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Beleidigung: Effenberg zu 100.000 Euro verurteilt

100.000 Euro Strafe für die Beleidigung "Arschloch": Die Richterin des Braunschweiger Amtsgerichtes verurteilte Fußballprofi Effenberg heute wegen Polizisten-Beleidigung.

Der Fußballprofi Stefan Effenberg ist vom Amtsgericht Braunschweig wegen Beleidigung eines Polizisten zu einer Geldstrafe von 100.000 Euro verurteilt worden. Obwohl der 35-Jährige vor Gericht bis zuletzt seine Unschuld beteuerte, sah es Amtsrichterin Susanne Matussek als erwiesen an, dass Effenberg am späten Abend des 19. Februar einen Kommissar der Autobahnpolizei nach einer Verkehrskontrolle als "Arschloch" bezeichnete.

Der beleidigte Polizist habe vor Gericht "sehr detailreich und sicher" ausgesagt, sagte die Richterin. Auch in der Aussage seines Kollegen, der die Beleidigung vor Gericht bestätigte, habe es "Unsicherheiten nur in Randbereichen" gegeben.

Effenberg: "Ich bin für die Gereichtigkeit und für die Freiheit"

Wegen einer zweimaligen Überschreitung der Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn 2 verhängte die Richterin zudem ein Bußgeld von zwei Mal 200 Euro gegen Effenberg. Die Aussage von Effenbergs Lebensgefährtin Claudia Köhler, geschiedene Strunz, bezeichnete die Richterin als deckungsgleich mit den Angaben des Angeklagten und daher als wenig glaubwürdig. Effenberg und Claudia Köhler, die im Februar mit ihm im Auto saß, erklärten vor Gericht übereinstimmend, der Fußballer habe zu dem Polizisten am Ende der Kontrolle lediglich zwei Mal "Schönen Abend noch" gesagt.

Noch in seinem Schlusswort verlangte Effenberg mit den Worten "Ich bin für die Gerechtigkeit und für die Freiheit" Freispruch vom Vorwurf der Beleidigung. Ein Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn um "zehn bis zwanzig Kilometer" räumte er allerdings ein.

Nach Angaben der beiden Polizisten zeigte der Tachometer des Streifenwagens einmal 190 km/h, als er in einer 120-km-Zone hinter Effenberg fuhr, und 140 km/h in einem Baustellenbereich, wo nur 80 km/h erlaubt waren.

Verteidiger kündigt Berufung an

Der Verteidiger von Stefan Effenberg, Hans-Martin Prölß, kündigte nach dem Urteil Berufung vor dem Landgericht an. In seinem Plädoyer bezeichnete der Verteidiger die Aussagen der Belastungszeugen als widersprüchlich. Die Polizisten hätten "etwas gehört, was nicht gesagt wurde". Das Urteil wegen Beleidigung folgte dem Antrag von Oberstaatsanwalt Hans Meyer-Ulex, der 20 Tagessätze à 5.000 Euro gefordert hatte.

Für die Bestimmung der Höhe der Tagessätze musste Richterin Matussek das Einkommen Effenberg schätzen. Der Fußballprofi, der gegenwärtig im Emirat Katar spielt, erklärte, sein Vertrag verbiete es, seine Einkünfte zu nennen. Um eine Grundlage für die Schätzung zu haben, musste schließlich der Pressesprecher des Braunschweiger Amtsgerichts in den Zeugenstand. Er berichtete über eine Fernsehsendung, nach der ein Mannschaftskollege von Effenberg für zwei siebenmonatige Spielzeiten sechs Millionen Dollar erhält. Die Richterin legten dann ihrem Urteil mit 5.000 Euro den höchsten Tagessatz zu Grunde, der gesetzlich zulässig ist.

Jürgen Voges, AP

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