HOME

Bundesliga-Vorschau: Münchner Gipfel, Mainzer Krisengipfel

Prognosen vor der Saison sind mit Vorsicht zu genießen - das zeigt die Tabelle vor dem 13. Spieltag: Die Bayern hecheln der Tabellenspitze hinterher, Hamburg bangt vor der roten Laterne. Verfolgen Sie die Bundesliga ab 15.30 Uhr im stern.de-Live-Tivcker.

Die einen reisen zum Gipfel nach München, die anderen zum Krisengipfel nach Mainz. Unterschiedlicher könnten die Ausgangspositionen für den VfB Stuttgart und Hamburger SV vor dem 13. Spieltag kaum sein. Beide Clubs stehen für den wohl ungewöhnlichsten Bundesliga-Saisonverlauf der vergangenen Jahre - und führen die Prognosen vieler Fachleute ad absurdum. Der seit neun Spielen ungeschlagene VfB tritt beim Branchenführer FC Bayern als Tabellenführer an, dem selbst ernannten Mitfavoriten aus Hamburg droht bei Mainz 05 - nach bisher nur einem Saisonsieg - der Sturz auf den letzten Tabellenplatz.

Der verblüffende Höhenflug seines ehemaligen Clubs aus Stuttgart nötigt selbst Felix Magath Respekt ab. "Die machen klasse Arbeit, wieder mit jungen Spielern wie zu meiner Zeit dort", lobte der Bayern-Coach vor dem Duell mit den Schwaben. Doch bei allem Respekt ist er optimistisch, dass die Erfolgsserie des Gegners zu Ende geht: "Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass wir am Samstag im Vorteil sind. Wir haben die bessere Mannschaft, und dass ein Tabellenführer kommt, passt uns gut rein."

Bayern wollen alte Machtverhältnisse wiederherstellen

Bereits zum vierten Mal ist dieser Saison treten die Bayern gegen einen Spitzenreiter an - am 13. Spieltag. Auf diesen neuen Bundesligarekord ist in München natürlich niemand stolz. Möglichst schnell sollen die alten Machtverhältnisse wieder hergestellt werden. "Normalerweise sind wir die Gejagten, aber im Moment sind wir noch hintendran. Vier Punkte sind es auf Stuttgart, deswegen ist ein Sieg am Samstag ganz wichtig", sagte Youngster Andreas Ottl. Einfach wird das nicht: Schließlich ist der VfB als einziges Bundesligateam auswärts noch unbesiegt. "Für uns ist es wichtig, dass wir uns nicht verstecken, dass wir frech sind", sagte VfB-Coach Armin Veh.

Von solchen Perspektiven wie der VfB können die Hamburger derzeit nur träumen. Um die dramatische Talfahrt zu stoppen, bezog das Team bereits am Mittwoch ein Sporthotel im Taunus. Geht auch die Partie beim Schlusslicht aus Mainz verloren, wird die Erklärungsnot von Thomas Doll noch größer. Für diesen Fall schließen viele Beobachter einen freiwilligen Rückzug des Trainers nicht aus. Noch setzt Sportchef Dietmar Beiersdorfer auf Kontinuität: "Natürlich werden jetzt überall Maßnahmen gefordert. Aber Ruhe zu bewahren ist auch eine Maßnahme."

Für Sonnyboy ging es steil bergab

Ähnlich groß ist die Not bei Doll-Kollege Jürgen Klopp. Für die lange Zeit als erfolgreiche Sonnyboys der Trainergilde gefeierten Leidensgenossen ging es in den vergangenen Wochen steil bergab. Nicht zuletzt deshalb stehen beide Fußball-Lehrer am Samstag mehr im Rampenlicht als ihre Profis. "Dass in dieser Situation über uns beide spekuliert wird, ist normal. Aber das wird unsere Konzentration nicht stören", sagte Klopp voller Hoffnung auf einen Erfolg seiner seit elf Spielen sieglosen Mannschaft.

Eine Woche nach dem Verlust der Tabellenführung dürfen die Bremer auf eine rasche Rückkehr an die Spitze hoffen. Ein Sieg in Aachen könnte den Weg ebnen - vorausgesetzt die Bayern leisten Schützenhilfe gegen Stuttgart. "Wir haben keine Angst vor dem Tivoli und freuen uns auf die tolle Atmosphäre dort", sagte Werder-Trainer Thomas Schaaf. Neben den Bremern liebäugeln auch die Schalker mit dem Platz an der Sonne. Nach der Trennung von dem Psychologen Peter Boltersdorf, der mit seiner Trainingsshirts-Aufschrift "Totale Dominanz" mehr Ärger als Lob geerntet hatte, will der Tabellen-Dritte in Cottbus dominant auftreten und gegebenenfalls die Gunst der Stunde nutzen.

DPA / DPA

Wissenscommunity