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Bernd Schuster: Zorniger Engel mit guter Botschaft

Er gilt als heißester Kandidat für den Trainerposten von Real Madrid: Mit offenem Mund wird in Deutschland verfolgt, wie Bernd Schuster in Spanien auch als Trainer zum Star aufgestiegen ist. In der Heimat wurde das schwierige Fußballgenie nie verstanden.

Von Ronald Reng

Nach dem Training geht er mit gesenktem Kopf, in Gedanken versunken die dreihundert Meter den Berg hinauf zu den Umkleidekabinen. So sieht er nicht, was auf ihn wartet; so können ihn die drei Groupies am Stadioneingang des Madrider Vorstadtvereins FC Getafe abpassen. Wobei fraglich ist, ob die drei den Begriff Groupie jemals gehört haben. Es sind Frauen in einem Alter, in dem man Frauen nicht mehr nach dem Alter fragt. Sie bestürmen Bernd Schuster mit dem Enthusiasmus von jungen Mädchen, sie schnattern auf ihn ein. Zwischen den wild gestikulierenden Frauenhänden, die dann auch schon einmal - ganz zufällig natürlich - auf seinem Oberarm landen, taucht regelmäßig sein amüsiertes Lächeln auf.

Für diese Frauen war er der ángel rubio, der blonde Engel ihrer Jugend. Spanien erlebte die transición, den Übergang von der Militärdiktatur Francos zur Demokratie, und Bernd Schuster, Junge aus Augsburg, unverwechselbarer Fußballer mit dem langen Paß aus dem Fußgelenk, war in den Achtzigern im Jersey des großen FC Barcelona, des ruhmreichen Real und Atlético Madrid, für Spanien ein Bote, dass mit den neuen Zeiten das Gute kommen würde. Ein Vierteljahrhundert später ist er, mittlerweile selbst 47, als Trainer des FC Getafe in Spanien offensichtlich ein Star geblieben, für reife Damen und ihre Fußballnation.

Mit offenem Mund verfolgt man in Deutschland Schusters Karriere

Mit offenem Mund wird in Deutschland dieser Tage verfolgt, wie Real Madrid, der erfolgreichste Klub der Fußballgeschichte, seinen Meistertrainer Fabio Capello verscheucht, damit Schuster ab nächster Saison den Posten besetzen kann. In der Heimat wurde die Nachricht mit der Nachfrage aufgenommen: Bernd Schuster?! Den meisten kam ein Mann in den Sinn, der zornig ist und niemand versteht genau, warum; ein Trainer, den man eher für eigenbrötlerisch als visionär hielt. Aber Deutschland und Schuster haben sich schon lange verpasst.

Er verweigerte als wütender, junger Mann mit 24 das Nationaltrikot für immer. Mitspieler in Leverkusen, bei seinem letzten Versuch als Spieler in der Heimat, erinnern sich vor allem noch daran, dass er nach dem Training seine Socken nicht fand und deshalb zu den Herrenschuhen Fußballstutzen anzog. Seine erste ernsthafte Trainerarbeit 1998 beim 1. FC Köln war, freundlich ausdrückt, ein einziges Missverständnis. Kann derselbe Mann in Spanien, in der besten Liga der Welt, wirklich der Trainer der Stunde sein?

Er kann.

Am vergangenen Samstag ist er schon ins Stadion von Real Madrid gekommen. Er hat seine derzeitige Mannschaft, den FC Getafe, und 90.000 Zuschauer mitgebracht. Es steigt das spanische Pokalfinale gegen den FC Sevilla. Schusters Elf unterliegt 0:1. Er erträgt Niederlagen nicht. Einmal als junger Trainer, erzählt er, "saß ich nach einer Niederlage die ganze Rückfahrt regungslos im Mannschaftsbus, selbst bei der Rast blieb ich einfach sitzen, sieben Stunden lang, so angefressen war ich". Diesmal hält er es nicht aus, die Siegerehrung anzusehen, und verschwindet in der Umkleidekabine. So ist es schwer zu erkennen: Es war sein größter Erfolg, das Vorzeigestück seines Könnens - Getafe ins Pokalfinale gebracht zu haben.

Bei Getafe muss gespart werden

Es ist eine Schlafstadt im Madrider Süden, ein typischer Drittligaverein - der nun, Laune des Fußballs, im dritten Jahr in Folge erstklassig spielt. Man schaut beim Training zu, es sind nur zwei Dutzend Besucher da, man kommt mit einem Mann auf der Tribüne ins Gespräch. Irgendwann sagt er: "Wenn die Spieler hier ein entzündungshemmendes Mittel brauchen, bekommen sie immer nur zwei Tabletten, nie die ganze Schachtel. Hier muss gespart werden." Woher er das weiß? Er sei Cristopher Oyola; der Klubarzt.

Diese Elf, zusammengestellt aus gewöhnlichen Wanderprofis und zurückgewiesenen Talenten der großen Klubs, hat Schuster zweimal in Folge ins obere Mittelfeld der Liga gesteuert. Vergangene Saison bezwangen sie Real Madrid 1:0. Es war unerhört: Real hatte keine einzige Torchance gehabt. Es war nicht mehr zu übersehen: Schuster kann eine Elf exzellent organisieren. Er erreicht die Fußballer. "Ich mag ja ein komischer Vogel sein, aber ich respektiere die Spieler. Auch wenn sie nie so gut werden, wie ich war, werde ich mich nie für etwas Besseres halten."

Er ist freundlich im Gespräch, unterhaltsam. Er arbeite daran, sagt Schuster. "Klar, als Spieler war ich die Bombe. Ich habe mich barbarisch aufgeführt, wenn mir was nicht passte." Und auch als Trainer, er ist da ja bereits im neunten Berufsjahr, hat er auf eigensinnige Präsidenten und Journalisten meist mit größerer Sturheit reagiert. Es ist deshalb auch anzunehmen, dass er bei einem Engagement in Deutschland wieder auf große Schwierigkeiten stoßen würde. Hier zählt die Außendarstellung eines Trainers mindestens genauso viel wie sein Fachwissen. In Spanien irritiert Schuster mit seinem Jähzorn durchaus auch. Aber es übertünscht nicht seine taktischen Qualitäten. Über seine Ausbrüche wird hinweggesehen, weil er sich als blonder Engel der Achtziger zu viel Respekt erobert hat - und weil die Deutschen doch wohl einfach so sind, oder etwa nicht?

"Der echte Deutsche in mir"

Schuster glaubt das auch: dass die Deutschen so sind wie er. Eigentlich ganz nett, aber, wenn einer was will, dickköpfig, aufbrausend. "Das ist der echte Deutsche in mir", erklärt er gerne spanischen Zeitungen, "der vergisst sich schon mal." Er mag sein Land - im Prinzip. Seine Frau lebt wieder im Rheinland, er kehrt vier-, fünfmal im Jahr zurück, "das brauche ich auch". Heute bereut er seinen Rückzug aus der Nationalelf. Real Madrids Interesse rückt Bernd Schuster, der sein halbes Leben in Spanien verbracht hat, nun in den Blick der ganzen Welt, das gibt vielleicht auch seiner Heimat die Chance, ihn mit 47 zu entdecken, zu enträtseln.

Sie wollen ihn in Madrid, damit Real endlich wieder so spielt, wie Schuster spielte; mit Anmut, Wagemut, Eroberungsgeist. Nicht einmal der Meisterschaftsgewinn konnte in dem Verein der unerfüllbaren Ansprüche die Empörung über Capellos biederen Spielstil löschen. "Ich muss das einfach mal herausfinden: Macht das Spaß da oben, kann ich das?", sagt Bernd Schuster, "oder erkenne ich: Bleib bei einem kleinen Verein, da funktionierst du besser?" So wunderbar unprätentiös, so kindlich offen spricht kaum ein Trainer über sich.

Bernd Schuster, unterhaltsam und jähzornig, freundlich und ausfallend, fährt davon nach dem Training, zufrieden in seiner Widersprüchlichkeit. Aus dem Auto dröhnt der Bass der aufgedrehten Stereoanlage. Dem Klang nach wird es der Rapper Eninem sein, einer von Schusters zwei Lieblingsmusikern. Der andere ist Beethoven, "der alte Hauer".

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(