HOME

Bundesliga im Check: 1899 Hoffenheim: Nach dem Stillstand droht der Absturz

Stagnation in der Provinz: Zum ersten Mal seit Jahren ging es für Hoffenheim in der vergangenen Saison nicht voran. Dennoch hat Mäzen Dietmar Hopp kaum investiert. Schwierige Aussichten für die einstigen Höhenflieger.

Von Daniel Barthold

Was ist neu?
Die TSG Hoffenheim setzt trotz der enttäuschenden vergangenen Saison auf den bestehenden Kader - notgedrungen, denn Finanzier Dietmar Hopp hat klar gemacht, dass die Millionen nicht mehr so locker sitzen wie in den vergangenen Jahren. So hat Trainer Ralf Rangnick kaum Änderungen vorgenommen. Timo Hildebrand hat kein langes Leben in Hoffenheim gehabt und wurde nach anderthalb eher durchwachsenen Jahren durch Tom Starke ersetzt. Der kommt von Zweitligist MSV Duisburg und hat eine exzellente Saison in der Zweiten Liga hinter sich. Kenner werden sich aber auch an seine eher durchschnittliche Bundesligazeit zurück erinnern.

Im Angriff verpflichtete Hoffenheim den 19 Jahre jungen Peniel Mlapa vom TSV 1860 München für eine Ablöse von 1,3 Millionen Euro. Mehr als ein Talent ist der aber noch nicht.

Der Verein geht zudem mit neuem Manager in die Saison. Nachdem Jan Schindelmeister in der abgelaufenen Spielzeit von seinem Amt zurücktrat, wird nun der unbekannte Ernst Tanner die Managerrolle übernehmen.

Was ist gut?
Die Qualität im Team ist da. Wenn es innerhalb des Vereins stimmt, was zuletzt nicht der Fall war, ist die TSG stark genug, um auf Augenhöhe mit Clubs wie dem VfL Wolfsburg, dem VfB Stuttgart oder Borussia Dortmund zu agieren. Die Abwehr war in der vergangenen Saison stabil, was nicht zuletzt an Neuzugang Josip Simunic lag, der sich rechtzeitig bei Hertha verabschiedet hatte. Trotz des enttäuschenden elften Platzes kassierte Hoffenheim nur 42 Gegentore - genauso viele wie der Fünfte aus Dortmund und gar 16 Tore weniger als der VfL Wolfsburg.

Das Team verfügt auch in der Offensive über Könner, die 2009/10 allerdings nicht annähernd an die Leistungen früherer Jahre anknüpften konnten. Bei hoch veranlagten Spielern wie Ba, Obasi, Ibisevic und Carlos Eduardo dürfte es aber nur eine Frage der Zeit sein, bis sie wieder erwachen. Keiner von ihnen ist älter als 25. Es ist normal, dass junge, talentierte Spieler nach einem Höhenflug zwischenzeitlich in ein Leistungsloch fallen. Alle vier dürften aus dem wieder heraus finden.

Was ist schlecht?
Die komplette Saison 2009/2010 war für 1899 Hoffenheim zum Abhaken. Es gab ständige Unruheherde. Die Fans forderten Rangnicks Rauswurf, Mäzen Hopp kritisierte die mangelhafte Einstellung der Großverdiener, und Manager Jan Schindelmeister, der wesentlichen Anteil am Aufstieg der TSG hatte, warf das Handtuch. Vieles in Hoffenheim droht in Rekordzeit von Boom in Depression umzuschlagen. Erst der kometenhafte Aufstieg von Liga Drei ins Oberhaus, eine neue Arena bereits in der zweiten Bundesliga-Saison - und dann die sportliche Stagnation.

Wie geht Hoffenheim mit dieser unbekannten Situation um, wie verarbeitet Rangnick die ersten Rückschlägen seiner TSG-Karriere? Spannende Fragen. Bei frühen Misserfolgen könnte Rangnick einer der ersten Trainer sein, die gefeuert werden - oder gar selbst den Hut nehmen. Magnat Hopp hat klare Vorstellungen, wie es mit dem Klub weitergehen soll - Platz elf ist für ihn nicht zufriedenstellend. Möglicherweise muss er aber mehr Geld in die Hand nehmen, wenn es wirklich Richtung Europa League gehen soll.

Sportlich lief es vor allem im Sturm nicht: Mit 44 Toren schoss die TSG nur ein Tor mehr als Fast-Absteiger Hannover 96 - zu wenig, um auf die internationalen Plätze zu schielen.

Was ist möglich?
Die TSG Hoffenheim setzt auf bewährte Kräfte in der neuen Saison. Kann Rangnick den Hebel wieder umlegen - oder ist er in Hoffenheim verbraucht? Das werden schon die ersten Spieltage beantworten können. Ruft das Team sein Potential ab, ist Platz sieben bis Platz neun drin. Hoffenheim ist also höchstens nah dabei am internationalen Geschäft, aber nicht mittendrin. Verpatzt die TSG den Start, droht der Absturz.

Lesen Sie dazu auch bei unserem Partner in der Schweiz, 20 Minuten Online: "Die wichtigsten Fussball-News aus allen Ligen"

Wissenscommunity