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stern des spieltags "Böse Worte": Bayern-Kritiker Michael Ott bleibt sich treu und wird zum Uli-Hoeneß-Pöbel-Opfer

Bayern-Kritiker Michael Ott auf der Jahreshauptversammlung
Achtung, sonst begegnet Dir auf dem Weg aus der Halle noch Uli Hoeneß und beschimpft Dich: Bayern-Kritiker Michael Ott auf der Jahreshauptversammlung
© Alexander Hassennstein / Getty Images
Bayern-Mitglied Michael Ott hat auf der Jahreshauptversammlung kritische Fragen an die Klub-Führung wegen des Katar-Sponsorings gestellt. Dafür musste er sich von Uli Hoeneß beschimpfen lassen. Ihm gebührt eindeutig der stern des Spieltags.

Man stelle sich das einmal vor: Du engagierst Dich für die Menschenrechte, und plötzlich läuft dir ein wutschnaubender Uli Hoeneß über den Weg und beschimpft Dich vor allen Leuten: "Ihr Auftritt war peinlich. Das ist der Fußballclub Bayern München und nicht die Generalversammlung von Amnesty International."

Das ist unangenehm. Besonders, wenn sich der Vorfall mitten in der Halle im Vorbeigehen auf der Jahreshauptversammlung des deutschen Rekordmeisters ereignet. Ott sprach danach von "bösen Worten". Recht hat er und sich definitiv den stern des Spieltages verdient.

Diesmal lief die Jahrehauptversammlung viel gesitteter ab

Der 29-jährige Rechtsanwalt kritisiert, dass sein Klub Millionen Euro pro Jahr von Qatar Airways kassiert. Im vergangenen Jahr hatte er die Bosse schon mal mit einem Antrag genervt, den Vertrag aufzulösen. Damals ließen die Verantwortlichen um Bayern-Präsident Herbert Hainer den Antrag nicht zu. Trotzdem eskalierte die Veranstaltung, auch wegen des arroganten Auftretens der Vereinsführung.

Diesmal lief alles viel gesitteter ab. Ott verzichtete auf einen Antrag, auch weil es vorher viele Gespräche mit der Vereinsführung gegeben hatte und Hainer sich in den vergangenen Monaten um einen Dialog mit den Fans bemüht hatte. Ott hielt lediglich eine kurze Rede, in der er zwei Fragen formulierte: Wie steht Hainer zur Vertragverlängerung, über die nach der Weltmeisterschaft entschieden werden soll? Und wie hält es der Vereinspräsident mit der Tatsache, dass der katarische Botschafter die Winter-Trainingslager der Mannschaft nutzte, um sich gegen Kritik an den Verhältnissen in seinem Land zu wehren. ("Warum sagten sie nichts, dass sie in Doha waren, und die Zustände entsetzlich waren", hatte der Botschafter unter anderem geäußert.)

Nur Uli Hoeneß fühlte sich beleidigt

Da sind legitime Fragen eines Vereinsmitglied. Eine Jahreshauptversammlung ist nicht dazu da, um nur über Sportliches zu reden. Selbstverständlich gehören Fragen nach der Geschäftspolitik dazu. Also alles nicht so schlimm, sollte man meinen. Zudem lösten die Fragen ja auch keinen Tumult oder Ähnliches aus.

Nur einer fühlte sich quasi persönlich beleidigt: Uli Hoeneß. Man könnte auch sagen: Ihm ging die Hutschnur hoch. Also wurde Hoeneß zum peinlichen Motzki-Rentner, der die Jungen beschimpft. Wenn die Szene nicht so zum Lachen wäre, müsste man eigentlich weinen. Dass er für die Verlängerung des 2023 auslaufenden Vertrags ist, hatte Hoeneß schon vor Tagen öffentlich kundgetan. Wenn es um Kohle geht, kennt der Ehrenpräsident bekanntermaßen keinen Spaß. Schließlich brachte ihn seine Gier dereinst in den Knast. 

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