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Asien-Reise: Nach Kamerun kommt der Megastress

Sportlich problematisch und organisatorisch schwierig - nach dem letzten Heim-Länderspiel gegen Kamerun steht Bundestrainer Jürgen Klinsmann und den Fußball-Nationalspielern zum Jahresabschluss noch die heikle Asien-Reise bevor.

Drei Spiele innerhalb von sechs Tagen, insgesamt 30 Stunden im Flugzeug und als weitere körperliche Belastung eine Zeitumstellung von acht Stunden: Damit wird der zehntägige Ausflug nach Japan, Südkorea und Thailand für die nach der Bundesliga-Hinrunde ohnehin urlaubsreifen Akteure zum zusätzlichen Megastress. Doch Klinsmann will auf keinen Fall in das Klagelied einstimmen: "Ich bin entschieden dagegen, dass man im Vorfeld über die negativen Dinge einer solchen Reise diskutiert."

Dem Bundestrainer bleibt auch gar nichts anderes übrig, als die sinnvollen Aspekte der Asien-Tournee vom 13. bis zum 22. Dezember herauszustreichen. Die erste längere Dienstreise mit seinem Team will die neue Nationalmannschafts-Führung vor allem dazu nutzen, "die Spieler und ihre Denkweisen noch besser kennen zu lernen". Dazu kommt der WM-Aspekt, wie Team-Manager Oliver Bierhoff hervorhob: "Richtung 2006 ist es wichtig, gegen Nationalmannschaften der verschiedenen Kontinente zu spielen."

Winterpause gibt es für den Nationalkader nicht

Trotz dieser guten Reisegründe überwiegen die Probleme. Schon am 22. Januar startet die Bundesliga in die Rückrunde, weil im Sommer der Confederations Cup (15. bis 29. Juni) als wichtigster Testfall für die WM stattfindet. Entsprechend früh beginnen die Clubs mit der Vorbereitung, weshalb der Urlaub für die Asien-Reisenden keine ausreichende Erholung bieten wird. Die Stuttgarter Timo Hildebrand, Philipp Lahm, Andreas Hinkel und Kevin Kuranyi können sogar erst nachreisen, weil sie am 15. Dezember mit dem VfB noch im UEFA-Pokal gegen Zagreb antreten müssen. Weil Jens Lehmann sogar komplett für Asien ausfällt, weil er mit dem FC Arsenal in der Premier League beschäftigt ist, muss neben Oliver Kahn extra für das erste Spiel gegen Japan ein weiterer Torwart nominiert werden.

Am 13. Dezember startet der DFB-Tross von Frankfurt/Main aus zunächst in den Fernen Osten. Elf Stunden dauert der Flug nach Tokio, die Landung erfolgt mit acht Stunden Zeitumstellung morgens um 8.40 Uhr (Ortszeit). Zwei Tage später geht es in Yokohama gegen Gastgeber Japan. Noch in der Nacht soll die Weiterreise nach Busan erfolgen, wenn die südkoreanischen Behörden das Nachtflugverbot aufheben. Am Sonntag, 19. Dezember, folgt Spiel zwei gegen die Koreaner. Direkt nach dem Abpfiff soll mit dem nächsten Charterflieger in fünf Stunden die Weiterreise nach Bangkok erfolgen, wo nur 48 Stunden nach dem Abpfiff in Busan die letzte Partie gegen Thailand ansteht. Noch in der Nacht geht es zurück nach Frankfurt, wo man am 22. Dezember um 5.35 Uhr landen soll.

Hammerhartes Programm

"Wir haben momentan zum Glück viele junge Spieler im Team", sagte Bierhoff angesichts dieses Programms. Denn die Youngster stecken die Strapazen womöglich etwas leichter weg als ihre älteren Kollegen wie Ballack oder Kahn, die seit Jahren in dieser Knochenmühle stecken. Die Jung-Profis finden Reisen mit dem Nationalteam noch spannend und ihre Motivation ist auch in Testspielen sehr groß: Jedes Länderspiel ist ihre Chance für das Traumziel WM. Reisen in ferne Ländern - wie zuletzt in den Iran - betrachtet Klinsmann außerdem gerade für die jungen Spieler "als wertvolle Erfahrung" in ihrem Reifeprozess.

Der Preis für die Asien-Reise, mit der der DFB mit einer Verzögerung von drei Jahren ein Versprechen von Franz Beckenbauer bei dessen Werbefeldzug für die Vergabe der WM 2006 einlöst, ist hoch. Die sportlich wertvollere Südamerika-Reise, die für Ende 2005 geplant ist, dürfte Klinsmann absagen, um den Spielern ein halbes Jahr vor der WM nochmal einen richtigen Urlaub zu ermöglichen. "Schließlich haben die Spieler im kommenden Sommer wegen des Confederations Cup schon nicht ausreichend Zeit, eine Auszeit zu nehmen."

Von Klaus Bergmann und Jens Mende/DPA

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