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BAYERN MÜNCHEN: Discobesuch mit Nachspiel

Torhüter Oliver Kahn wird nach einem Disco-Besuch von seinem Arbeitgeber FC Bayern München mit einer Geldstrafe belegt, die »seinem Gehalt angepasst« ausfallen wird.

Der deutsche Fußball-Nationaltorwart Oliver Kahn wird nach einem Disco-Besuch von seinem Arbeitgeber FC Bayern München einer Geldstrafe belegt. »Oliver Kahn war in der Disco. Er hat den Zapfenstreich überzogen. Es wird eine Geldbuße geben«, sagte Ottmar Hitzfeld am Montag. Über die Höhe der Strafe machte der Trainer keine Angaben: »Sie ist seinem Gehalt angepasst.« Der nach seinem Muskelfaserriss derzeit nicht einsatzfähige Kahn hatte trotz seiner Verletzung in der Nacht zum Samstag eine Disco in Karlsruhe besucht.

Trainer Hitzfel beschwört Moral

Dem FC Bayern München drohen bei seiner womöglich letzten Champions- League-Reise dieser Saison stürmische Zeiten. Den erstmaligen Vorrunden-K.o. vor Augen sorgt sich der deutsche Rekordmeister um Millionen und Prestige, doch vor dem »Endspiel« bei Deportivo La Coruna versuchen die Bayern die Angst vor dem Aus mit Durchhalteparolen zu verscheuchen. »Wir dürfen den Glauben nicht verlieren. Die Mannschaft muss total von sich überzeugt sein«, betonte Ottmar Hitzfeld am Montag vor dem Abflug.

Lage fast Aussichtslos

Dabei scheint die Lage nach den Misserfolgen der letzten Wochen und mit nur einem Punkt aus vier Spielen für den Tabellenletzten der Gruppe G fast aussichtslos. Nach der verpassten Chance vor fünf Tagen beim 1:2 gegen den AC Mailand und dem jüngsten Rückschlag in der Bundesliga mit dem 3:3 gegen Hannover 96 wirkt der einstige Titelfavorit nicht gerüstet für die Wende. Auch wenn der Trainer vor der Partie am Dienstagabend (20.45 Uhr/Premiere) alte Stärken beschwor. »Der FC Bayern ist eine Mannschaft, die jeden Gegner in Europa schlagen kann, auch in der jetzigen Verfassung.« Michael Ballack betonte: »Man sollte den FC Bayern nie abschreiben.«

In der nordspanischen Hafenstadt können die Bayern nicht nur die kalkulierten Einnahmen an Zweitrunden-Prämien verlieren, vielmehr müssen sie sogar um den Trostpreis UEFA-Cup bangen und damit um die Ersatz-Möglichkeit zum Geldverdienen. »Am Dienstag geht?s um alles. Ich glaube, dass wir sehr viel Druck kriegen, wenn wir ausscheiden«, meinte Mehmet Scholl.

Indizien der aktuellen Brisanz waren das Schweigen der Chefetage beim Punktverlust gegen Hannover sowie der Wirbel um den verletzten Oliver Kahn. Über das Golfspiel des wegen eines Muskelfasserrisses nicht einsatzfähigen Nationaltorwarts sah Hitzfeld noch hinweg. Ein Discobesuch in der Nacht zum vergangenen Samstag kommt dem 33- Jährigen nun aber teuer zu stehen. »Er hat den Zapfenstreich überzogen, es wird eine Geldbuße geben«, kündigte Hitzfeld an. Kahn fehlt am Dienstag in La Coruna. Ersatzmann Stefan Wessels patzte gegen Hannover und wurde von der spanischen Presse schon als Schwachpunkt ausgemacht.

So schlecht wie noch nie

Erstaunlich genug, dass der Titelgewinner des Jahres 2001 zwar so schlecht dasteht wie noch nie, aber immer noch die Zwischenrunde erreichen kann. Zwei Siege gegen La Coruna (6 Punkte) und am 13. November beim Heimspiel gegen RC Lens (4) müssten her, dazu die Schützenhilfe des AC Mailand gegen die Spanier, um noch auf sieben Punkte und auf Platz zwei zu kommen. »Es klingt eigentlich blöd. Aber wir haben die Chance, mit einem Spiel alles wettzumachen. Es ist eigentlich ein Wahnsinn, dass man die Chance noch hat«, meinte Ballack.

»Nicht nur gut aussehen«

Gegen La Coruna soll alles anders werden. »Wir müssen unsere Philosophie ändern«, so Hitzfeld. Weg von Schönspielerei, vom »weißen Ballett« - hin zum Kampf. »Nicht nur gut aussehen, sondern mit Haken und Ösen spielen«, forderte der Trainer. »Rustikaler« müssten seine Profis zu Werke gehen, »die Ärmel hochkrempeln«. Die Taktik will er auch verändern, den wiedergenesenen Mehmet Scholl hinter den Spitzen Giovane Elber und Claudio Pizarro agieren lassen. Verletzungssorgen engen die Möglichkeiten aber ein. Hasan Salihamidzic und Willy Sagnol sind angeschlagen, Owen Hargreaves wird definitiv fehlen.

»Noch ist alles drin, vom vierten bis zum zweiten Platz«, hatte Karl-Heinz Rummenigge dem Bayern-Tross in Mailand noch Mut gemacht. Am Montag wurde schon die Anreise für den Vorstandsvorsitzenden zum Hindernislauf. Wie Manager Uli Hoeneß (»Die Situation ist nach wie vor offen.«) stand Rummenigge auf dem Weg zum Flughafen im Stau.

Andrea Wimmer, dpa

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