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Fußball-Bundesliga Bayern zu gut, die Konkurrenz zu schlecht


Der Start in die Rückrunde hat deutlich gemacht: Wer auf nachlässige Bayern und eine erstarkte Konkurrenz gehofft hatte, wurde eines Besseren belehrt. Was die Bayern freut, ist schlecht für die Liga.
Ein Kommentar von Tim Schulze

Mit schmerzverzerrtem Gesicht wälzte sich Jakub Blaszczykowski an der Seitenlinie. Der Mittelfeldrenner der Dortmunder hatte sich schon nach wenigen Minuten im Heimspiel gegen Augsburg das Knie verdreht – für den polnischen Nationalspieler war der Rückrundenauftakt schnell beendet. Er wurde mit Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt.

Damit lieferte Blaszczkowski das Sinnbild für die Dortmunder Misere in dieser Saison, die durch Verletzungspech und - zumindest in der Liga – eine sportliche Krise gekennzeichnet ist. Da dachte man schon, das Team von Jürgen Klopp würde gestärkt aus der Winterpause zurückkehren, stattdessen reichte es im eigenen Stadion gegen die Augsburger nur zu einem mauen 2:2. Mit einer solchen Leistung wird es für Dortmund schwer werden, den als Saisonziel ausgegebenen zweiten Platz zu erreichen.

Ernüchternder Auftritt des BVB

Der Auftritt des ehemals glanzvollen BVB war also ziemlich ernüchternd. Das gleiche gilt für Leverkusen. Die aktuelle Nummer zwei verlor, nachdem sie zweimal in Führung gelegen hatte, mit 2:3 in Freiburg. Die Nummer drei der Hinrunde, Borussia Mönchengladbach, wurde vom großen Meister aus München geschlagen. Die Mannschaft von Pep Guardiola hatte überhaupt keine Probleme dem drittstärksten Team der Hinserie die erste Heimniederlage zuzufügen.

Die Bayern führen jetzt mit zehn Punkten Vorsprung die Tabelle an. Es gibt noch 16 Spieltage, aber der entscheidende Faktor, der eine Liga spannend macht, ist außer Kraft gesetzt: der Titelkampf – möglichst bis zum letzten Spieltag. Die Konkurrenten sind nicht mal andeutungsweise in der Lage, den Hoeneß-Club unter Druck zu setzen. Die Münchner können jetzt in aller Ruhe den Vorsprung verwalten und sich auf den nächsten Coup konzentrieren: Nämlich das erste Team zu werden, dass den Champions-League-Titel verteidigt. Vielleicht stolpern sie ja im DFB-Pokal gegen den HSV. Das ist, zugegeben, für alle Nicht-Bayern-Fans ein sehr kühner Traum.

Zeichen für Mittelmäßigkeit

Das Problem ist: Eine solche Dominanz schadet der Liga. Sicher, da gibt es noch die Kämpfe um die internationalen Plätze und den Klassenerhalt. Das mag für die jeweiligen Fans der beteiligten Vereine das Wichtigste sein. Doch seien wir ehrlich: Entscheidend ist der Titelkampf. Die Ausgeglichenheit der Liga galt mal als Kennzeichen ihrer Stärke und als Garant ihrer Attraktivität. Wenn jedoch ein Team wie ein Alleinherrscher über allem thront, und der Rest sich die Punkte gegenseitig abnimmt, ist das nur noch ein Zeichen für Mittelmäßigkeit.

Wohlgemerkt: Das ist kein Vorwurf an die Bayern, sondern an die Konkurrenten. Zum Beispiel Gladbach. Wer in den ersten 30 Minuten nur eingeschüchtert Fußball simuliert und das damit begründet, dass die Bayern so übermächtig seien, hat es nicht anders verdient. Oder die Dortmunder: Wer sich nur darüber ärgert, das die bösen Bayern ihnen die besten Spieler wegkauft, statt selbst einen ähnlich breiten Kader aufzustellen, um auch größeres Verletzungspech zu kompensieren, muss sich nicht wundern.


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