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Bundesliga-Start: Bewährungsprobe für die WM-Stars

Der Bundesliga-Alltag hat sie zurück: die deutschen WM-Helden. In Südafrika konnten viele von ihnen ihren Marktwert deutlich steigern. Die Erwartungshaltung der Fans gegenüber Neuer, Müller, Podolski und Co. ist enorm. Gelingt der Wiedereinstieg ins Tagesgeschäft?

Von Klaus Bellstedt

Sechs Wochen nach dem Ende der WM startet die Fußball-Bundesliga bereits wieder in die neue Saison. Die deutsche Nationalmannschaft hinterließ in Südafrika einen glänzenden Eindruck und belegte am Ende überraschend Platz drei. Lahm und Co. surften am Kap auf einer Welle der Euphorie. So manch ein DFB-Kicker wuchs über sich hinaus. Aber die Fußball-Festspiele sind Vergangenheit. Der Liga-Alltag steht vor der Tür. Welcher WM-Held bewältigt das Tagesgeschäft? Welcher könnte Probleme bekommen? Wir haben fünf Kandidaten etwas genauer unter die Lupe genommen.

Thomas Müller


Zu Beginn der letzten Saison konnten nur Insider etwas mit dem Namen Thomas Müller anfangen. Dann schoss der Junge plötzlich Tore im Stile von Gerd Müller, war nicht mehr wegzudenken aus Van-Gaals-Startelf und wurde auch von Bundestrainer Joachim Löw berufen. Bei der WM trat er endgültig aus dem Schatten der Bayern-Stars Schweinsteiger und Lahm, Müller wurde sogar Torschützenkönig in Südafrika.

Wirklich niemand rechnet jetzt mit einem Leistungseinbruch Müllers. Drei Dinge sprechen für ihn. Erstens: Sein Klub. Der FC Bayern und Trainer van Gaal werden ihn weiterhin behutsam weiterentwickeln. So war es bereits in der Jugend, als die Bayern ihn sorgfältig auf das Profi-Geschäft vorbereiteten. Zweitens: seine Persönlichkeit. Müller wird nicht abheben. Der Stürmer ist bodenständig, ohne Allüren und setzt sich selbst realistische Ziele. Trotzdem hat er hohe Anforderungen an seine Leistungen. Für einen jungen Spieler sind das die besten Voraussetzungen. Drittens: Thomas Müller hat sein Potenzial noch gar nicht richtig ausgeschöpft. Im bayerischen Starensemble wird er auch in diesem Jahr weiter reifen. Mehr noch: Müller wird dort eine entscheidende Rolle einnehmen.

Per Mertesacker
"Merte" spielte zwar keine überragende WM, Arne Friedrich hinterließ in puncto Zweikampfverhalten und Abgeklärtheit einen besseren Eindruck, der baumlange Innenverteidiger konnte sich aber im Laufe des Turniers enorm steigern. So kam es nach der WM folgerichtig zu einem leisen Flirt mit einem europäischen Topclub, dem FC Arsenal. Mertesacker fühlte sich geschmeichelt, aber Werder-Boss Allofs erklärte seinen Abwehrchef für unverkäuflich. Der sensible Mertesacker hat das zur Kenntniss genommen. Auffallend: Vor dem Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Sampdoria Genua sprach Mertesacker sinngemäß von persönlichen Motivationsproblemen nach der WM, jetzt die neuen Aufgaben bei Werder anzugehen. Beim 3:1-Erfolg war davon aber nichts zu spüren. Trotzdem bleibt abzuwarten, ob Kopfmensch Mertesacker sein Potenzial in Bremen nochmals steigern kann.

Manuel Neuer
Der Schalker war bei der WM ein solider Rückhalt. In Südafrika hat Neuer sich auf höchstem Niveau profiliert - mit ruhiger Hand wie zuvor in der Liga. Das macht ihn zu einem Hauptgewinner der WM. Und auch deshalb ist er für die Königsblauen so wichtig wie nie zuvor. Die Schalker wissen, was sie an Neuer haben. An Wertschätzung mangelt es nicht. Jüngst wurde er gar zum Kapitän ernannt. "An sich finde ich es nicht ideal, wenn ein Torhüter Kapitän ist, da er nicht im Zentrum des Spiels steht. Manuel ist dennoch für diese Rolle auf Schalke am besten geeignet, da er den Club wie kein zweiter Spieler verkörpert", begründete Felix Magath seine Entscheidung. Im Club der absolute Führungsspieler, in der Nationalmannschaft die klare Nummer 1: Neuers Ruf und seine Ausstrahlung reichen längst über Schalke 04 hinaus. Der besonnene Torwart wird die Rückkehr in den Liga-Alltag locker bewältigen.

Lukas Podolski
Wenn Lukas Podolski das Wort "Bundesliga-Alltag" hört, kriegt er schlechte Laune - weil er am liebsten nur Europa- oder Weltmeisterschaften spielen würde. Dort, im Kreise seiner Nationalmannschaftskumpel und unter der Obhut von Joachim Löw geht es "Poldi" traditionell blendend. Beim "FC" fehlt ihm Zeit und Konzentration für sich und den Fußball, auch weil sich Podolski in der Domstadt für fast alles vereinnahmen lässt. Damit muss jetzt Schluss sein. Die Fans in Köln vergöttern Podolski, aber noch so eine Saison wie die letzte werden sie ihm nicht verzeihen. Dem Nationalspieler muss klar sein, dass er nach seiner guten Weltmeisterschaft am Rhein wieder voll im Fokus steht. Die neue Saison ist für Podolski richtungsweisend. Vielleicht steht sogar seine Karriere auf dem Spiel. Wird er der integrierte Leader? Reift er zur Führungspersönlichkeit des 1. FC Köln? Zweifel bleiben.

Arne Friedrich
Für den Ex-Herthaner verlief die WM in Südafrika wie ein schöner Traum. Zunächst spielte er ein Klasse-Turnier, dann ergab sich während der K.o.-Spiele der Wechsel zum VfL Wolfsburg. Bei den Niedersachsen wurde Friedrich vom neuen Coach Steve McClaren sofort zum Führungsspieler ernannt. Vom Absteiger zum Champions-League-Anwärter, das neue Umfeld muss sich für den Verteidiger wie ein Sechser im Lotto anfühlen. Die Anpassung hat er längst gemeistert. Nun warten neue Aufgaben. Eine Unsicherheit gibt es aber: Friedrich funktioniert immer dann besonders gut, wenn es dem Team gut geht. Siehe Nationalmannschaft. Geht die Mannschaft unter, wie Hertha letzte Saison, geht auch Friedrich mit unter. Spannend zu beobachten, ob sich der 31 Jahre alte Defensiv-Spezialist diesbezüglich weiterentwickelt hat. Zuzutrauen ist es ihm.

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