Bundesliga-Saison 2009/2010 Geburt der goldenen Generation


Spieler wie Robben oder Pizarro sorgten für die großen Momente in dieser Bundesliga-Saison. Hungrige, deutsche Talente prägten die Spielzeit aber mindestens genauso - das macht Hoffnung.
Von Klaus Bellstedt

Jetzt mal Hand aufs Herz: Konnten Sie als Fußball-Fan vor der Bundesliga-Saison etwas mit den Namen Holger Badstuber, Christian Träsch, Philipp Bargfrede oder Kevin Großkreutz anfangen? Wenn ja, dann gehören Sie zu der kleinen Gruppe echter Fußball-Experten in diesem Land. Wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Jetzt kennen Sie diese Herren ja. Wenn man sich die gerade zu Ende gegangene Bundesliga-Saison einmal mit etwas Abstand betrachtet - weg von all dem Bayern-Jubel über die gewonnene Meisterschaft und dem Abstiegsfrust in der Hauptstadt - dann bleibt vor allem ein Aspekt in Erinnerung: Die Bundesliga hat ihren eigenen Nachwuchs wiederentdeckt.

Das war nicht immer so. Gerade zu Beginn dieses Jahrtausends entwickelte sich Deutschlands höchste Spielklasse mehr und mehr zu einem Tummelplatz von Fußball-Söldnern - vorzugsweise aus den osteuropäischen Staaten. Spieler wie Jurica Vranjes aus Kroatien, Danijel Ljuboja aus Serbien oder auch Jan Simak aus Tschechien heuerten während ihrer Zeit in der Bundesliga gleich reihenweise an. Dabei gaben sie immer nur kurze Gastspiele. Zu Identifikationsfiguren in ihren Clubs und bei den Fans entwickelten sich diese Spieler nie. Wie auch? Dabei konnte man den Ljubojas und Simaks gar nicht mal böse sein. Dass sie mehr und mehr zu einer Art Verschiebemasse in der Bundesliga verkamen, lag auch an ihren windigen Beratern, die an jeder Ecke dieser Republik, von Bremen bis nach Stuttgart und von Leverkusen bis nach Berlin, das große Geschäft witterten - und gar nicht mal selten auch abschließen konnten.

Diese Zeiten scheinen vorüber. Zumindest vorübergehend. Vielleicht sogar auf Dauer. Die Saison 2009/2010 hat jedenfalls einrucksvoll bewiesen, dass das Söldnertum in der Fußball-Bundesliga weitestgehend ausgestorben ist - weil sich alle 18 Clubs endlich professionell dem Projekt "Jugend forsch" verschrieben haben. Aber damit nicht genug: Immer mehr Vereine bauen auf junge, hungrige Spieler, die den Stallgeruch der Region versprühen.

In München wurden mit Thomas Müller, 20, aus Weilheim und Holger Badstuber, 21, aus Memmingen zwei beinahe Unbekannte im Laufe einer Saison zu Stammspielern. Der gebürtige Münchener Diego Contento, 20, zuletzt sogar für die Bayern in der Champions League am Ball, durchlief genauso wie Müller und Badstuber die Nachwuchsmannschaften des FC Bayern München. Beim Branchenprimus wächst eine goldene Generation heran.

Lange Liste hoffnungsvoller Talente

Auf Schalke machte Magath aus der finanziellen Not eine Tugend und hievte die Senkrechtstarter Lukas Schmitz, 21, und Christoph Moritz, 20, aus dem Nichts ins Rampenlicht. Beide stammen aus Nordrhein-Westfalen, Schmitz aus Hattingen, Moritz aus Düren. Nicht ganz zufällig stehen mit Louis van Gaal und Felix Magath zwei ausgewiesene Talentförderer mit ihren Clubs ganz oben in der Abschlusstabelle der Bundesliga. Weil sie der Jugend eine echte Chance gegeben haben und ihr immer wieder Einsatzzeit geschenkt haben.

Aber es sind ja nicht nur die Bayern und Schalke: Kevin Großkreutz, 21, von Borussia Dortmund, Philipp Bargfrede, 21, bei Werder Bremen, Christian Träsch, 22, vom VfB Stuttgart. Die Liste hoffungsvoller, deutscher Talente aus dem näheren Umkreis ihrer Vereine ließe sich beliebig fortsetzen. Sie alle sind Spieler, die symbolisch für die Neuausrichtung der Bundesliga-Clubs stehen - und die die Zukunft des deutschen Fußballs auch auf internationaler Ebene hoffnungsvoll erscheinen lassen.

Es stimmt: Für die großen Momente in dieser Saison waren größtenteils andere Spieler zuständig: Der fantastische Arjen Robben zum Beispiel oder Bremens Sturm-Phänomen Claudio Pizarro, beides ausländische Aushängeschilder der deutschen Bundesliga. Oft sind sie es, die das Salz in der Suppe und damit den Unterschied ausmachen. Thomas Müller und all die anderen müssen sich aber spätestens nach dieser Saison nicht mehr hinter diesen Superstars des Fußballs verstecken. Die goldene, deutsche Generation hat längst Fahrt aufgenommen und befindet sich auf der Überholspur. Schade eigentlich, dass in diesem Jahr schon WM ist.


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