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Neuer-Wechsel nach München: Schalkes Kapitulation vor dem großen Geld

Eine wirkliche Überraschung ist der Wechsel von Manuel Neuer zu Bayern München nicht – auch wenn sich die Beteiligten mit dem Vollzug sehr viel Zeit gelassen haben. Und so sprach Schalke-Manager Heldt sprach von der "besten Lösung für den Club".

Die unendliche Geschichte hat ihren spektakulären Schlusspunkt gefunden: Nach einer monatelangen Hängepartie verlässt Nationaltorhüter Manuel Neuer den FC Schalke 04 und wechselt als teuerster Bundesliga-Keeper zur neuen Saison zu Bayern München. Bis zu 25 Millionen Euro ist das Objekt der Begierde dem Rekordmeister wert - eine Summe, bei der die Schalker Verantwortlichen schwach werden mussten und sogar Clemens Tönnies als Chef des Aufsichtsrates der Gelsenkirchener mit seinem Veto scheiterte.

"Ich bin strikt dagegen, dass Manuel geht" - mit markigen Worten hatte Tönnies als mächtigster Mann auf Schalke den vorzeitigen Abgang der Gelsenkirchener Kultfigur bis zum Schluss zu verhindern versucht. Vergebens: Der Lockruf des Geldes war zu groß, die finanzschwachen Schalker brauchen die Millionen: 2012 wären sie leer ausgegangen. "Unter den gegebenen Umständen ist es die beste Lösung für Schalke 04", sagte Sportvorstand und Manager Horst Heldt, nachdem der DFB-Pokalsieger nun dem Transfer endgültig zugestimmt hatte.

Fährmann ersetzt Neuer

Mit Neuers Abgang beschreitet der Bundesliga-14. den Weg zurück in die Zukunft. Fast zeitgleich mit dem Wechsel des 25-Jährigen an die Isar, wo er einen Fünfjahresvertrag bis zum 30. Juni 2016 bekommt, meldeten die Schalker die Rückkehr von Ralf Fährmann. Der 22-Jährige verlässt Erstliga-Absteiger Eintracht Frankfurt ablösefrei und band sich bis zum 30. Juni 2015 an seinen alten Verein, für den er schon von 2003 bis 2009 aktiv war. "Ich freue mich sehr, nun wieder nach Hause zu kommen, meinte Fährmann. "Einzig Manuel Neuer war ihm eine Nasenspitze voraus", sagte Heldt mit einem Blick zurück.

Bis zuletzt hatte Neuer geschwiegen und stets darauf verwiesen, dass er sich als Vereinsangestellter nicht in den absehbaren Transfer einmischen wolle. Seine Reaktion, als alles klar war, ließ grenzenlose Erleichterung erkennen. "Ich freue mich riesig auf die große und spannende Herausforderung beim FC Bayern" - so kommentierte er nach 202 Pflichtspielen für "Königsblau" den Wechsel und die neue Aufgabe.

Ungewohntes Terrain in München

Sie wird nicht leicht: Neuer weiß, dass ihn die Bayern-Anhänger nicht unbedingt mit offenen Armen begrüßen werden. "Koan Neuer" - mit diesen Schmäh-Transparenten hatten sie ihn beim Schalker Pokal-Auftritt in der Allianz-Arena am 2. März empfangen. Das soll Schnee von gestern gewesen sein: Neuer versprach, sich nach 20 Jahren Schalke in ungewohntem Terrain "schnell einzugewöhnen". Absolut professionell, immer im Sinne seines Arbeitgebers denkend und handelnd - das ist der Neuer, den sie in Gelsenkirchen kannten.

Es werde den Schalke-Anhängern "in der Seele weh tun, eine solche Identifikationsfigur zu verlieren", sagte Heldt. Der Entschluss, diese Figur ziehen zu lassen, sei "allen im Verein schwer gefallen, denn wir verlieren in Manuel Neuer einen herausragenden Spieler". Der künftige Münchner dokumentierte seine Verbundenheit mit wohl gesetzten Worten, obwohl er nach dem Pokalsieg noch die Ohrfeige eines Anhängers einstecken musste: "Schalke und die Fans werden immer einen Platz in meinem Herzen haben."

Erstes Bundesligaspiel mit 19 Jahren

Im Alter von 19 Jahren debütierte Neuer am 19. August 2006 beim 1:0-Auswärtssieg in Aachen in der Bundesliga, wurde noch in der gleichen Saison Stammtorhüter und feierte mit Schalke am Ende die Vizemeisterschaft. 2009/2010 wiederholten die "Knappen" mit ihm dieses Resultat.

2008 erreichte Neuer mit Schalke das Viertelfinale der Champions League, in diesem Jahr schaffte er sogar den Sprung unter die besten Vier. 156 Erstligapartien, 26 Europacupbegegnungen, 16 Einsätze im DFB-Pokal mit dem Final-Höhepunkt des 5:0 gegen den MSV Duisburg am 21. Mai sowie vier weitere Pflichtspiele um den Ligapokal und den Supercup stehen in seiner Bilanz.

Zur Champions League über die Qualifikation

Mit Tränen in den Augen hatte der Mannschaftskapitän am 20. April seinen Abschied aus Gelsenkirchen verkündet. "Ich will weiterkommen und den nächsten großen Schritt machen. Ich will dauerhaft auf höchstem Niveau spielen. Das ist die Champions League", hatte Neuer seinerzeit geäußert. Mit den Bayern muss er allerdings zunächst den Umweg über die Qualifikation beschreiten.

Die Vereinsverantwortlichen an der Isar sehnen "den weltbesten Torhüter", wie Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ihn bezeichnete, herbei: "Herzlich willkommen in München, Manuel Neuer!" heißt es auf der Internet-Seite des Rekord-Titelträgers. In München wird Neuer auch wieder mit dem Brasilianer Rafinha vereint. Der Rechtsverteidiger, von 2005 bis 2010 bei den Schalkern, unterschrieb einen Dreijahresvertrag bei den Bayern.

Ulli Brünger, Dietmar Fuchs/DPA / DPA

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