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Berühmte Balljungenstreiche: Feind und Helfer an der Seitenlinie

Im englischen Ligapokal hat ein Balljunge den Platzverweis von Chelsea-Star Hazard provoziert. Es ist nicht der erste Fall, in dem ein Kind von der Seitenlinie plötzlich ins Rampenlicht tritt.

Von Daniel Bakir und Maximilian Koch

Charlie Morgan krümmt sich nach dem Tritt von Eden Hazard

Charlie Morgan krümmt sich nach dem Tritt von Eden Hazard

Eigentlich ist für Balljungen im Sport nur die Statistenrolle vorgesehen. Sie warten am Rand des Feldes darauf, dass der Ball ins Aus geht, um den Stars auf dem Feld ein neues Spielgerät zu reichen. Aber nicht immer begnügen sich die Helfer mit ihrem unauffälligen Rand-Dasein.

Beim englischen Ligapokalspiel zwischen Swansea City und dem FC Chelsea kam es zum Eklat, weil Chelsea-Star Eden Hazard auf den Balljungen Charlie Morgan eintrat. Dieser hatte nach Ansicht des Gästespielers den Ball nicht schnell genug herausgerückt. Und das wohl mit Absicht, wie sich später herausstellte. Denn der Sohn eines Kluboberen hatte vor dem Spiel auf Twitter relativ offen angedeutet, dass er das Zeitschinden als Teil seines Balljungenjobs begreife.

Hazard flog wegen der Tätlichkeit vom Platz. Und Charlie Morgan steht jetzt in einer Reihe mit anderen Balljungen, die sich durch eine einzige Aktion ins Rampenlicht katapultierten - und deren Ruhm auf Youtube nachwirkt.

Sekunden des Ruhms


Dass man als Balljunge ein Spiel nicht nur verlangsamen, sondern auch beschleunigen kann, bewies dieses pfiffige Kerlchen aus Israel. Geistesgegenwärtig warf er dem Spieler "seiner" Mannschaft den Ball zu, nachdem der gegnerische Torhüter sich weit aus seinem Kasten gewagt hatte. Es folgte: Einwurf, Schuss, Tor. Zur Belohnung durfte der Vorlagengeber nach dem Spiel ein Fernsehinterview geben.

Der Klassiker der Balljungenstreiche in Deutschland kommt aus dem Jahr 2009: Jens Lehmann, damals Torhüter des VfB Stuttgart, ließ sich im Spiel gegen Hannover 96 von einem 14-Jährigen austricksen. Als Lehmann einen Einwurf schnell ausführen will, wirft der Teenager den Ball über Lehmann hinweg. Nach der Partie regte sich der ehemalige Nationalkeeper fürchterlich auf: "Selbst die Balljungen sind hier Betrüger", wettert er. "Ich muss jetzt nach Hause, meine Kinder gut erziehen, damit die sich korrekt verhalten."

Ganz anderes Aufregerpotenzial hatte die Aktion, die sich Jogi Löw beim EM-Vorrundenspiel gegen die Niederlande erlaubte. Verwerflich war nicht, dass sich hier einmal der Profi einen Spaß mit dem Balljungen erlaubte. Veräppelt fühlten sich vielmehr hinterher die Fernsehzuschauer: Denn die eingespielte Szene ereignete sich – anders als dargestellt – nicht während der Partie, sondern schon vor dem Spiel.

Aber nicht nur im Fußball bringen es Balljungen mitunter zu ein paar Sekunden Ruhm. Roger Federer und Rafael Nadal staunten im letztjährigen Halbfinale der Australian Open nicht schlecht über die Fangqualitäten des Ballholers am Netz: Reaktionsschnell fing der einen scharfen Querschläger Federers mit einer Hand ab. Den anschließenden Sonderapplaus hatte er sich verdient.

Vielleicht hat sich Swanseas Balljunge Charlie Morgan aber auch von einem jungen Kollegen bei Tottenham Hotspur inspirieren lassen. Der hatte im Uefa-Cup-Duell mit Famagusta vor einigen Jahren dem Gästespieler der zyprischen Mannschaft den Ball in einer sehr unfeinen Höhe an den Körper geworfen. Das Stadion johlte und der englische TV-Kommentator sagte voller Anerkennung: "It's your moment, son".

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Von:

Maximilian Koch und