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Bayern-Spiel im Iran übertragen Eine Frau im Fußballstadion? Iranisches TV zensiert Schiri Bibiana Steinhaus

Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus (r.) schickt Kölns Trainer Stefan Ruthenbeck auf die Tribüne
Dürfte den TV-Zuschauern im Iran entgangen sein: Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus schickt Kölns Trainer Stefan Ruthenbeck auf die Tribüne
© Rolf Vennenbernd / DPA
Manche Spiele der deutschen Bundesliga werden auch im Iran übertragen. Dass am Wochenende eine Frau das Bayern-Spiel leitete, brachte die TV-Macher des streng-religiös regierten Landes in die Bredouille.

Seit 37 Jahren ist es Frauen im Iran verboten, in einem Fußballstadion ein Herrenspiel zu verfolgen. Zwei Jahre nach der islamischen Revolution 1979 setzten die schiitischen Geistlichen ein entsprechendes Gesetz in Kraft. Laut Begründung sollen Iranerinnen dadurch von der maskulinen Atmosphäre auf den Tribünen geschützt werden.

Nun ist der Iran insgesamt ein fußballbegeistertes Land, überträgt auch Spiele aus der Bundesliga im TV - und die Fernsehmacher hatten damit am vergangenen Samstag ein Problem. Bei der Partie 1. FC Köln gegen den FC Bayern München pfiff die Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus. Eine Frau im Stadion und dann auch noch in tragender Rolle? Das war offenbar zu viel für die Macher des iranischen Staatsfernsehens. Kurzerhand wurde Steinhaus lediglich in der Totale gezeigt. Jedesmal, wenn die Kamera dichter ans Geschehen fuhr - und somit die Zuschauer die unverschleierte blonde Dame in Gänze präsentiert bekamen - zeigte das iranische Fernsehen kurzerhand Bilder aus dem Publikum. So berichtet es zumindest die ARD-Korrespondentin Natalie Amiri. Es sei ein "anstrengendes Spiel für die Zensurmeister" gewesen, so Amiri. Auch ein Artikel auf der iranischen Nachrichtenseite "Pars News" befasst sich mit den ungewöhnlichen Schnitten während des Fußballspiels.

Die 39-jährige Steinhaus arbeitete sich im deutschen Fußball konsequent nach oben. Nachdem sie bereits einige Jahre Herren-Zweiligaspiele geleitet und in der ersten Bundesliga als 4. Offizielle eingesetzt worden war, wurde sie mit der aktuellen Spielzeit auch in den Kreis der Hauptschiedsrichter im deutschen Fußball-Oberhaus befördert. Am 10. September 2017 leitete sie als erste und bisher einzige Frau ein Bundesliga-Spiel der Herren.

Frauen im Iran systematisch diskriminiert

Im Iran wäre so etwas aktuell undenkbar. Frauen werden in dem streng-religiös regierten Land systematisch unterdrückt und benachteiligt. Sie dürfen verschiedene Berufe, etwa das Richteramt, nicht ausüben, ihre Zeugenaussage vor Gericht hat weniger Wert, Vergewaltigung in der Ehe existiert nicht als Straftatbestand und ohne Einwilligung des Ehemannes dürfen Frauen im Iran nicht verreisen. 

Die Freude am Fußballschauen lassen sich dennoch viele Iranerinnen nicht nehmen. Erst kürzlich machten wieder Berichte im Netz die Runde, dass sich Damen während des Teheran-Derbys am 1. März als Männer verkleidet hätten, um ins Stadion zu gelangen. Medienberichten zufolge wurden rund 35 verkleidete Frauen festgenommen und - wie der Innenminister es später ausdrückte - "lediglich zu einem geeigneten Ort" gebracht worden.

fin

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