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Aussetzer und Eskapaden von Lehmann: VfB Stuttgart scheint auf einschneidende Konsequenzen zu verzichten

Torwart-Rüpel Jens Lehmann scheint um seinen Rauswurf förmlich zu betteln, aber auch nach seinen jüngsten Ausrastern in Mainz wird der VfB Stuttgart wohl auf einschneidende Konsequenzen verzichten.

Torwart-Rüpel Jens Lehmann scheint um seinen Rauswurf förmlich zu betteln, aber auch nach seinen jüngsten Ausrastern in Mainz wird der VfB Stuttgart wohl auf einschneidende Konsequenzen verzichten. "Es gibt derzeit keine weitere Stellungnahme, da es keinen neuen Stand gibt", sagte ein Sprecher des Fußball-Bundesligisten der Deutschen Presse-Agentur dpa am Montag. Voraussichtlich werden Sportdirektor Horst Heldt und Trainer Christian Gross nach dem Vormittagstraining mit Lehmann die Angelegenheit besprechen. Der Keeper hatte Stürmer Aristide Bancé im Sonntagsspiel kurz vor Schluss auf den Fuß getreten und umgestoßen. Den fälligen Elfmeter verwandelte der FSV Mainz 05 zum 1:1-Endstand.

Die Attacke gegen den ebenfalls mehrfach provozierenden Bancé, der allerdings unbestraft blieb, der Streit mit einem VfB-Fan, dem Lehmann die Brille vom Kopf riss, und seine Flucht im Taxi zum Flughafen waren negative Höhepunkte einer Reihe von Aussetzern und Eskapaden. Dennoch scheinen die mitten im Abstiegskampf steckenden Schwaben mangels geeigneter Alternativen an dem Fußball-Flegel festhalten zu wollen. "Ich glaube nicht, dass das sein letztes Spiel für den VfB war. Er hat bis 30. Juni Vertrag", sagte Heldt nach dem Abpfiff und sprach von einer "Kurzschlussreaktion" des auf dem Spielfeld ständig unter Strom stehenden exzentrischen Schlussmanns. Lehmann polarisiere gerne und fühle sich in der Rolle wohl.

Der Manager rechnete auch nicht damit, dass der ehrgeizige Routinier "von sich aus das Handtuch" werfe. "Das will ja auch keiner", sagte Heldt den "Stuttgarter Nachrichten" (Montag-Ausgabe) mit Verweis auf Lehmanns gute Leistungen in den vergangenen Wochen.

Gross zeigte ein gewisses Verständnis für die Attacke gegen Bancé: "Das sind Stresssituationen. Er ist provoziert worden, und da reagiert man eben manchmal falsch." Zugleich stellte der Schweizer gegenüber der "Stuttgarter Zeitung" klar: "Es stehen Dinge an, die müssen wir lösen. Denn der Erfolg der Mannschaft steht über allem." Offensichtlich hält Gross an dem ehemaligen Nationaltorwart fest, auch wenn er diesen angesichts der drohenden langen Sperre nicht nur zum Abschluss der Vorrunde am Samstag gegen Hoffenheim 1899 durch die relativ unerfahrenen Sven Ulreich oder Alexander Stolz ersetzen muss.

Franz Beckenbauer zeigte Verständnis für den Wiederholungstäter und bezeichnete die Rote Karte als "völlig verkehrt". Im TV-Sender "Sky" verniedlichte der Bayern-Ehrenpräsident Lehmanns Aktion gegen Bancé: "Im Moment übertreibt er es vielleicht ein bisschen." Der VfB- Keeper habe "zwei Gesichter". In der Tat scheint Lehmann häufig wie Dr. Jeykll und Mr. Hyde eine gespaltene Persönlichkeit zu sein: Privat ein prima Kerl und auf dem Platz ein Rüpel. Beckenbauer appellierte an den VfB, "eine vernünftige Lösung" zu finden.

Der Stuttgarter Vorstand muss nun aber nicht nur eine Lösung für Lehmanns Missetaten in Mainz finden. Weiterhin ungeklärt ist derzeit auch, wie der VfB auf die Weigerung des streitsüchtigen Schlussmanns reagiert, eine Strafe in Höhe von 40 000 Euro wegen dessen scharfer Kritik an dem dreiköpfigen Gremium im Zusammenhang mit der Entlassung von Teamchef Markus Babbel zu bezahlen.

Mainz' Präsident Harald Strutz ging mit dem Grobian scharf ins Gericht: "Mir kommt es so vor, als aale er sich im Hass von außen. Sein Verhalten hat mit Sport nichts mehr zu tun. Das muss man ihm ganz offen sagen. Seine Reaktionen sind völlig überzogen." Torhüter- Kollege Heinz Müller relativierte: "Jens braucht die Emotionen und den Druck, um gut zu sein. Sicher hat er überdreht, aber es war nichts Grobes." Trainer Thomas Tuchel hielt die Rote Karte für richtig, nahm den Sünder aber ebenfalls in Schutz: "Lehmann ist ein vom Ehrgeiz Getriebener. Absichtlich rastet er nicht so aus." Dass Lehmann nicht der Alleinschuldige war, strich 05-Manager Christian Heidel heraus: "Unser Aristide Bancé soll lieber nichts sagen zu den Vorfällen. Er hatte Ärger genug gehabt."

DPA / DPA

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