Bayern München Van Gaal wehrt sich


Bayern-Trainer Louis van Gaal hat sich gegen Vorwürfe der Selbstherrlichkeit gewehrt. "Ich bin kein Gott. Ich bin ein Trainer, der hart arbeitet", so der Coach. Trotz des bisher enttäuschenden Saisonverlaufs gibt sich der Niederländer weiterhin gelassen.

Er gilt als Disziplin-Fanatiker und Respektsperson - doch Bayern München hat Louis van Gaal nach knapp vier Monaten Amtszeit noch längst nicht im Griff. Auch wenn sich die Verantwortlichen des deutschen Fußball-Rekordmeisters mit Kritik an ihrem Wunschtrainer (noch) zurückhalten, wird der Druck von außen auf den 58 Jahre alten Niederländer vor dem Bundesliga-Spiel am Samstag (15.30 Uhr/live bei stern.de, Sky und Liga total) gegen Eintracht Frankfurt größer und die Attacken in den Medien heftiger.

Doch van Gaal gibt sich trotz des bisher enttäuschenden Saisonverlaufs und der schlechteren Bilanz im Vergleich zu seinem Vorgänger Jürgen Klinsmann weiterhin gelassen. "Es ist im Fußball immer so, dass es Kritik gibt, wenn die Resultate nicht stimmen. Es geht um Ergebnisse, vor allem bei einer Spitzenmannschaft", sagte er am Freitag, um sich gleichzeitig gegen sein schlechtes öffentliches Image zu wehren. Vor allem die angeblich von ihm in der Kabine gemachten und in die Öffentlichkeit transportierten Aussagen, "ich bin wie Gott, ich werde nie krank, und ich habe immer Recht", seien in einem völlig anderen Kontext gefallen."

"Fliegt van Gaal schneller als Klinsi?"

"Wenn ich Gott wäre, würde ich alles gewinnen. Ich bin kein Gott, ich bin nur ein Trainer, der hart arbeitet und sich viel um die Spieler kümmert", betonte van Gaal mit Nachdruck. Auch das Wort arrogant, das er bei seiner Vorstellung in München in Bezug auf seine Person benutzt hatte, sei in den Niederlanden nicht so negativ besetzt wie in Deutschland: "In Holland heißt das, dass ein Mensch viel Selbstvertrauen hat." Doch auch diese Erklärungsversuche ändern nichts daran, dass die Luft für van Gaal dünner wird.

Von "Götterdämmerung" schrieb der Münchner Boulevard bereits und fragte: "Fliegt van Gaal schneller als Klinsi?". Damit ist jedoch nicht zu rechnen. Nach dem Rauswurf von Klinsmann in der vergangenen Saison werden Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß diesmal wohl mit aller Gewalt an van Gaal festhalten - auch wenn der Niederländer bisher den Beweis seiner Klasse schuldig geblieben ist. Anstatt jedoch den Trainer für die derzeitige Misere (mit)verantwortlich zu machen, nahm Rummenigge nach dem enttäuschenden 1:2 in der Champions League bei Girondins Bordeaux die Spieler in die Pflicht.

Edson Braafheid und Danijel Pranjic erweisen sich als Flops

An den Trainer gerichtet kam nur der Hinweis: "Louis van Gaal weiß, dass wir Erfolg haben müssen." Van Gaal weiß das - doch noch ist es dem knorrigen, oft sturen und selbstverliebten Coach nicht gelungen, die Bayern nach einem Jahr ohne Titel trotz Transferausgaben von 75 Millionen Euro wieder in die Spur zu hieven. Seine bisherigen Versuche blieben ohne durchschlagende Wirkung. Taktisch und spielerisch ist der FC Bayern weiterhin auf der Suche nach dem Ideal. Die Stars wirken angesichts der schroffen Umgangsformen oft verunsichert, manche sogar überfordert, die Vorstellungen des Tulpen-Generals umzusetzen. Ständig wechselt van Gaal, auch bedingt durch diverse Verletzungen, System und Personal.

Seine Wunschspieler Edson Braafheid und Danijel Pranjic erwiesen sich dabei bisher als Flops. Auch die Millionen-Transfers Mario Gomez und Anatolj Timoschtschuk bleiben seit Wochen hinter den Erwartungen zurück. Vielleicht auch deshalb, weil van Gaal den beiden ebenso wie Ivica Olic beim Saisonstart gleich einmal deutlich machte, dass er mit ihren Verpflichtungen nichts zu tun gehabt habe. Für Präsident Franz Beckenbauer wirkt der Coach derzeit sogar "ein klein bisschen ratlos. Er ist noch auf der Suche." Dies unterstrich auch van Gaal erstmals selbst, der in Bordeaux auf die Frage, wie er sein Team ändern könne, gereizt antwortete: "Wenn ich das wüsste."

Dabei mangelt es dem früheren niederländischen Bonds-Coach, der sich von seinen Kindern siezen lässt, normalerweise nicht an Selbstvertrauen. Seine Aussagen grenzen dabei oft schon an Arroganz. "Wenn ich jetzt weg wäre, wen sollte Bayern dann verpflichten? Ferguson, Capello? Die sind vielleicht erfolgreicher, aber besetzt", sagte er zuletzt etwa. Bei jeder Gelegenheit weist van Gaal darauf hin, ein "Prozesstrainer" zu sein: "Ich brauche Zeit." Für einen Sieg in der Champions League etwa veranschlagte er zu Saisonbeginn rund zwei Jahre. Ob er die Zeit allerdings auch bekommt, ist in München fraglich.

Ribéry muss nicht unters Messer

Unterdessen teilte van Gaal mit, dass der französische Bundesliga-Star Franck Ribéry nicht operiert werden muss. Die chronischen Patellasehnen-Probleme des französischen Fußball-Nationalspielers am linken Knie werden weiterhin konservativ behandelt. "Das ist eine gute Entscheidung", erklärte der Bayern-Coach. Der Beschluss sei am Tag zuvor einvernehmlich zwischen Bayern-Manager Uli Hoeneß, Vereinsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt sowie Ribéry und dessen Berater getroffen worden.

SID/kbe


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