den Angriff als einen "isolierten Akt". In einer von seinem Büro in Luanda verbreiteten Mitteilung verbürgte er sich für die Sicherheit der teilnehmenden Nationalteams.

Dunkler Schatten auf die Fußball-WM

Die togoische Nationalmannschaft zählt zu den besten Mannschaften Afrikas. Ihre Spieler hatten sich im Kongo auf das Turnier vorbereitet. Nach Angaben des togolesischen Verbandes war mit der Mannschaft vereinbart worden, dass sie fliegen und nicht per Bus nach Angola reisen sollten. Warum es anders kam, ist bislang nicht klar.

Der Start des Afrika Cups mit 16 Nationalmannschaften des Kontinents ist für Sonntag geplant. Zudem soll in fünf Monaten im Nachbarland Südafrika die erste Fußballweltmeisterschaft auf afrikanischem Boden stattfinden.

DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters

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