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Bayern München: Es rumpelt vorm Saisonstart

Viele Verletzte, kaum Torchancen, Pfiffe von 64.000 Fans: Drei Tage vor dem ersten Pflichtspiel fürchtet der FC Bayern eine Blamage zu Saisonbeginn. Trainer Jürgen Klinsmann und Manager Uli Hoeneß entschuldigten sich schon im Voraus für den holprigen Start.

Probleme über Probleme beim FC Bayern, und das drei Tage vor dem Start in die neue Saison. Am Sonntag wird es ernst, dann wartet im DFB-Pokal der Drittligist Rot-Weiß Erfurt. In München wird unterdessen die Verletztenliste immer länger, nach der verpatzten Generalprobe gegen Inter Mailand (0:1) tauchen erste Zweifel am Leistungsvermögen des Rekordmeisters auf, und Präsident Franz Beckenbauer spricht schon von möglichen Zukäufen im Winter.

Holpriger Start einkalkuliert

Manager Uli Hoeneß und Klinsmann bauten nach der Niederlage gegen Inter schon einmal vor und baten vorerst um Geduld. Es sei angesichts der vielen Verletzten und des unterschiedlichen Trainingsniveaus klar, "dass es einen holprigen Start geben kann", meinte Hoeneß.

"Wir werden erst Ende August oder Anfang September unseren Leistungsstand erreicht haben", sagte Klinsmann und fügte in Bezug auf die von ihm geforderte Philosophie sogar an: "Das wird Monate dauern, vielleicht auch ein, zwei Jahre." Der ehemalige Bundestrainer ist aber zuversichtlich, gegen Erfurt keine Blamage zu erleben: "Ich glaube, dass wir gut genug sind, um die ersten Hürden im Pokal und in der Liga zu schaffen."

Vor wenigen Wochen hörten sich die Ankündigungen aus München noch deutlich vollmundiger an. Da war nur von Champions League die Rede und vom Angriff auf Europa.

Hoeneß wettert gegen "Ölmafia" im Fußball

Nach den beschwichtigenden Worten zum Mailand-Spiel machte Manager Hoeneß nun seinem Unmut Luft: "Durchhänger darf sich niemand erlauben. Wir verlangen auch von einem Tim Borowski, dass er von Beginn an Gas gibt", sagte Hoeneß im Interview mit dem Internetportal "SPOX". "Wer beim FC Bayern einen Vertrag unterschreibt, muss sich klar sein, dass er nicht vier Wochen lang den größten Mist spielen kann und weiterhin zur ersten Elf zählt."

Als Schuldige hat Hoeneß aber nicht nur die eigenen Spieler ausgemacht, sondern wettert auch gegen internationale Groß-Investoren: "Es stinkt mir gewaltig, dass mir diese Ölmafia das Geld aus der Tasche zieht, um es in Fußballspieler zu stecken", sagte Hoeneß. "Das gilt auch für Herrn Abramowitsch. Wir müssen Vereine wie Chelsea eben sportlich besiegen. Das wäre eine Genugtuung", sagte der 56-Jährige.

Demichelis fällt mehrere Wochen aus

Die größten Probleme bereitet den Münchnern zurzeit aber ihre lange Verletztenliste. In Erfurt muss Klinsmann auf insgesamt sieben Profis verzichten. Die Ausfälle: Ribéry, der nach der Operation des Syndesmosebands frühestens Anfang September einsatzbereit sein wird, der an der Achillessehne operierte Sagnol, Torwart Butt (Muskelverletzung), Borowski (Knieblessur) sowie die für Olympia abgestellten Sosa und Breno. Fragezeichen stehen außerdem hinter dem Einsatz von Weltmeister Toni (Wadenverhärtung) und Bastian Schweinsteiger (Grippe).

Nach einer Unterschenkelverletzung im Spiel gegen Mailand muss nun auch Martin Demichelis bis auf weiteres aussetzen. Ob der Verteidiger zwei, drei oder sogar vier Wochen ausfalle, hänge vom Heilungsprozess ab, sagte Klinsmann und stellte fest: "Es wird langsam etwas dünn. Aber das müssen wir schlucken." Sollten die Personalsorgen anhalten, müsse man notfalls im Winter noch einmal tätig werden, kommentierte Franz Beckenbauer.

"Keine Titel zu holen, wäre ein Desaster"

Als Nachfolger von Titelsammler Ottmar Hitzfeld ist Jürgen Klinsmann bei den Bayern zum Erfolg verdammt. Das verdeutlichte Mailands Trainer Mourinho, der aussprach, woran ein Trainer bei einem großen Club gemessen wird: "Keine Titel zu holen, wäre ein Desaster." Der zum Trainer des Jahres gewählte Hitzfeld holte in der letzten Saison gleich zwei - und das nach einem 0:1 gegen den FC Barcelona kurz vor Saisonbeginn bei der Premiere des Franz-Beckenbauer-Pokals.

DPA/SID / DPA

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