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stern-Check Bundesliga Es braucht einen Hoeneß, um die Bayern zu schlagen

Sehen Sie im Video: Fußball-Fans freuen sich auf Twitter über die Bayern-Niederlage gegen Hoffenheim.


Der FC Bayern München ist doch noch zu schlagen. Nur gut 60 Stunden nach dem siegreichen europäischen Supercup-Finale kassierten die Münchner am Sonntag mit dem 1:4 (1:2) bei der TSG 1899 Hoffenheim die erste Pflichtspiel-Niederlage im Jahr 2020. Auf Twitter freuen sich nun Fußball-Fans, dass die Bundesliga-Saison doch noch nicht nach dem 2. Spieltag entschieden ist. Und ein wenig Schadenfreude über die Bayern ist auch bei dem einen oder anderen Tweet rauszulesen. Die besten Tweets zu TSG Hoffenheim gegen FC Bayern München im Video.
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Kaum zu glauben: Das 1:4 in Hoffenheim war die erste Niederlage des FC Bayern in diesem Jahr. Ende September! Typisch für die Bundesliga, dass alle potenziellen Verfolger prompt ebenfalls Federn ließen. Aufregung auch in Mainz und auf Schalke.

So liefen die Spiele in der Fußball-Bundesliga

Alle Ergebnisse des 2. Spieltages, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Der Aufreger der Spieltags

Kaum eine Geste drückt Verachtung für einen Menschen so eindeutig aus wie das Anspucken. Verständlich also, dass es für helle Aufregung sorgte, dass Schalkes Verteidiger Ozan Kabak seinen Racheninhalt in Richtung des auf dem Boden liegenden Bremers Ludwig Augustinsson schleuderte. Gesehen hatten das nur die TV-Kameras, weswegen der 20-Jährige auf dem Spielfeld dafür nicht bestraft wurde. Kabaks via Twitter hinterhergeschobene Entschuldigung las sich zwar glaubhaft, so richtig abkaufen wollte ihm die Reue aber kaum jemand.

"Das war Absicht, eine bewusste Aktion", wetterte Sky-Experte Lothar Matthäus. "Das ist eine Katastrophe, das Schlimmste, was es gibt. Das muss ein Nachspiel haben. Ich bin überzeugt, dass er mit einer längeren Sperre rechnen muss." Schalke-Kapitän Omar Mascarell wusste nicht, was er sagen sollte. "Wir haben alle einen hohen Puls, aber das darf nicht passieren." Zumindest ereilte Kabak auf dem Feld doch noch die gerechte Strafe durch einen Platzverweis wegen wiederholten Foulspiels. Ob er mehr als ein Spiel aussetzen muss, wird sich zeigen. In jedem Fall setzte der Vorfall einem furchtbaren Schalker Abend die Krone auf. Nie zuvor startete ein Mannschaft schlechter, seit Monaten kein Sieg, Trainer David Wagner entlassen - da könnte einem schon mal der Rotz entfahren - aber auf keinen Fall in Richtung eines anderen Menschen!

Gewinner des Spieltages

Keine Frage, wer in diesen Zeiten dem übergroßen FC Bayern ein Bein stellen kann, der ist für diesen einen Tag ein Held, um es mal mit David Bowie zu sagen. Noch dazu, wenn man damit an die Tabellenspitze stürmt (na gut, es ist erst der zweite Spieltag). Pikant am satten 4:1-Erfolg der TSG Hoffenheim über die schier Unschlagbaren ist aber, dass bei den Kraichgauern seit Beginn der Spielzeit ein Mann mit Münchner Innensicht als Coach am Spielfeldrand steht: Sebastian Hoeneß. Ob Onkel Uli die "Entwicklungshilfe" für den Gegner schon jetzt bedauert? Impft der junge Hoeneß dem "Dorfclub" aus dem Südwesten etwa das berühmte Siegergen der Bayern ein?

Ein bisschen sah es so aus. Jedenfalls zeigten die Hoffenheimer geradezu Hansi-Flick-artige Spielfreude, dazu Selbstbewusstsein und hohes Tempo. Dass die Herren in Blau und Weiß den Dauermeistern meist wegliefen, dürfte allerdings auch daran gelegen haben, dass die Münchner erst am Donnerstag über 120 Minuten gehen mussten, um dem sperrigen Team des FC Sevilla den Uefa-Supercup zu entreißen. Schwere Beine also bei den Quadruple-Gewinnern, die allerdings in dieser Saison damit werden leben müssen - Corona zwingt den Profifußball zu einem engen Terminplan. Könnte also sein, dass noch andere während der Spielzeit in den Genus übermüdeter Bayernstars kommen. Vorerst aber gilt: Es braucht einen Hoeneß, um die Bayern zu schlagen.

Verlierer des Spieltages

Natürlich, Schalke und David Wagner sind die erwartbare Besetzung für diese Rubrik. Doch noch mehr als der notorische Unruheclub von der Ruhr verloren hat an diesem Spieltag und in der Woche zuvor ein anderer Verein: Mainz 05. Als Quaison die 05er gegen den VfB Stuttgart in Führung brachte, da schien zunächst alles vergessen. Aber dann schlugen die Ausmusterung von Adam Szalai, dessen Widerstand, der Trainingsstreik der Mannschaft und die miese Kommunikation von Sportvorstand Rouven Schröder und Trainer Achim Beierlorzer doch voll durch. Das Team brach auseinander und ging gegen den Aufsteiger regelrecht unter - 1:4. 

Höhepunkt einer Woche, in der viel kaputt gegangen zu sein scheint in diesem bewundernswerten Club, in dem sich trotz vergleichsweise bescheidenen Mitteln Ausnahmetrainer wie Jürgen Klopp und Thomas Tuchel entwickeln konnten. Ein gutes Konzept, menschlicher Zusammenhalt und Identifikation schienen stets der Kitt zu sein, der den Verein zusammenhielt. Dass ein so verdienter Spieler wie Rückkehrer Szalai, der vor zehn Jahren zusammen mit André Schürrle und Lewis Holtby die legendären "Bruchweg Boys" bildete, die den Mainzern ein paar Wochen an der Bundesligaspitze bescherten, nicht nur aussortiert, sondern ihm auch das Training mit den Teamkameraden verboten wurde, so etwas kannte man bisher von den Mainzern nicht. Aufarbeitung stand am Sonntag auf der Tagesordnung. Es scheint fast so, als habe Mainz 05 seine Unschuld verloren - so es denn so etwas im Profifußball überhaupt gibt.

Dieses Tor sollten sie (nochmal) sehen

Es lief die 77. Minute des rassigen Spiels in der Hoffenheimer Arena, als die erste Bundesliga-Niederlage des FC Bayern seit dem 7. Dezember 2019 praktisch feststand. Das 3:1 entsprang einem ebenso simplen wie herrlichen Spielzug. Torhüter Baumanns Abschlag landete im Mittelfeld bei Kaderabek, der das Leder per Kopf zu Bebou lenkte, der auf der rechten Außenbahn einmal mehr an diesem Tag zu schnell für die Bayern-Spieler war. Aus vollem Lauf flankte der Togoer in den Strafraum, wo Goalgetter Kramaric den Ball stark annahm und aus elf Metern mit einer Drehung an Manuel Neuer vorbei ins Tor lenkte. Klasse.

Bild des Spieltages

Schriftzug für Pauline auf dem Trikot von Hertha BSC
"Es gibt Dinge, da tritt der Fußball in den Hintergrund." Zum Beispiel die Leukämie-Erkrankung eines acht Monate alten Mädchens. Hertha BSC nutzte das Heimspiel gegen die Frankfurter Eintracht, um mit diesem besonderen Trikotaufdruck nicht nur auf das Schicksal des Mädchens namens Pauline aufmerksam zu machen, sondern auch, um um Stammzellspender zu werben. Schon im Sommer hatten die Berliner einen entsprechenden Aufruf über die sozialen Medien gestartet. Paulines Vater hatte sich hilfesuchend an seinen Lieblingsverein gewendet - und fand Gehör. Herthas Sportdirektor und Ex-Nationalspieler Arne Friedrich machte per Video auf Paulines Schicksal aufmerksam. Nun legten die Herthaner mit der Trikot-Aktion nach. "Paulines Geschichte zeigt, wie wichtig es ist, dass sich möglichst viele Menschen registrieren lassen, damit Leben gerettet werden können", kommentierte Paul Keuter, Mitglied der Hertha-Geschäftsleitung das Engagement des Bundesligisten. Für eine Stammzelspende registrieren kann man sich übrigens online bei der gemeinnützigen DKMS. Nicht nur Paulines Vater, sondern Angehörige aller Betroffenen werden dankbar sein.
© Maja Hitij / Getty Images

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