HOME

Bundesliga: Torhüter in Angst vor Laserpointern

Torhüter leben gefährlich, das hat selbst Oliver Kahn in seiner Karriere erlebt. Doch während der Titan von Kastanien und Golfbällen getroffen wurde, sehen sich die Keeper derzeit völlig anderen Risiken ausgesetzt. Laserpointer sind die neueste Unsitte, mit denen einige Unbelehrbare in den Stadien ihr Unwesen treiben.

"Ich hatte ein Flackern im Auge und einen leichten Schmerz im Gehirn", sagte Hannovers Torhüter Florian Fromlowitz, der am Samstag bei der Partie gegen Werder Bremen (1:1) von den Laser- Attacken Bremer Fans betroffen war. In der Bundesliga war es der erste Fall einer solchen Beeinträchtigung, weshalb man die Situation beim Deutschen Fußball- Bund nicht überbewerten will. "Das war eine einmalige Aktion. Wir müssen aber im Schulterschluss mit den Clubs und der DFL sehen, dass das kein Phänomen wird", sagte DFB-Mediendirektor Harald Stenger. Auch FIFA-Schiedsrichter Herbert Fandel hält nichts von Panikmache. "Bislang ist das eine Seltenheit", sagte der Referee am Montag der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Wie beim Werfen von Gegenständen haben die Unparteiischen allein die Möglichkeit, über den Stadionsprecher auf die Fans einzuwirken. "Ansonsten war diese Marotte bei unseren Zusammenkünften bislang kein Thema", sagte Fandel, der bei einem Champions-League-Spiel in Chelsea in der Vergangenheit aber selbst schon einmal mit der Situation konfrontiert wurde.

Dummheiten finden Nachahmer

Überhaupt ist der Einsatz von Laserpointern zur Irritation des Gegners im Ausland bereits weiter verbreitet. Beim Länderspiel Österreich gegen Deutschland im Februar in Wien war Nationalkeeper Jens Lehmann das Opfer, in Griechenland gehören die kleinen Geräte, die in jede Hosentasche passen, fast schon zur Standard-Ausrüstung der fanatischen Anhänger. Im Champions-League-Spiel der Bremer bei Panathinaikos Athen am vergangenen Mittwoch (2:2) wurde Werder- Torwart Christian Vander mehrmals durch die grünen Lichtstrahlen irritiert. Der englische Schiedsrichter Michael Riley drohte mit Abbruch, ehe der Präsident von Panathinaikos Athen beschwichtigend auf die Fans einwirkte.

"Dummheiten finden leider immer wieder Nachahmer", sagte Vander nun nach den Geschehnissen vom Samstag. Er selbst hatte kein Brennen in den Augen verspürt. Dennoch wollen die Bremer hart gegen die Übeltäter vorgehen, sollten diese ausfindig gemacht werden. "Das muss mit Stadionverbot belangt werden", forderte Manager Klaus Allofs. Trainer Thomas Schaaf sprach von einer "Unart". In Rage bringt Torhüter und Verantwortliche weniger die Gesundheitsgefahr, die sich nach Angaben von Experten in Grenzen hält. "Es ist nicht gut für die Netzhaut. Als Fußballer ist man aber meist in Bewegung, weshalb das Auge nur für einen kurzen Zeitraum getroffen wird. Das Risiko ist überschaubar", sagte Horst Dauter, Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Augenoptiker.

Irritierend sind die Strahlen aber schon. "Wenn man so behindert wird, ist das unfair", sagte Fromlowitz. Seiner Leistung schadete die Attacken aber ebenso wenig wie der von Vander drei Tage zuvor. "Ich habe einfach alles ausgeblendet", meinte Fromlowitz nach seinem starken Auftritt gegen Bremen.

DPA/kbe

Wissenscommunity