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Bundesliga-Kommentar: Das Comeback des Nutella-Boys

Das Trikot mit dem Adler auf der Brust trug Kevin Kuranyi zuletzt nur noch im Brotaufstrich-Werbespot. Das könnte sich nach dem jüngsten Auftritt des Schalke-Stürmers bald wieder ändern. Der Knoten beim Nutella-Boy scheint geplatzt - auch weil Ex-Kamerad Frank Rost jetzt beim HSV rummosert.

Von Klaus Bellstedt

Grandiose Nürnberger, kämpferische Mainzer, leidenschaftliche Dortmunder: der Bundesliga-Rückrundenstart hatte so manche Überraschung parat - und führte zu mancher Erkenntnis. Die Wichtigste vielleicht: Die Meisterschaft geht in diesem Jahr nur über zwei Mannschaften: Werder Bremen und Schalke 04. Der erste Spieltag im neuen Jahr hat den FC Bayern München entscheidend zurückgeworfen. Und damit sind nicht nur die sechs Punkte gemeint, die das Team von Felix Magath vom Führungsduo trennen. Über weite Strecken blutleer und pomadig, so lässt sich Auftritt der Münchener im Westfalenstadion wohl am ehesten beschreiben.

Nein, vor diesen Bayern muss die Konkurrenz aus Bremen und Gelsenkirchen wirklich keine Angst haben. Zumal beide Mannschaften ihre Auftaktspiele in beeindruckender Manier gewinnen konnten. Werder beeindruckend cool, Schalke beeindruckend dominant. Hervorheben muss man aus dem spielstarken Schalker- Kreisel ganz sicher einen Spieler: Kevin Kuranyi. Der Absteiger des Jahres 2006 - der das Trikot mit dem Adler auf der Brust zuletzt nur noch im Nutella-Werbespot tragen durfte - avancierte mit einer Klasse-Leistung zum Matchwinner für S04. Unter den Augen von Bundestrainer Jogi Löw katapultierte sich der 35-malige Nationalspieler beim 3:1-Erfolg in Frankfurt mit einer wunderschönen Vorlage und zwei blitzsauberen Toren zurück in den Kreis der deutschen Topstürmer. Ein wieder erstarkter Kevin Kuranyi als Schalker-Garant auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft? Schon möglich.

Rost auf allen Kanälen

Deutscher Meister wird Frank Rost mit seinem neuen Verein, dem HSV, zumindest in dieser Saison sicher nicht mehr. Bei Schalke sind sie froh, dass sie den egozentrischen Torhüter noch rechtzeitig vor der Rückrunde losgeworden sind. Rost und Kuranyi galten zu gemeinsamen Zeiten nicht gerade als beste Freunde - um es mal vorsichtig auszudrücken. Der eine ist weg, der andere spielt wie befreit auf. Ein Schelm, wer dabei an Böses denkt.

Frank Rosts Auftreten nach dem 1:1 seines neuen Clubs in Bielefeld lässt derweil viele Schlüsse zu. Und hat die HSV-Verantwortlichen womöglich nachdenklich gemacht. Der Keeper hielt sein Gesicht in nahezu jedes Mikrofon, polterte drauflos und machte seinem Ruf als Lautsprecher alle Ehre. Ein Job, den er auf Schalke nicht mehr ausüben durfte. Genau deshalb haben sie Rost ja auch zum HSV geholt. Er soll die eigenen Leute auch mal zusammenfalten, soll aufrütteln und Charakterstärke demonstrieren. Aber gleich so?

Abstiegskampf mit Freude und Spaß

Natürlich schützt Rost seine Mitspieler, wenn er geschickt alle Medienaufmerksamkeit auf sich lenkt. Aber mit solchen unsachlichen Aussagen wie, "dann steigen wir halt ab", entfacht Rost ungewollt neue Brandherde. Der Schlussmann stellte danach klar: "Ich wollte mit dem Satz nur den Druck von den Jungs nehmen. Sie sollen einfach alles beiseite schieben und mit Freude und Spaß Fußball spielen." Abstiegs- und Existenzkampf mit Freude und Spaß? Frank Rost ist beim HSV definitiv noch nicht angekommen. Kevin Kuranyi wird das nicht weiter stören.

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