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Bundesliga-Check: Hertha BSC Berlin: Arm und öde

Das Berliner Motto gilt nicht für die Hertha. Der bescheidene Aufsteiger gab zu wenig Geld aus, um sexy zu sein. Der Kader kommt arg bieder daher - für Berlin kann es in dieser Saison nur eine Richtung geben.

Von Dirk Benninghoff

Was ist neu?
Herzlich wenig. Hertha wiederholt nicht den Fehler anderer Aufsteiger, den Kader umzukrempeln, der viele Vorgänger in taktisches, spielerisches und zwischenmenschliches Chaos und den direkten Wiederabstieg geführt hat. Aber etwas mehr Neuzugänge hätten es schon sein dürfen.

Der streitbare Verteidiger Maik Franz ist just zweimal abgestiegen (mit Karlsruhe und Frankfurt), wird zwar immer wieder als heißer Hund gepriesen, der ein Team wachrütteln kann. Bloß hat er damit nachweislich überhaupt keinen Erfolg. Der vom HSV gekommene Tunay Torun ist wie in Hamburg nur Ergänzungsspieler. In Hamburg wurde der 21-Jährige von noch Jüngeren verdrängt. Vielversprechend ist seine bisherige Bundesligakarriere also nicht.

Ansonsten wird die Hauptstadt dank Trainer Markus Babbel immer mehr zur Zuflucht gescheiterter Bayern-Profis: Im vergangenen Jahr kam Lell, heuer siedeln Mittelfeldspieler Andreas Ottl und Keeper Kraft aus München über. Erster hat bereits bei einer Ausleihe in Nürnberg überzeugt und ist wenigstens Liga-Durchschnitt, zweitem sollte eine andere Personalie Mut machen. Der in München ebenfalls gescheiterte Michael Rensing kommt in Köln groß raus. Eine Blaupause für Thomas Kraft? Immerhin hat er im Frühjahr mit einem überragenden Champions-League-Auftritt bei Inter Mailand gezeigt, dass er Potenzial hat.

Möglicherweise ist es an der Summe zu wenig, um die Klasse zu halten. Zwei Verstärkungen mehr hätten den Berliner gut getan. Immerhin verließ kein Leistungsträger die Hertha.

Was ist gut?

Die Euphorie ist groß in Berlin. Dauerkartenverkauf, Mitgliederentwicklung - es stimmt im Umfeld der Mannschaft. Hertha ist in Aufbruchstimmung. Ein nüchterner Trainer wie Babbel tut da gut, um Mannschaft und Verein auf dem Teppich zu halten. Mit Kraft im Tor, bislang die Schwachstelle des Teams, machen die Berliner zudem möglicherweise einen ganz großen Sprung nach vorne. Stark ist auch das Sturmduo Adrian Ramos und Pierre-Michel Lasogga. Dass Ramos die Berliner überhaupt in Liga 2 begleiten musste, überraschte, nachdem er in der Bundesliga selbst im Abstiegsjahr überzeugt hatte. Mit dem jungen Lasogga, größtes Talent der Hertha, hat er ein starkes Pendant gefunden. Die beiden zusammen sind das Beste an der Hertha.

Was ist schlecht?

Zwischen dem neuen Torwart und den beiden Spitzen gruppiert sich viel Durchschnittliches wie Ebert, Raffael, Kobiashvili; Franz oder Niemeyer. Die Liste ließe sich fortführen, Hertha besitzt zu wenig Spieler, die Hoffnung auf die erste Tabellenhälfte machen. Der Durchmarsch in der Zweiten Liga war auch deren bescheidenem Niveau geschuldet, das dazu führte, dass sich zwischenzeitlich selbst biedere Bochumer und sogar Erzgebirgler Hoffnung auf die Bundesliga machen durften.

Die Berliner Leistungsträger der Berliner Supersaison 2008/09 sind längst weitergezogen. Geblieben sind Nebendarsteller wie Raffael oder Fabian Lustenberger. Babbels Stuttgarter Zeit lässt zudem fürchten, dass der Coach mit Krisensituationen nicht umgehen kann. Bislang lief es - abgesehen von ein paar Wochen - für ihn immer rund in Berlin.

Was ist möglich?

Wenig. Das wowereitsche Berlinmotto gilt für die Hertha nicht. Geld hat sie zwar kaum, aber sexy ist sie nur im Sturm. Die bescheidene Hertha hat zu wenig investiert, um sich wieder in der Bundesliga zu etablieren. Bleibt dem Verein zu wünschen, dass er 2013 den nächsten Anlauf nehmen darf.

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