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Bundesliga: Lautern in Not, VFB erkämpft remis

Durch eine bittere 2:3 Niederlage in Nürnberg rutscht Kaiserlautern noch tiefer in den Abstiegsstrudel. Der VFB Stuttgart zeigte Moral und holte nach einem 1:3 Rückstand in Hannover noch einen Punkt.

Mit dem fünften Heimsieg in Serie hat sich Fußball-Bundesligist 1. FC Nürnberg fast aller Abstiegssorgen entledigt und seinen früheren Trainer Wolfgang Wolf und dessen 1. FC Kaiserslautern noch tiefer in den Abstiegssumpf gestürzt. Torjäger Robert Vittek (13./87.) mit erneut zwei Treffern sowie Thomas Paulus (62.) waren am Sonntag beim 3:2 (1:1) für die Franken erfolgreich, für die Gäste traf zwei Mal Halil Altintop (20./48.). Durch den schmeichelhaften Sieg hat der "Club" schon zehn Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Die Pfälzer sehen dagegen bei drei Punkten Rückstand auf das rettende Ufer immer schwereren Zeiten entgegen.

"Der Sieg war alles in allem ein bisschen glücklich", gestand "Club"-Trainer Hans Meyer. "Wir haben heute ein richtig schlechtes Spiel gemacht." Dagegen haderte Altintop mit der schwachen Chancenausbeute seiner jungen Mitspieler. "Wer die Tore nicht macht, wird später bestraft. Man hat gesehen, dass die Jungs erst 18, 19 sind. Die Nerven spielen dann nicht so mit im Abstiegskampf."

Guter Start der Franken

Die Franken, bei denen Stefan Kießling erstmals seit Wochen wieder vom Start an auflief, begannen vor ausverkauftem Haus selbstbewusst. In der 13. Minute nahm der slowakische Nationalstürmer Vittek in seinem 50. Bundesliga-Spiel für den "Club" eine Hereingabe mit der Brust an und schoss aus kurzer Distanz zur Führung ein. Doch es dauerte nur sieben Minuten, dann brachte der stark auftrumpfende Altintop mit seinem ersten Tor die Gäste zurück ins Spiel. Fortan übernahm das junge Team aus der Pfalz in der abwechslungsreichen Partie trotz zweier Niederlagen hintereinander die Initiative und drängte auf das Tor von "Club"-Schlussmann Raphael Schäfer.

Der "Club" agierte nach dem überraschenden Ausgleich ängstlich und geriet gegen die beherzt aufspielenden Gäste zunehmend in Bedrängnis. Vor allem das Pfälzer Angriffsduo Altintop und Halfar wirbelte die anfällige "Club"-Defensive wiederholt regelrecht durcheinander und offenbarte bei den Franken große Unsicherheiten. Kurz nach der Pause war es dann soweit: Erneut ließ Altintop den Nürnberger Kapitän Mario Cantaluppi alt aussehen und schoss zur Führung ein.

Die Gäste zeigten Nerven

Fortan wurden die Hausherren wieder aktiver und kamen durch einen nicht unhaltbaren Schuss des eingewechselten Paulus (62.) zum Ausgleich. Die Gäste scheiterten letztlich an ihren Nerven: Zunächst vergab Halfar (71.) freistehend vor "Club"-Torhüter Schäfer, wenig später (75.) konnte Fabian Schönheim Schäfer aus kurzer Distanz nicht bezwingen. Besser machte es Vittek, der kurz vor Schluss mit seinem 13. Saisontor den umjubelten Siegtreffer erzielte.

Wieder kein Sieg für Hannover - Hoffnung für Veh

Hannover 96 hat das Siegen verlernt. Im Duell der "Remis-Könige" verspielte die Mannschaft von Trainer Peter Neururer erneut eine klare Führung und kam in einem packenden Bundesliga-Duell mit dem VfB Stuttgart über ein 3:3 (2:0) nicht hinaus. Jon Dahl Tomasson rettete den tapferen Schwaben, die über weite Strecken in Überzahl sogar mehr vom Spiel hatten, am Sonntagabend mit seinem verdienten Ausgleich in der 80. Minute einen wichtigen Punkt. Damit dürften auch die Hoffnungen von Gäste-Trainer Armin Veh auf eine Weiterverpflichtung neue Nahrung erhalten. Hannover wartet dagegen schon seit 17 Jahren auf einen Erfolg gegen Stuttgart; in den letzten neun Saisonspielen glückte den Niedersachsen nur ein Sieg.

Hanno Balitsch brachte die Gastgeber vor 36 298 Zuschauern in der AWD-Arena bereits nach 91 Sekunden in Führung, die der Tscheche Jiri Stajner schon vor der Pause mit einem herrlichen Kopfballtreffer (33. Minute) ausbaute; Nationalspieler Per Mertesacker sorgte mit dem 3:1 für die vermeintliche Vorentscheidung (67.). Doch die Traumtore von Danijel Ljuboja (2:1/52.) und Thomas Hitzlsperger (3:2/77.) waren zunächst Hoffnungsfunken für die Gäste, das 3:3 durch Tomasson der verdiente Lohn für eine couragierte Mannschaftsleistung.

Platzverweis in der 37. Minute

"Das war wahnsinnig schwer heute, gegen diese offensiv ausgerichtete Stuttgarter Mannschaft in Unterzahl zu bestehen und die Räume dicht zu machen", meinte Neururer mit Blick auf den Platzverweis für Kapitän Altin Lala (Gelb-Rot/37.). "Deshalb bin ich froh über die Art und Weise, wie sich die Mannschaft diesen Punkt hier noch erkämpft hat." Stajner sah es ebenso: "Am Ende können wir zufrieden sein, denn wir haben fast 60 Minuten in Unterzahl gespielt."

Neururers Kollege Veh sieht den bevorstehenden Vertragsverhandlungen gelassen entgegen. "Ich war schon vorher total entspannt, weil es nicht sein kann, dass man das jetzt von diesem einen Spiel abhängig macht. Das ist ein Witz", erklärte der VfB- Trainer nach dem "absolut verdienten" Punktgewinn. Laut Manager Horst Heldt tut sich in der Trainerfrage "vor Mittwoch nichts".

Torflaute gebrochen

Mit seinem Blitztreffer hatte Balitsch im Duell der Remis- Spezialisten (Stuttgart jetzt 16/Hannover 15 Unentschieden) den Bann gebrochen: Der Ball lag erstmals nach 322 Minuten Tor-Flaute wieder im gegnerischen Netz. Für den 25 Jahre alten Abwehrspieler, der eine Flanke von Steven Cherundolo ins kurze Eck drückte, war es der erste Treffer in seinem 27. Pflichtspiel für die Niedersachsen, die im Gegenzug nur mit viel Glück den schnellen Ausgleich vermeiden konnten. Hannovers glänzend haltender Torhüter Robert Enke konnte Ljubojas Kopfball noch an die Latte lenken (5.); Thomas Hitzlspergers wuchtiger Kopfball landete genau in den Armen von Enke (26.).

Nach einem Fehlpass des VfB an der Mittellinie und präziser Flanke von Silvio Schröter segelte der perfekt getimte Kopfball des überragenden Stajner zum 2:0 ins lange Eck - die gesamte VfB-Abwehr war ausgespielt, Torwart Timo Hildebrand konnte nichts mehr tun. Balitsch vergab später eine "Hundertprozentige", als er aus zehn Metern allein am herausstürzenden VfB-Keeper Timo Hildebrand scheiterte (43.). Ljuboja und Tomasson trafen mit spektakulären Fernschüssen; Mertesacker mit einem Aufsetzer-Kopfball.

DPA / DPA

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