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Aufstand gegen Manuel Neuer: Bayern-Bosse zeigen Reue für ihre Fans

Nationaltorhüter Manuel Neuer trotzt in München den üblen Anfeindungen der Bayern-Fans und führt Schalke zusammen mit Raúl ins Pokalfinale. Peinlich berührt von ihren eigenen Fans, entschuldigen sich die Bayern-Bosse Rummenigge und Hoeneß bei ihrem Wunschspieler.

Pöbeleien, Pfiffe, Proteste - doch unbeirrt triumphierte Manuel Neuer mit seinem FC Schalke beim Vorspielen in München auch über die üblen Anfeindungen der Hardcore-Fans des FC Bayern. "Ich stand auf dem Platz und musste meinen Job machen. Alles andere ist uninteressant", kommentierte der Fußball-Nationaltorhüter so cool und souverän, wie er zuvor seinen Strafraum beherrscht hatte. Kein einziger Wackler, kein Nervenflattern - 90 Minuten Extraklasse! Zusammen mit dem Torschützen Raul führte Neuer die Schalker ins Pokalfinale gegen den MSV Duisburg am 21. Mai in Berlin - und ermöglicht so einen versöhnlichen Abschluss der Saison.

Und möglicherweise einen versöhnlichen Abschluss seiner Schalker Karriere. Denn selbst die krasse Ablehnung, die ihm in der Münchner Arena im Torwartduell mit dem Südkurven-Liebling Thomas Kraft entgegenschlug, muss nichts für den geplanten Millionen-Wechsel zum Rekordmeister bedeuten. Der auch von Manchester United umworbene Neuer erinnerte selbst an die Beispiele von Andreas Möller und Christoph Metzelder, die vom Erzfeind Borussia Dortmund zum FC Schalke gewechselt waren und "vorher ausgebuht" worden seien. "Das sind Sachen, die für Profispieler gehen", meinte Neuer vielsagend.

Bayern-Bosse sind beschämt

Die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß distanzierten sich demonstrativ von den lautstarken Schmährufen und Transparenten ("Koan Neuer") gegen ihren Wunschspieler. "Der Junge hat dem FC Bayern überhaupt nichts getan. Er hat sich nicht einmal über Bayern München negativ geäußert", rügte Rummenigge die Fans: "Ich muss offen und ehrlich sagen, ich möchte mich bei Manuel Neuer im Namen des FC Bayern entschuldigen." Präsident Hoeneß tat dies sogar persönlich bei Neuer, den das beeindruckte: "Natürlich nimmt man das an." Und er versicherte: "Das ist alles kein Problem."

Wie Neuer mit seiner titanischen Präsenz und Ausstrahlung die schwierige Situation meisterte, dürfte das Werben der Bayern-Bosse sogar noch forcieren. "Wichtig war, dass ich auf den Ball gucke und auf keine Transparente", meinte der 24-Jährige, der die wenigen gefährlichen Schüsse auf sein Tor mit traumwandlerischer Sicherheit parierte: "Für mich war die Situation nicht schwer."

Neuer hielt alles, jubelte ausgelassen und wünschte zum Abschied sogar seinem Gegenüber Kraft noch "alles Gute" für den Rest einer Saison, die für Schalke plötzlich statt im Frust wieder glorreich mit einer Titelsause enden könnte. "Der Einzug ins Pokalfinale war wichtig. Wir haben die Chance bewahrt, den Pokal zu gewinnen und nächste Saison weiter europäisch zu spielen", betonte Neuer.

Nach dem zweiten Titel-K.o. innerhalb von fünf Tagen stellt sich Karl-Heinz Rummenigge bereits auf eine Saison ohne Titelgewinn ein: "Wir sollten nicht anfangen zu träumen und jetzt die Parole ausgeben: 'Jetzt muss man Champions-League-Sieger werden'", sagte er. Im Ringen um die erneute Champions-League-Qualifikation erklärte Kapitän Philipp Lahm die Auswärtspartie am Samstag in Hannover zum "vielleicht wichtigsten Spiel in der Saison". Die Saison sei "schwer zu retten", so Lahm. Indes warnte Rummenigge vor Aktionismus beim FC Bayern. "Wir tun jetzt gut daran, zu versuchen, Ruhe zu bewahren", sagte der Vorstandsvorsitzende. Eine Diskussion über Trainer Louis van Gaal führe er nicht, "und ich habe auch nicht den Eindruck, dass sie sonst jemand beim FC Bayern führt".

jas/DPA / DPA

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